UN-Studien warnen: Welt nahe an "unumkehrbarem" Klima-Zusammenbruch

Mehrere Veröffentlichungen der Vereinten Nationen warnen, dass im Kampf gegen die Klimakrise dringendes und gemeinsames Handeln notwendig ist.

Die Welt steht laut mehrerer UN-Berichte vor dem Klima-Kollaps. (Bild: Getty Images)
Die Welt steht laut mehrerer UN-Berichte vor dem Klima-Kollaps. (Bild: Getty Images)

Als "richtig düsteren Moment" bezeichnet Klimaexperte Professor Johan Rockström die aktuelle Lage. Aus drei in den letzten Tagen veröffentlichten Gutachten der UN geht hervor, wie nahe unser Planet vor der Katastrophe steht. Die Erde sei "sehr, sehr nahe an unumkehrbaren Veränderungen", wird Rockström vom Guardian zitiert. Die Zeit "läuft sehr, sehr schnell davon".

Emissionen müssten bis 2030 halbiert werden, um das 1,5-Grad-Ziel zu erreichen. Was weiter außer Reichweite denn je erscheint, wenn man sich vor Augen führt, dass Ölgiganten wie Shell und TotalEnergies aufgrund der hohen Nachfrage nach der Pandemiezeit sowie Russlands Krieg in der Ukraine aktuell Rekordprofite von 10 Milliarden US-Dollar im Quartal einfahren und ihre Profite damit jüngst verdoppelten.

UN-Bericht: Manch Fortschritt "jämmerlich unzureichend"

Die Berichte von drei der Schlüsselbehörden der UN, die jüngst veröffentlich wurden, lesen sich entsprechend ernüchtern. Die Umweltbehörde sieht aktuell "keinen glaubwürdigen Weg zum 1,5-Grad-Ziel", wegen dem "jämmerlich unzureichenden" Fortschritt bei der Minderung der Kohlestoffemission sei der einzige Weg, die Effekte des Klimawandels abzufangen, eine "schnelle Transformation der Gesellschaft".

Selbst, wenn alle Zusicherungen der Nationen zum Klimaschutz bis 2030 eingehalten werden würden, brächte das im besten Fall eine Erwärmung von 2,5 Grad Celsius. Schon das würde einen katastrophalen Zusammenbruch des Klimas zur Folge habe, wie die UN-Klimabehörde warnt. Nur eine Hand voll Nationen hätten dahingehend ihre Pläne seit dem Klimagipfel von Glasgow im vergangenen November intensiviert. Auch die Meteorologie-Behörde warnt vor einem alarmierenden Anstieg an ausgestoßenen Gasen wie Methan.

Für Professor Rockström, der am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung tätig ist, ist die Lage düster und ernst – und zwar "nicht nur wegen der Berichte, die zeigen, dass die Emissionen weiter steigen – wir uns also nicht an die Abmachungen des Glasgower oder Pariser Klimaabkommens halten – sondern auch, weil wir so viele wissenschaftliche Beweise haben, dass wir sehr, sehr nahe an unumkehrbaren Veränderungen sind. Wir kommen Umkehrpunkten immer näher."

Klimaexperte appelliert an Wirtschaft, Politik, Gesellschaft und Wissenschaft

Ein großer Rückschlag für die globalen Bemühungen sieht Rockström in der aktuell "geopolitisch instabilen" Lage: "Wir brauchen ein kollektives Handeln auf globalem Level, wahrscheinlich mehr denn je seit dem Zweiten Weltkrieg, um den Planeten stabil zu halten. Was wir haben, ist ein Allzeit-Tief, wenn es darum geht, im Kollektiv zusammenzuarbeiten."

Für den Professor gibt es in dieser "deprimierenden und herausfordernden" Situation nur eins: "Ich würde jedem raten, zu handeln: In Wirtschaft, Politik, Gesellschaft oder Wissenschaft. Je tiefer wir in diesen dunklen Abgrund an Risiken fallen, umso mehr Anstrengungen braucht es, um aus diesem Koch wieder herauszukommen. Es ist ja nicht so, als wüssten wir nicht, was zu tun ist – wir tun einfach nicht, was nötig ist."

Video: Die UN warnt: Klima-Vereinbarungen werden nicht eingehalten