Unbekannte Person klaut Spenden an die Jugendfeuerwehr

Nach Neujahr sammelt die Jugendfeuerwehr von Steinbach immer die ausrangierten Weihnachtsbäume ein. Die Bewohner und Bewohnerinnen bedanken sich dafür mit einer Spende. Foto: Symbolbild / gettyimages / Westend61

Im saarländischen Steinbach ist es Tradition, dass die Jugendfeuerwehr kurz nach Neujahr die ausgedienten Weihnachtsbäume einsammelt. Dafür bedanken sich die Bewohner und Bewohnerinnen stets mit kleinen Geldspenden, angebracht in Briefumschlägen an den Bäumen. Doch als die Feuerwehr dieses Jahr ausrückte, fanden sie sämtliche Bäume abgepflückt vor.

Tatort: Steinbach, Saarland

Tatzeitpunkt: zwischen Neujahr und Samstag, den 11. Januar

Täter: unbekannt (es gibt aber Hinweise)

Geschädigte: Jugendfeuerwehr Steinbach

Tathergang: Alles begann mit einem Facebook-Beitrag der Feuerwehr Steinbach am 5. Januar. Denn in Steinbach, einem Stadtteil von Lebach im Landkreis Saarlouis, gibt es eine Tradition: Die Nachwuchskräfte der ansässigen Feuerwehr sammeln jedes Jahr nach Neujahr die ausgedienten Weihnachtsbäume ein und entsorgen diese. Daran erinnerten sie auch vor kurzem auf Facebook:

„Am Samstag, dem 11.01.2020, ist es wieder soweit: die Jugendfeuerwehr Steinbach sammelt ab ca. 13:00 Uhr die ausgedienten Weihnachtsbäume ein. Gegen eine freiwillige Spende werden die Bäume von unseren jungen Helferinnen und Helfern eingesammelt, um diese umweltgerecht zu entsorgen.“

Diesen Service nutzen auch einige Bewohner Steinbachs, wie die Kommentare darunter zeigen. Eine Nutzerin schrieb: „Jedes Jahr eine super Sache. Wie immer nehme ich das Angebot sehr gerne an.“

Das Geld eingesammelt und die Bäume liegen gelassen

Doch der Facebook-Beitrag hat wohl auch eine Unbekannte oder einen Unbekannten auf eine folgenschwere Idee gebracht. Denn als die Jugendfeuerwehr am vergangenen Samstag ausrückte und die Tannenbäume mit den Spenden-Umschlägen einsammeln wollte, fanden sie zwar die Tannenbäume vor. Jedoch keinen einzigen Umschlag – die waren samt und sonders gestohlen.

Am 12. Januar veröffentlichte die Feuerwehr Steinbach deshalb folgenden Facebook-Beitrag:

„Hallo Unbekannte/r, deiner geschätzten Aufmerksamkeit ist offensichtlich nicht entgangen, dass gestern Morgen überall in Steinbach (Lebach) Tannenbäume an der Straße lagen. Deine Argusaugen entdeckten sogar die an einigen Bäumen angebrachten Tütchen oder Briefumschläge. Leider kam es an dieser Stelle jetzt zu einem kleinen Missverständnis: Der Inhalt der o.g. Anhänger war nicht für dich bestimmt, sondern war als kleine Spende/Anerkennung der Baumbesitzer an die Kinder unserer Jugendfeuerwehr für ihr tatkräftiges Einsammeln gedacht.“

Chance, alles wiedergutzumachen

In der Folge appellierte die Feuerwehr an das Gute in der Diebin oder in dem Dieb: „Nachdem du das jetzt weißt, gehen wir natürlich davon aus, dass du den versehentlich mitgenommenen Inhalt der Tütchen gerne bei der Feuerwehr Steinbach abgibst.“ Andernfalls, so weiter im Text, könnten auch die Kollegen von der Polizei die Spenden einsammeln. Denn einige Mitbürger und Mitbürgerinnen hätten den Tathergang und die betroffene Person samt Gefährt „ganz genau beobachtet“ und „können sich sehr gut daran erinnern“.

Am Ende des Beitrags stellte die Feuerwehr noch ein Ultimatum: Sollten die Geldspenden bis zum kommenden Sonntag zurückgebracht werden, sei die Sache vergessen. Für eine größere Reichweite hatte die Feuerwehr unter ihrem Beitrag zudem zahlreiche regionale Medien verlinkt, die dem Aufruf auch die gewünschte Aufmerksamkeit bescherten. So wurde der Facebook-Beitrag schon über 1.500 Mal geteilt und rund 150 Mal kommentiert.

Zwar hat das Spendengeld noch nicht wieder seinen Weg zurück zum angedachten Ziel gefunden, für die große Mithilfe und das Verbreiten des Aufrufs bedankte sich die Feuerwehr aber in einem Kommentar: „Wir sind überwältigt! Ihr seid eine geile Community, vielen Dank fürs Teilen!“

In Zukunft andere Lösung für die Spenden

Für ihren Umgang mit der Tat wurde die Feuerwehr Steinbach vielfach auf Facebook gelobt. Eine Nutzerin schrieb: „Ich finde es in Ordnung, wenn ihr dem „Unbekannten“ eine Chance einräumt, den Fehler wieder gut zu machen. Überhaupt auf die Idee zukommen, sich so dreist an den Kuverts zu vergreifen, macht einfach nur sprachlos! Anzeigen könnt ihr den Unbekannten dann immer noch, wenn er uneinsichtig ist. Ich drück euch die Daumen, dass ihr euer Geld für die JFW zurück bekommt.“

Sollte das jedoch nicht passieren, wird die Feuerwehr Steinbachs laut einem Interview des Löschbezirksführers Markus Lambert mit der „Saarbrücker Zeitung“ Anzeige gegen Unbekannt erstatten. Weiter sagte er: „Trotz des traurigen Vorfalls wird die Aktion (Abholung der Tannenbäume) auch im nächsten Jahr fortgesetzt. Wir haben so viele positive Rückmeldungen aus der Bevölkerung. Und die Jugendlichen, die alle zwischen acht und 14 Jahren sind, sind mit großem Eifer dabei. Das soll auch so bleiben.“ Ob die Spenden allerdings weiterhin an den Bäumen befestigt werden sollten, wisse er noch nicht.