Umweltverbände: EU-Staaten erlauben zu viel Ostsee-Fischfang für 2024

LUXEMBURG (dpa-AFX) -Die EU-Staaten riskieren aus Sicht von Umweltverbänden mit zu hohen Fangmengen in der Ostsee gesunde Fischbestände. "Anstatt die kritischen Populationen zu schützen, werden die Fehler der Vergangenheit wiederholt", sagte der Vorsitzende der Umweltschutzorganisation BUND, Olaf Bandt, am Dienstag. Aktuell seien fünf von zehn Fischpopulationen in der Ostsee zusammengebrochen. Kritik gibt es etwa daran, dass zentraler und bottnischer Hering weiter gezielt gefangen werden dürfen. Für die Deutsche Umwelthilfe (DUH) steht diese Erlaubnis "entgegen jeder Vernunft".

Am Dienstagvormittag hatten sich die EU-Staaten in Luxemburg auf erlaubte Fangmengen für das kommende Jahr geeinigt. Die für deutsche Fischer wichtigen Herings- und Dorschbestände dürfen mit wenigen Ausnahmen nicht gezielt gefischt werden. Die DUH bezeichnete dies als sinnvoll. Ihrer Einschätzung nach dürfen aber zu viele Schollen und Sprotten fangen. Sie fürchten zu hohen Beifang von Heringen und Dorschen. DUH-Bundesgeschäftsführer Sascha Müller-Kraenner sagte: "Der Zustand von Hering und Dorsch, den einstigen "Brotfischen" der deutschen Ostseefischerei, ist anhaltend katastrophal."

Greenpeace kritisierte Bundesagrarminister Cem Özdemir (Grüne) dafür, sich für eine Ausnahme für deutsche Fischer stark gemacht zu haben. In der westlichen Ostsee dürfen kleine Boote, die etwa mit Stellnetzen oder Reusen fischen, weiterhin gezielt Heringe fangen. Die EU-Kommission hatte eigentlich vorgeschlagen, diese Ausnahmen auslaufen zu lassen.