Vor UN-Klimakonferenz neuer Klimaschutzkurs gefordert

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UNEP-Direktor Steiner

UNEP-Direktor Steiner sieht das lahmende Klimaschutzengagement der Europäischen Union mit Sorge. Europa müsse wieder seine Vorreiterrolle übernehme und sich der "Möglichkeiten auch klar wird, die es in der internationalen Klimapolitik beitragen kann"

Vor der UN-Klimakonferenz in Warschau hat der Chef des UN-Umweltprogramms UNEP, Achim Steiner, die Weltgemeinschaft zum Umsteuern beim Klimaschutz aufgerufen. "Die Lücke zwischen Handeln und Ziel wird immer größer, das heißt, wir bewegen uns noch immer in die falsche Richtung", sagte Steiner. Die vorliegenden Klimaschutzzusagen der internationalen Gemeinschaft entsprächen nicht "den Zielmargen, die die Wissenschaft uns gegeben hat".

Steiner äußerte sich überdies besorgt über das lahmende Klimaschutzengagement der Europäischen Union. "Europa ist einer Phase, wo es zögert", sagte der UNEP-Direktor dem Radiosender NDR Info. Es sei nun wichtig, dass Europa wieder aktiv seine Vorreiterrolle übernehme und sich der "Möglichkeiten auch klar wird, die es in der internationalen Klimapolitik beitragen kann".

Besonderes internationales Interesse gilt laut Steiner derzeit der Energiewende in Deutschland. Das Land könne "ein Beispiel dafür geben, dass der Übergang hin zu einer kohlenstoffarmen Wirtschafts- und Infrastruktur möglich ist und sogar neue Möglichkeiten im Sinne von Arbeitsplätzen, von neuen Märkten schafft", sagte Steiner NDR Info.

Von der UN-Klimakonferenz, die am Montag in Warschau beginnt, erwartet Steiner die Festlegung einer "Verhandlungszielbahn", damit wie geplant bis zum Jahr 2015 ein international verbindliches Klimaschutzabkommen steht, das 2020 in Kraft treten soll. Außerdem müsse "in Warschau deutlich werden, dass die internationale Gemeinschaft ihre Verpflichtung bei der Klimafinanzierung ernst nimmt, denn auch hier gibt es viele Zweifel".

Beim UN-Klimagipfel im Jahr 2009 in Kopenhagen hatten sich die Industriestaaten grundsätzlich dazu bereit erklärt, ärmere Länder beim Klimaschutz bis zum Jahr 2020 mit jährlich hundert Milliarden Dollar (knapp 75 Milliarden Euro) zu unterstützen. Bis heute fehlt es aber an Konkretisierungen dieser Zusage.