"Ungleichheiten werden sich verstärken": ARD-"Moma" beschäftigte sich mit sozialer Spaltung

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Andreas Peichl vom ifo Wirtschaftsinstitut erklärte im "ARD-Morgenmagazin", dass vor allem Geringverdiener von den Corona-Maßnahmen belastet werden.  (Bild: ARD / Screenshot)
Andreas Peichl vom ifo Wirtschaftsinstitut erklärte im "ARD-Morgenmagazin", dass vor allem Geringverdiener von den Corona-Maßnahmen belastet werden. (Bild: ARD / Screenshot)

Die wirtschaftlichen Dimensionen der Corona-Krise werden nach einer langen Zeit der Lockdowns immer sichtbarer. Ein Beitrag des ARD-"Morgenmagazins" geht der Frage nach, ob die Pandemie soziale Gräben weiter vertieft.

Besonders hart trifft es die ohnehin schon sozial Benachteiligten: Die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Krise bekommen laut eines Berichts des "ARD-Morgenmagazins" vom Dienstag vor allem diejenigen zu spüren, die nicht über ein dickes Portemonnaie verfügen. "Es sind insbesondere Geringqualifizierte oder Niedrigeinkommensbezieherinnen betroffen - viele Selbstständige auch, gerade wenn man an den Kulturbereich denkt", so Andreas Peichl vom ifo Wirtschaftsinstitut. Zur Verschärfung der Lage trägt auch die Tatsache bei, dass die Branchen unterschiedlich von den Auswirkungen der Pandemie betroffen sind. Laut Peichl boome die Industrie aktuell. Den Facharbeitern dort gehe es "eigentlich relativ gut".

Dies belegt auch ein Blick auf die Kurzarbeiter-Zahlen im April: Während in der Automobilbranche lediglich 4,8 Prozent von Kurzarbeit betroffen waren, sah es beim Einzelhandel mit 11,2 Prozent deutlich schlechter aus. Noch schlimmer traf es die Gastronomie: In dieser Branche arbeiteten 53,2 Prozent kurz. Dabei gehören die Beschäftigten dieser Branchen häufiger zu den sozial schlechter gestellten im Land.

"Für Menschen, die in den Branchen arbeiten, über die wir hier sprechen, sind auch oft 80 Prozent Kurzarbeitergeld zu wenig Einkommen, um die Miete zu zahlen", erklärte Katharina Dröge, wirtschaftspolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion im Bundestag. Ihre Partei hätte sich gewünscht, dass die Bundesregierung einkommensabhängig auf 90 Prozent erhöht hätte. Manche fallen sogar komplett durchs Raster der Hilfsmaßnahmen. Der "Moma"-Beitrag nennt hier Minijobber sowie viele Selbstständige. "Da fehlte so ein bisschen die gesellschaftliche Solidarität, sich stärker dafür einzusetzen, dass die mit echten Hilfen ausgestattet worden wären", kommentierte die Grünen-Politikerin.

Katharina Dröge, die wirtschaftspolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion, beklagte, von 80 Prozent Kurzarbeitergeld könnten manche Menschen nicht einmal ihre Miete bezahlen. (Bild: ARD / Screenshot)
Katharina Dröge, die wirtschaftspolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion, beklagte, von 80 Prozent Kurzarbeitergeld könnten manche Menschen nicht einmal ihre Miete bezahlen. (Bild: ARD / Screenshot)

Keine Entspannung in Sicht

Das größte Problem: Es ist keineswegs abzusehen, dass sich die Lage diesbezüglich schnell ändern wird, im Gegenteil: "Mittelfristig ist davon auszugehen, dass sich Ungleichheiten weiter verstärken werden", erklärte Andreas Peichl. Auch wenn sich die Corona-Lage im Land gerade bessert, und selbst nach Ende der Pandemie, wird die Politik vor einer großen sozialen Herausforderung stehen. Fraglos ein Thema, das auch den Wahlkampf mitbestimmen wird.

Auch im Interview mit dem Vorsitzenden des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) Reiner Hoffmann ging es im ARD-"Morgenmagazin" am Dienstag um die sozialen Verwerfungen. Im Gespräch im Hauptstadtstudio mit Michael Strempel hat Hoffmann massive Investitionen und eine Vermögens- und Erbschaftssteuer gefordert, um die Folgen der durch die Corona-Pandemie bedingten Ungleichverteilung aufzufangen. "In einer Zeit, wo Zinsen so niedrig sind, haben Schulden ihren Preis verloren, sodass wir gerade auch im Interesse der jungen Menschen massiv investieren müssen", sagte der DGB-Chef. "Jede nicht getätigte Investition ist für die zukünftige Generation doppelt und dreifach zu teuer."

Nach seinen Worten müssten die Stärkeren noch mehr in die Pflicht genommen werden: "Wir müssen offen darüber reden, wie wir über Vermögenssteuer, Erbschaftssteuer, über einen veränderten Verlauf von Einkommenstarifen, untere Einkommen entlasten können, aber obere Einkommen dann auch stärker an der Finanzierung des Gemeinwohls beteiligen", erklärte Hoffmann im "Moma".

"Wir müssen offen darüber reden, wie wir über Vermögenssteuer, Erbschaftssteuer, über einen veränderten Verlauf von Einkommenstarifen, untere Einkommen entlasten können, aber obere Einkommen dann auch stärker an der Finanzierung des Gemeinwohls beteiligen", erklärte DGB-Chef Reiner Hoffmann im "Moma". (Bild: ARD / Screenshot)
"Wir müssen offen darüber reden, wie wir über Vermögenssteuer, Erbschaftssteuer, über einen veränderten Verlauf von Einkommenstarifen, untere Einkommen entlasten können, aber obere Einkommen dann auch stärker an der Finanzierung des Gemeinwohls beteiligen", erklärte DGB-Chef Reiner Hoffmann im "Moma". (Bild: ARD / Screenshot)