Unfaire Miete, Gentrifizierung: Dieses Dorf kämpft für besseres Wohnen

Laura Kingston
Das Uferwerk.

Berlin ist die Hauptstadt der Freiheit, so sagt man. Wer zur Stoßzeit in der randvollen S7 steht, einen Aktenkoffer im Rücken und die Achselhöhle seines Nachbarn im Gesicht, spürt davon wenig. Es ist ein ganz normaler Montagmorgen. Mit dem kleinen Unterschied, dass ich heute nicht mit all den Aktenkoffern und Schwitzachseln aussteige, sondern sitzenbleibe.

Heute mache ich das, was die meisten Berliner selten tun: Ich fahre nach (nein, nicht durch) Brandenburg, genauer gesagt zum Uferwerk in Werder an der Havel. Dort treffe ich Menschen, die die Hauptstadt der Freiheit bewusst verlassen haben – und zwar für immer.

In den vollen U-Bahn-Tunneln macht sich die Freiheit eher nicht bemerkbar.

Als ich das Uferwerk nach einer Stunde Fahrt und fünf Minuten Fußweg erreiche, sehe ich erst mal eine Baustelle. Hinter Baggern und Bauzäunen ragen weiße Neubauten hervor. Dahinter befindet sich ein altes Fabrikgelände mit einem großen Hof, der sich zum Großen Zernsee hin öffnet.

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Irene Mohr, eine der Gründerinnen des Uferwerks, hatte als Architektin einige mögliche Grundstücke im Blick, aber die meisten in Potsdam und Umgebung waren zu teuer. Im Jahr 2014 fand sie das Grundstück rund um das ehemalige Fabrikgelände der Schaltgerätewerke Werder GmbH. Kostenpunkt: drei Millionen Euro.

Die kleine Gruppe um Irene Mohr brauchte schnell möglichst viele zahlungskräftige Mitglieder, um bei der Bank kreditwürdig zu sein. Als Geschäftseinlage mussten die Genossenschaftler in spe 500 Euro pro Quadratmeter zahlen, für eine 100-Quadratmeter-Wohnung also 50.000 Euro – nur um sie anschließend mieten zu können. “Das war für uns alle ein Batzen”, sagt Timo Kaphengst, der wie Irene Mohr von Anfang an dabei war.

Heute...

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