Umwege, Parkplätze, verirrte Lkw: Sperrzone Zülpicher Straße nervt viele Anwohner

Eine Sperrung der Straße an anderer Stelle könnte das Chaos beenden.

Wenn die Anwohner der Wilhelm-Waldeyer-Straße aus dem Haus treten, tun sie oft erst einmal eines: Sie erklären einem verirrten Autofahrer, der fragenden Blicks vor den Pollern auf der Zülpicher Straße steht, dass diese Straße gesperrt ist und er nun durch ihre schmale Heimatstraße auf die Universitätsstraße zurückfahren muss.

Immer wieder übersehen Autofahrer die Warnschilder, auch Navigationsgeräte kennen die Sperrung noch nicht. „Alle zwei Tage fährt sich in unserer Straße ein Lkw fest“, schildert Anwohnerin Bärbel von Hesberg. Manch ramponierte Kotflügel von Autos der Anwohner zeugten davon.

Experiment im Mai 2016 angefangen

Im Mai vergangenen Jahres hatte die Stadt die Zülpicher Straße auf Höhe der Mensa und kurz hinter der Wilhelm-Waldeyer-Straße sperren lassen. Es ist ein Experiment. Getestet wird, ob die Verkehrsachsen, auf die der Autoverkehr aufgrund der Sperrung ausweicht, dadurch überlastet sind oder ob der Vorteil der autofreien Zone für Radfahrer und Fußgänger überwiegt.

Das Zwischenergebnis hat die Stadt gerade bei einer Informationsveranstaltung in der Mensa präsentiert. „Der Verkehr ist nicht zusammengebrochen“, sagte Angela Stolte-Neumann vom Amt für Straßen- und Verkehrstechnik erfreut. Die 5500 Autos, die vorher täglich im Durchschnitt auf der Zülpicher Straße verkehrten, würden von den umliegenden Straßen aufgenommen. Es gebe nur hier und da kleine Probleme, unter anderem an den Kreuzungen Universitätsstraße/Zülpicher Straße, am Zülpicher Wall und an der Wilhelm-Waldeyer-Straße, sagte Angela Stolte Neumann.

Sperrung an anderer Stelle vorgeschlagen

Viele betroffene Anwohner vermag das Ausbleiben des ganz großen Chaos’ nicht zu trösten. Ihnen reichen die Auswirkungen des Experiments vor der Haustür. „Ich bin ja überhaupt nicht prinzipiell gegen die Sperrung“, betont von Hesberg, „nur gegen die schlechte Umsetzung.“ Die Durchfahrt-Verboten-Schilder hingen zu hoch und würden nicht gesehen. Zudem könne man doch die Zülpicher Straße an anderer Stelle sperren. Dann würden Autofahrer, die irrtümlich in die Sperrzone geraten sind, nicht durch das Gleisbett daran gehindert, auf der Zülpicher zu drehen – und müssten nicht mehr die kleine Wilhelm-Waldeyer-Straße als Ausweg benutzen.

Die Wahl des Ortes für den Versuch kritisieren auch andere Anwohner. „Warum sperrt man die Zülpicher Straße nicht dort, wo es wirklich eng ist?“ Das fragt sich Gerd Wüstner, der seinen Werbetechnikbetrieb am Zülpicher Wall hat. Er schlägt vor: „Man könnte doch einfach den Bereich zwischen den Ringen und der Dasselstraße in eine Einbahnstraße Richtung stadtauswärts umwandeln“. Auf diese Weise blieben die Parkplätze für die Anwohner, die Anlieferungsmöglichkeit für Gastronomie und Geschäfte erhalten.

Gefahren nur verlagert

Durch die Sperrung würden zudem die Gefahren für Radfahrer und Fußgänger nur verlagert. Wenn der Autoverkehr statt geradeaus in die Zülpicher zu fahren nun rechts oder links in die Universitätsstraße und später in die Bachemer Straße abbiege, sei das gefährlich. Dort überquerten schließlich viele Fußgänger und Radfahrer die Straße. „Jeder weiß, dass Abbiegesituationen die häufigste Unfallursache sind“, sagt Wüstner.

Er beklagt auch, dass er durch das Experiment oft viel Zeit verliere. „Ich habe meinen Betrieb am Zülpicher Wall und wohne etwa einen Kilometer weiter in der Laudahnstraße“, berichtet er. Er sei beruflich auf das Auto angewiesen, und viel unterwegs. Ein Abstecher in die Firma sei meist die letzte Station seines Arbeitstages. Wenn er von dort nach Hause fahre, könne er nun nur noch in Richtung Innenstadt abbiegen und müsse Kilometer weite Umwege machen.

Kölner müssen längere Wege in Kauf nehmen

Über die längeren Strecken ärgert sich auch Sabine Grünberg, die an der Ecke Zülpicher Straße Weyertal wohnt. Die längeren Wege führten unter anderem zu einer höheren Stickstoffbelastung. Und weil durch die Sperrung Parkplätze am Anfang der Zülpicher Straße weggefallen seien, werde es nun für die Bewohner des Weyertals auf der anderen Seite der Universitätsstraße gleichfalls eng.

Die Stadtverwaltung nimmt die Kritik ernst. „Wir denken – auch durch die Anregungen der Anwohner – über viele Verbesserungen nach“, sagt Angela Stolte-Neumann. Die Wilhelm-Waldeyer-Straße könnte man beispielsweise besser vor Durchgangsverkehr schützen, indem man vor der Einfahrt von der Universitätsstraße auf die Zülpicher Straße statt einem Durchfahrtverbots- ein Sackgassenschild anbringe. Das sei abschreckender.

Stadt Köln sucht neue Parkmöglichkeiten

Stolte-Neumann hält zudem den Bau eines Gehwegs über die Zülpicher Straße für sinnvoll. So solle abbiegenden Autofahrern schon optisch bewusst werden, dass sie den Bereich für den Autoverkehr verlassen. Außerdem überlegt die Stadt, wo neue Parkmöglichkeiten geschaffen werden könnten. „Wenn der Beschluss gefasst ist, dass die Sperrung bestehen bleibt, können wir auch umbauen. Das hat sich bei einem reinen Versuch nicht gelohnt“, betont Stolte-Neumann. Man könne dann die Gleisbette auffüllen und asphaltieren, so dass die Autos auf der Zülpicher Straße wenden könnten, statt erst in die Wilhem-Waldeyer-Straße fahren zu müssen.

Die stärkere Verkehrsbelastung durch Umwege und Abbieger sei relativ. „Das verteilt sich sehr stark“, sagt Stolte-Neumann. „Pro Kreuzung sind es etwa zehn Prozent. Dadurch nimmt die Unfallgefahr nicht zu.“ Längere Umwege müssten eigentlich nur die unmittelbaren Anwohner in Kauf nehmen. Autofahrer, die nicht in der Nähe wohnten, wählten von vornherein eine andere Route.

Kreisverkehr geplant

An der Kreuzung Zülpicher Wall, Bachemer Straße, wo Pkw-Fahrer momentan gezwungen sind, links in Richtung Innenstadt zu fahren, sei ein Kreisverkehr geplant. Anlieger könnten künftig von dort in alle Richtungen abbiegen. „Die Sperrung an der Uni ist dort sinnvoll“, betont Stolte-Neumann. „Es geht darum, den Grüngürtel zu schließen. Grundsätzlich ist die Zülpicher Straße durch die Nähe der Universität und die Studenten vor allem eine wichtige Radverkehrsverbindung.“

Es gibt auch Befürworter der Sperrung: „Das ist eine mutige Entscheidung der Verwaltung“, lobt Martin Herrndorf, Sülzer und Mitglied der Agora, einer Bewegung, die sich für Nachhaltigkeit einsetzt. „Die Sperrung bedeutet eine erhebliche Verbesserung für den Radverkehr zur Uni und in Richtung Innenstadt.“

Herrndorf ist überzeugt, dass es viele Menschen gibt, die den Versuch schätzen: „Die schweigende Mehrheit fährt lächelnd und entspannt mit dem Rad durch die Zülpicher Straße und freut sich über Ruhe, saubere Luft und weniger Stress.“...Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta

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