Um Tiere zu retten: Japaner erfindet Alternative zur Plastiktüte

Willy Flemmer
·Freier Autor für Yahoo
·Lesedauer: 2 Min.

Ein Japaner hat eine nachhaltige Alternative zur Plastiktüte erfunden. Konkreter Anlass war allerdings nicht die Zerstörung der Umwelt, sondern ein anderer trauriger Grund.

NARA, JAPAN - JUNE 06: Tourists take photographs as wild sika deer eat a bag on June 6, 2019 in Nara, Japan. Nara's free-roaming deer have become a huge attraction for tourists. However, an autopsy on a deer that was recently found dead near one of the city's famous temples discovered 3.2kg of plastic in its stomach and caused concern at the effect of tourism as Japan struggles to cope with a huge increase in domestic and international tourists. Alongside a growing Japanese tendency to holiday domestically, a record 31 million people visited the country in 2018 up 8.7 percent from the previous year, with many people now worrying about the environmental impact caused by such large visitor numbers. (Photo by Carl Court/Getty Images)
Die Hirsche sind eine Touristenattraktion im Nara-Park. Die Begegnung mit dem Menschen kann für die Tiere jedoch gefährlich sein. (Bild: Carl Court/Getty Images)

Hidetoshi Matsukawa sah sich zum Handeln gezwungen, nachdem in seiner Stadt Nara mehrere Hirsche durch den Verzehr von Plastik verendet waren. Seine Brötchen verdiente er bis dahin als Souvenir-Großhändler. Nachdem er vom Schicksal der Tiere hörte, einem der Wahrzeichen der Stadt, entschied er sich, unter die Erfinder zu gehen. "Ich wollte etwas tun, um die Hirsche zu schützen", sagt er in einem Interview mit dem Nachrichtensender CNN.

Nara gehört zu den beliebtesten Touristenstädten Japans. Sie ist bekannt für ihre Tempel, Schreine und Ruinen. Besonders beliebt ist auch der Nara-Park, den die Touristen auch wegen den rund 1.000 Hirschen gerne besuchen, die dort beheimatet sind.

Hirsche sterben an Plastikmüll

Die Begegnung freut die Menschen, für die Tiere kann sie tragische Folgen haben. Im vergangenen Jahr starben neun Hirsche, weil sie Plastik, die Hinterlassenschaft der Parkbesucher, verzehrt hatten, wie CNN unter Berufung auf einen örtlichen Wohlfahrtsverein berichtet.

2019 starben in Nara mehrere Hirsche an den Folgen von Plastikverzehr. (Symbolbild: Getty Images)
2019 starben in Nara mehrere Hirsche an den Folgen von Plastikverzehr. (Symbolbild: Getty Images)

Zwar werden die Besucher angehalten, im Park keinen Müll zu entsorgen, für Matsukawa ging die Maßnahme jedoch nicht weit genug. Er tat sich mit einem örtlichen Papierhersteller zusammen, mit dem er das "Shikagami", das Hirsch-Papier also, entwickelt hat.

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Die Tüten bestehen aus Milchkartons und Reiskleie, das bei der Verarbeitung des Getreides zurückbleibt. Das heißt also: Mit seiner Erfindung schlägt Matsukawa eine zweite Fliege mit derselben Klappe. "Das Papier hilft auch", sagt der Erfinder, "diesen Abfall zu reduzieren."

Gut für Hirsche, Menschen und Nara

Ob die Shikagami für die Hirsche wirklich ungefährlich sind, müssen entsprechende Untersuchungen noch beweisen. Matsukawa wagt dennoch zu behaupten, dass die Papiertüten "für die Tiere genauso sicher sind wie für den Menschen."

Mit den Verantwortlichen des Todai-ji-Tempels, einer der Attraktionen der Stadt, sind die Hersteller bereits Partnerschaften eingegangen. Das ist ein Anfang, auf lange Sicht hofft Matsukawa, dass die Shikagamis in Nara die Plastiktüten komplett ersetzen.

Auch das hätte mehrere Vorteile. Es wäre gut für die Hirsche, aber auch gut für die Stadt. Matsukawa formuliert das so: "Die Papiertüten können die Hirsche schützen und das Image von Nara als Stadt der Hirsche bewahren."

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