Äthiopiens Ministerpräsident Abiy laut Staatsmedien an der Front

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Der Konflikt zwischen Addis Abeba und der TPLF eskaliert weiter (AFP/Amanuel Sileshi)

In Äthiopien spitzt sich der Konflikt zwischen der Regierung von Ministerpräsident Abiy Ahmed und der Rebellengruppe TPLF aus der nördlichen Region Tigray immer weiter zu. Laut Staatsmedienberichten vom Mittwoch begab sich Abiy inzwischen selbst an die Front. UN-Generalsekretär António Guterres forderte eine "bedingungslose und sofortige" Waffenruhe in dem ostafrikanischen Krisenland. Auch die USA mahnten eine Deeskalation an.

Die Konfliktparteien sollten die Waffen schweigen lassen, "um das Land zu retten", sagte Guterres am Mittwoch bei einem Besuch in Kolumbien zur Feier der Unterzeichnung des Friedensvertrages zwischen der Regierung und den Farc-Rebellen vor fünf Jahren. Eine Waffenruhe würde einen "inneräthiopischen Dialog zur Lösung der Krise ermöglichen und Äthiopien wieder in die Lage versetzen, zur Stabilität in der Region beizutragen".

Auch die US-Regierung appellierte an die Konfliktparteien, in den Dialog zu treten. "Es gibt keine militärische Lösung für den Konflikt in Äthiopien", betonte ein Sprecher des US-Außenamts am späten Mittwochabend. Verhandlungen seien die "erste, letzte und einzige Option" in dem Konflikt.

Der Sprecher erklärte weiter, Washington sei informiert über Berichte, wonach Ministerpräsident Abiy sich an die Front begeben habe sowie über Ankündigungen prominenter äthiopischer Sportler, Parlamentarier und Regionalpolitiker, es dem Regierungschef gleich zu tun. "Wir appellieren an alle Parteien, von einer aufrührerischen und kriegerischen Rhetorik abzusehen, sich in Zurückhaltung zu üben, die Menschenrechte zu achten, humanitären Zugang zu erlauben und Zivilisten zu schützen."

Wo an der Front genau sich Abiy befand, war zunächst unklar. Offizielle Vertreter aus Addis Abeba äußerten sich nicht zu dem Aufenthaltsort des Friedensnobelpreisträgers des Jahres 2019, auch Bilder von ihm an der Seite der Soldaten wurden nicht veröffentlicht.

Nach Angaben des Senders Fana inspirierte Abiy zahlreiche Äthiopier, sich freiwillig zum Kriegsdienst zu melden. Hunderte neue Rekruten nahmen demnach am Mittwoch an einer Zeremonie im Bezirk Kolfe der Hauptstadt teil.

Der Konflikt zwischen der Regierung in Addis Abeba und der TPLF hatte vor rund einem Jahr mit einer Offensive der Regierungstruppen in Tigray begonnen. Seither wurden tausende Menschen getötet und mehr als zwei Millionen weitere vertrieben. Die Vereinten Nationen werfen allen Konfliktparteien schwere Menschenrechtsverletzungen vor.

Die TPLF hat sich inzwischen mit weiteren Rebellengruppen zusammengeschlossen, um Abiy zu stürzen. Die UNO, die Afrikanische Union und die USA versuchen, in dem Konflikt zu vermitteln.

Zuletzt hatten mehrere internationale Regierungen ihre Bürger in Äthiopien zu einem Verlassen des Landes aufgefordert. Auch die Vereinten Nationen kündigten an, ihr internationales Personal auszufliegen.

isd

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