UNHCR warnt vor Flüchtlingswelle wegen Nahrungskrise durch Ukraine-Krieg

Der russische Angriffskrieg in der Ukraine hat die Zahl der Vertriebenen weltweit nach UN-Angaben bereits auf mehr als hundert Millionen ansteigen lassen. Der Chef des Flüchtlingshilfswerk UNHCR, Filippo Grandi, warnte bei der Vorstellung des am Donnerstag veröffentlichten Jahresberichts der Organisation, dass der Kampf gegen die wegen des Kriegs drohende Nahrungsmittelknappheit von "größter Bedeutung" sei, "um zu verhindern, dass noch mehr Menschen fliehen" müssen.

Der Jahresbericht gab die Zahl der weltweit Geflüchteten Stand Ende 2021 mit 89,3 Millionen an. Das an sich war schon ein Rekordwert; ein Jahrzehnt zuvor hatte UNHCR nur halb so viele Flüchtlinge gezählt. Da seit dem Beginn der russischen Invasion am 24. Februar geschätzt bis zu 14 Millionen Ukrainer innerhalb ihres eigenen Landes oder über die Grenzen geflohen sind, liegt die Zahl erstmals seit Beginn der Aufstellung im dreistelligen Millionenbereich.

Dem Jahresbericht zufolge gab es Ende vergangenen Jahres 53,2 Millionen Binnenvertriebene und 27,1 Millionen Flüchtlinge. "Jedes Jahr in den letzten zehn Jahren sind die Zahlen stetig gestiegen", erklärte Grandi. "Wenn die internationale Gemeinschaft nicht zusammenkommt, um etwas gegen diese menschliche Tragödie zu unternehmen, Konflikte zu beenden und dauerhafte Lösungen zu finden, dann wird dieser schreckliche Trend anhalten."

Grandi verwies auf die unterschiedliche Aufnahmebereitschaft der Europäer, wenn es um Geflüchtete aus der Ukraine oder aus dem Nahen Osten geht. "Ich bin nicht naiv, ich verstehe den Kontext und dass es nicht immer so sein kann", sagte er. Doch der Umgang mit den Massen an ukrainischen Geflüchteten zeige, "dass die Aufnahme von Flüchtlingsströmen an den Küsten oder Grenzen reicher Länder handhabbar ist".

Er verwies auch auf die ungleiche Verteilung der Spendengelder - während für andere Flüchtlingskrisen nie die Spendenziele erreicht werden, seien für die Ukraine sofort große Summen verfügbar gewesen. "Es darf keine Ungerechtigkeit bei der Reaktion geben", forderte Grandi. Die Geberländer hätten versprochen, dass die Hilfe für die Ukraine zusätzlich zu den für andere Krisen zugesagten Beträgen bereitgestellt würden -  doch Grandi betonte, dass "die Zahlen das bisher nicht zeigen".

Grandi verwies insbesondere auf die Krisen am Horn von Afrika und in der Sahelzone. Dort trieben Konflikten, Unsicherheit, schlechte Regierungsführung und die verheerenden Auswirkungen des Klimawandels Millionen Menschen zur Flucht. Bislang würden diese Menschen in andere Landesteile oder Nachbarländer ziehen. "Aber ich wäre nicht überrascht, wenn wir mit der zusätzlichen Ernährungsunsicherheit sehen, dass die Menschen die Region verlassen", warnte Grandi.

Der Krieg in der Ukraine sorgt nicht nur für eine drohende Lebensmittelkrise - Er "hat der internationalen Zusammenarbeit einen schrecklichen Schlag versetzt", sagte Grandi. "Die Brüche zwischen dem Westen und Russland und sogar zwischen den wichtigsten Mitgliedern des Sicherheitsrats sind so schwerwiegend, dass es lange dauern wird, bis sie heilen". Wenn sie jedoch nicht überwunden werden, "weiß ich nicht, wie wir diese Krise bewältigen sollen".

Russland und die Ukraine gehören zu den größten Getreideexporteuren weltweit. Ihre Produkte gingen insbesondere in Entwicklungsländern, die besonders unter den wegen dem Krieg stark gestiegenen Nahrungs- und Treibstoffpreisen leiden.

fml

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