Uli Hoeneß über Innenministerin Faesers WM-Besuch: "Damit hat Sie sich lächerlich gemacht"

Uli Hoeneß vertrat im "Doppelpass" bei SPORT1 die Meinung, dass die Berichterstattung während der WM in Katar viel zu sehr die Menschenrechtssituation des Gastgeberlandes thematisierte und der Fußball zu kurz kam.  (Bild: SPORT1/Rupp)
Uli Hoeneß vertrat im "Doppelpass" bei SPORT1 die Meinung, dass die Berichterstattung während der WM in Katar viel zu sehr die Menschenrechtssituation des Gastgeberlandes thematisierte und der Fußball zu kurz kam. (Bild: SPORT1/Rupp)

Uli Hoeneß sprach am Sonntagmorgen im "Doppelpass" bei SPORT1 über die Menschenrechts-Debatte während der WM in Katar. Aus seiner Sicht waren die Deutschen die Dummen. Auch was den Stellenwert der DFB-Elf in Deutschland betrifft, hatte der 71-Jährige eine klare Meinung.

Zum Rückrundenauftakt der Fußball-Bundesliga gab sich Uli Hoeneß im "Stahlwerk Doppelpass" bei SPORT1 so kontrovers wie eh und je. Besonders die Menschenrechtsdiskussion rund um das DFB-Team während der WM in Katar stand zu Beginn der Sendung im Mittelpunkt. Dabei störte den ehemaligen Manager und Präsidenten des FC Bayern München vor allem die Art der Debatte: "Dieses Ausmaß: Die ganzen vier Wochen standen nur die Menschenrechte im Fokus. Wir waren die großen Verlierer bei dieser Veranstaltung. Ich bin weit weg davon, dass nicht über Menschenrechte diskutiert wird. Aber wir Deutschen glauben, wir allein könnten die Welt verändern, und das ist das Problem." Für Hoeneß hätte während der WM der Fußball im Mittelpunkt stehen sollen: "Die Freude, die der Fußball vermitteln soll, die war doch in Deutschland in keiner Sekunde da."

Auch Sicht des 71-Jährigen waren dafür die Führung des DFB-Teams sowie die Medien verantwortlich. Zum einen sei beim DFB nicht erkannt worden, dass die permanente Diskussion den sportlichen Erfolg der Mannschaft gefährdet. "Das hätten Hansi Flick und Oliver Bierhoff unterbinden müssen. Wenn man Manager der Nationalmannschaft ist, muss man sagen: Jetzt ist Schluss mit der Diskussion."

Doch auch die Medien, allen voran die Öffentlich-Rechtlichen, hätten dazu beigetragen, dass hierzulande der Fußball während des Turniers nicht im Mittelpunkt stand: "Schauen Sie mal nach Argentinien, was da los war. Die sind auch für Menschenrechte. Aber in diesen vier Wochen steht der Fußball im Fokus. Das war bei uns überhaupt nicht der Fall. Die Öffentlich-Rechtlichen haben mit Jochen Breyer und Co. eine Viertelstunde vor dem Eröffnungsspiel noch über Menschenrechte diskutiert. Erst zehn Minuten von Anpfiff wurde zum Eröffnungsspiel geschaltet."

Von links: Zum Rückrundenauftakt diskutierten im "Stahlwerk Doppelpass" Stefan Effenberg, Olaf Schröder, Christian Falk, Mario Basler, Michael Bröcker und Uli Hoeneß mit Moderator Florian König (Mitte) über die WM in Katar und den 16. Spieltag der Fußball-Bundesliga. (Bild: SPORT1/Rupp)
Von links: Zum Rückrundenauftakt diskutierten im "Stahlwerk Doppelpass" Stefan Effenberg, Olaf Schröder, Christian Falk, Mario Basler, Michael Bröcker und Uli Hoeneß mit Moderator Florian König (Mitte) über die WM in Katar und den 16. Spieltag der Fußball-Bundesliga. (Bild: SPORT1/Rupp)

"Wir Deutschen waren die Dummen"

Auch zur Debatte um die One-Love-Binde bezog Uli Hoeneß Stellung. "Die FIFA besteht aus über 200 Ländern. Die One-Love-Binde war zwischen fünf, sechs Europäern koordiniert. Aber als die anderen gemerkt haben, dass das nicht durchzusetzen ist, haben die den Schwanz eingezogen und wir Deutschen waren die Dummen", stelle Hoeneß fest und ergänzte: "Unsere Innenministerin setzt sich mit der Binde neben Gianni Infantino. Damit hat sie sich lächerlich gemacht."

Fehlende Identifikation mit der Nationalmannschaft

Auch im Hinblick auf die kommende Heim-EM 2024 übte das FC-Bayern-Urgestein Kritik. Nach seiner Einschätzung habe der DFB die über Jahre gewachsene Beziehung zwischen Fans und Nationalelf leichtfertig verspielt: "Das andere sind die Strukturen des DFB - da geht es um die Akademie, die Nachwuchsförderung, das Außenbild der Nationalmannschaft. Die sind doch gar nicht mehr sichtbar. Die machen kein öffentliches Training mehr, gegen Armenien werden 150 Euro für die Haupttribüne verlangt. Warum machen wir keine Spiele mehr um 17.00 Uhr, wenn die Kinder zuschauen können?" Es sei daher an der Zeit, eine neue Aufbruchsstimmung zu erzeugen.

"Beim FC Bayern kommt der Mensch zuerst"

Auch zur Diskussion um Manuel Neuers Ausfall äußerte sich Uli Hoeneß. Weder müsse man über eine Suspendierung nachdenken noch fordern, dass der Nationaltorwart die Ablösesumme für seinen Ersatz Yann Sommer bezahlt. Man sollte sich zunächst vor Augen halten, was der Torhüter alles für den FC Bayern geleistet hat: "Ich glaube, ein wesentlicher Teil des Erfolges von Bayern München ist, dass beim FC Bayern der Mensch zuerst kommt und dann das Geld. Da geht es dann auch nicht um die eine oder andere Million, sondern um den Menschen." Aus der Sicht von Hoeneß war es vollkommen richtig, dass der FC Bayern in der jetzigen Situation aktiv wurde und einen Ersatzmann verpflichtet hat.

Das sah auch die Doppelpass-Runde so. Es kam jedoch die Frage auf, was im Sommer aus dem für acht Millionen Euro teuren Wintertransfer wird, wenn Manuel Neuer wieder fit ist. Doch was im Sommer mit Sommer ist, könne man im Winter noch nicht sagen, frühestens im späten Frühjahr.