UN-Bericht: Weniger zivile Opfer im Afghanistankrieg

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Beerdigung eines Opfers des Selbstmordanschlags vom 24. Oktober in Kabul.
Beerdigung eines Opfers des Selbstmordanschlags vom 24. Oktober in Kabul.

Die Zahl der zivilen Opfer im Afghanistankonflikt ist in diesem Jahr so niedrig wie zuletzt vor acht Jahren. Doch trotz der afghanischen Friedensgespräche ist kein Ende der Gewalt in Sicht.

Kabul (dpa) - Im Afghanistankonflikt sind in den ersten neun Monaten dieses Jahres etwa 30 Prozent weniger Zivilisten getötet oder verwundet worden als ein Jahr zuvor.

Die Aufnahme afghanischer Friedensgespräche im September führte jedoch zu keinem Rückgang der Anzahl ziviler Opfer, wie aus einem Bericht der UN-Mission in Afghanistan (Unama) hervorgeht, der am Dienstag veröffentlicht wurde.

In der östlichen Provinz Chost verübten Aufständische am Dienstag einen Angriff in der Nähe von Spezialeinheiten der Polizei. Die Attentäter zündeten eine Autobombe und eröffneten das Feuer. Mindestens 15 Menschen seien dabei getötet und 25 weitere verwundet worden, teilten Innenministerium und Polizei mit. Unter den Toten seien zehn Attentäter. Zunächst bekannte sich niemand zum Angriff.

In der Hauptstadt Kabul wurden bei einer Bombenexplosion in der Nähe des Flughafens drei Zivilisten getötet und zehn weitere verletzt, wie ein Polizeisprecher sagte.

Immer wieder werden Unbeteiligte Opfer des Konflikts. Bis Oktober wurden in diesem Jahr Unama zufolge 2117 Zivilisten getötet und 3822 verwundet. Zuletzt hatte es 2012 im gleichen Zeitraum weniger zivile Opfer gegeben. Die UN-Mission stellte mit Sorge eine Zunahme der Anzahl ziviler Opfer durch Angriffe der afghanischen Luftwaffe um 70 Prozent fest. Erst am Samstag kam es wieder zu einem solchen Vorfall, bei dem 12 Kinder im Norden des Landes getötet wurden.

Dass etwa ein Drittel der diesjährigen Opfer Kinder waren, bezeichnete die Organisation Save the Children als Weckruf. «Es ist positiv, dass es in diesem Jahr einen offensichtlichen Rückgang der Todesfälle gegeben hat, aber Afghanistan ist immer noch einer der schlimmsten Orte der Welt, an dem man ein Kind sein kann», sagte der Landesdirektor der Organisation, Chris Nyamandi, in einer Mitteilung.

«Die Friedensgespräche werden einige Zeit brauchen, um Frieden zu bringen. Aber alle Parteien können den Gesprächen sofort Priorität einräumen und dringende, offen gesagt überfällige zusätzliche Schritte unternehmen, um den schrecklichen Schaden für die Zivilbevölkerung einzudämmen», sagte Deborah Lyons, Sonderbeauftragte des Generalsekretärs für Afghanistan, der Mitteilung zufolge.

Afghanistans Regierung spricht mit den militant-islamistischen Taliban seit September über Frieden, doch der Konflikt im Land geht mit einem hohen Gewaltniveau weiter. Am Samstag starben bei einem Selbstmordanschlag der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Kabul 24 Schülerinnen und Schüler, fast 60 wurden verwundet.