Unerwartet hohe Beteiligung bei Präsidentschaftswahl in Frankreich

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Schlangestehen vor einem Wahllokal in Paris

Bei der ersten Runde der Präsidentschaftswahl in Frankreich hat sich eine unerwartet hohe Beteiligung abgezeichnet. Bis zum Mittag gaben 28,5 Prozent der Berechtigten ihre Stimme ab. Das war laut Innenministerium in Paris der drittbeste Zwischenstand bei einer Präsidentschaftswahl seit 43 Jahren. Wegen der Terrorgefahr findet der Urnengang unter einem beispiellosen Sicherheitsaufgebot statt. Die Wahl gilt als richtungsweisend für die künftige Europapolitik Frankreichs.

Die beiden Favoriten stehen hierbei für völlig entgegengesetzte Modelle: Der laut letzten Umfragen knapp vorn liegende Ex-Wirtschaftsminister Emmanuel Macron will die EU und die Eurozone vertiefen und die partnerschaftlichen Beziehungen zu Deutschland ausbauen. Seine chancenreichste Konkurrentin, die Rechtspopulistin Marine Le Pen, wirbt für dagegen für einen "Frexit", also einen EU-Austritt, und die Rückkehr zum Franc als alleinige Währung.

Aussichten auf einen Einzug in die Stichwahl der beiden Bestplatzierten am 7. Mai haben zudem der Konservative François Fillon und der Linkspartei-Gründer Jean-Luc Mélenchon. Den regierenden Sozialisten von Staatschef François Hollande droht hingegen ein Debakel: Ihr Kandidat, der Parteilinke Benoît Hamon, rutschte zuletzt in Umfragen auf deutlich unter zehn Prozent ab und würde damit abgeschlagen auf dem fünften Platz landen.

Alle der insgesamt elf Präsidentschaftskandidaten gaben bis zum Nachmittag ihre Stimme ab. Macron wählte im nordfranzösischen Badeort Le Touquet, wo er und seine Frau Brigitte von begeisterten Anhängern empfangen wurden.

Le Pen gab ihre Stimme in der nordfranzösischen Stadt Hénin-Beaumont ab, wo ihre Partei Front National den Bürgermeister stellt. Dort demonstrierten Aktivistinnen der feministischen Gruppe Femen barbusig und mit Le-Pen-Masken gegen die Rechtspopulistin, wurden aber nach kurzer Zeit von Polizisten abgeführt.

Die rege Beteiligung an der Wahl überrascht, denn viele Franzosen hatten sich bis zuletzt unentschlossen gezeigt. Vor vielen Wahllokalen bildeten sich lange Schlangen, unter anderem in Paris, aber auch vor französischen Auslandsvertretungen wie etwa in London. In Berlin gab es vor der Botschaft Wartezeiten von bis zu zwei Stunden. Das französische Konsulat in New York wurde wegen eines Bombenalarms vorübergehend geräumt.

Deutlich niedriger war die Beteiligung dagegen in einigen Gebieten im Großraum von Paris sowie im Département Sarthe nordwestlich der Haupstadt, wo der Konservative Fillon seine Hochburg hat. Dort stimmten bis zum Mittag rund 28,9 Prozent der Wähler ab, sechs Prozentpunkte weniger als 2012.

Fillon hatte lange als Favorit für die Präsidentschaftswahl gegolten, ist aber seit Bekanntwerden einer Scheinbeschäftigungsaffäre in den Umfragen abgestürzt. Sollten er und der Sozialist Hamon es nicht in die zweite Wahlrunde schaffen, wäre das ein Denkzettel für die etablierten Parteien: Erstmals in der Geschichte der Fünften Republik wäre dann kein Kandidat aus dem Lager der Konservativen oder der Sozialisten in der Stichwahl vertreten.

Insgesamt sind fast 47 Millionen Staatsbürger zur Wahl aufgerufen. In einigen Überseegebieten wie etwa den Karibik-Inseln Guadeloupe und Martinique hatte die Wahl bereits am Samstag begonnen. Die letzten Wahllokale schließen um 20.00 Uhr, danach werden erste Hochrechnungen erwartet.

Die Abstimmung findet angesichts der Terror-Gefahr unter hohen Sicherheitsvorkehrungen statt. Rund 50.000 Polizisten und Gendarmen sowie rund 7000 Soldaten sindn im Einsatz. Erst am Donnerstag hatte ein mutmaßlicher Anhänger der Dschihadistenmiliz IS in Paris einen Polizisten erschossen und drei Menschen verletzt.

Es ist das erste Mal, dass eine Präsidentschaftswahl im Ausnahmezustand stattfindet. Dieser war nach den Attentaten vom 13. November 2015 in Paris mit 130 Todesopfern verhängt und immer wieder verlängert worden.

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