Konferenz berät über "gefährlichen" Rückgang der weltweiten Artenvielfalt

Delegierte mit Plüschtieren bei Cites-Konferenz in Genf

Zum Auftakt der Weltartenschutz-Konferenz in Genf haben Umweltschützer und Regierungsvertreter vor einem rasanten und nie dagewesenen Rückgang der Artenvielfalt gewarnt. Der Rückgang der Artenvielfalt weltweit sei "gefährlich" und "beispiellos", sagte Cites-Generalsekretärin Yvonne Higuero bei der Eröffnung der Konferenz am Samstag. Die Grünen forderten die Bundesregierung auf, sich für einen Schutzstatus der afrikanischen Giraffen einzusetzen.

Vertreter der mehr als 180 Vertragsstaaten des Washingtoner Artenschutzübereinkommens Cites beraten zwölf Tage lang in Genf über den Schutz bedrohter Tier- und Pflanzenarten. Higuero mahnte, weiterzumachen wie bisher sei beim Artenschutz "keine Option mehr". Der Schweizer Innenminister Alain Berset forderte "starke und dringliche" Maßnahmen. "Es gibt keine Alternative", sagte er am Samstag.

Ein Schwerpunkt der Konferenz ist unter anderem der illegale Handel mit Wildtieren, der vor allem im Internet boomt und das Artensterben mitverursacht. Zum ersten Mal steht außerdem die Forderung auf der Agenda, den Schutzstatus der afrikanischen Giraffe festzulegen. Dies würde die Nachverfolgung und Regulierung des Handels mit Giraffen-Produkten ermöglichen. Es blieb zunächst unklar, ob der Schutzstatus auf der Konferenz genehmigt wird.

"Abseits der Öffentlichkeit findet weltweit ein stilles Aussterben der Giraffen statt", sagte die naturschutzpolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion, Steffi Lemke, am Samstag der Nachrichtenagentur AFP. "Mit den Giraffen droht eine weitere Tierart aus der freien Wildbahn zu verschwinden." Noch sei es möglich, das Artensterben zu stoppen, wenn entschieden gehandelt werde. Innerhalb der vergangenen 30 Jahre habe sich der Bestand der Giraffen nahezu halbiert.

Wie das Bundesumweltministerium auf Anfrage Lemkes mitteilte, lag der weltweite Bestand frei lebender Giraffen im Jahr 1985 zwischen 146.700 und 158.500. Zählungen in den Jahren 2015 und 2016 ergaben demnach nur noch einen Bestand von rund 85.000 Tieren.

Von einzelnen Unterarten gebe es nur noch wenige hundert Tiere, sagte Lemke. Der Lebensraum der Giraffen werde durch Rodung und Landnutzung, politische Unruhen, illegale Jagd und ökologische Veränderungen bedroht. Auch Wilderei in Zentral- und Ostafrika führe zu Bestandsrückgängen. Lemke forderte von der Bundesregierung, sich auf der Konferenz für den Schutzstatus einzusetzen.

Mit mehr als hundert Tagesordnungspunkten und 57 Anträgen zum Schutz von Arten wie Nashörner, Giraffen, Jaguaren und Haien ist es diesmal in Genf die längste Tagesordnung in der Cites-Geschichte. Das Washingtoner Artenschutzabkommen wurde 1973 geschlossen und regelt den internationalen Handel mit Wildtieren und -pflanzen. Es umfasst derzeit etwa 5000 Tier- und 29.000 Pflanzenarten. Bei den regelmäßigen Vertragsstaatenkonferenzen werden die Listen der Arten, für die Handelsbeschränkungen gelten, angepasst.