Unicef: Wassermangel im Gazastreifen Frage von Leben und Tod

Genf (dpa) - Der Wassermangel im Gazastreifen nimmt nach Angaben des UN-Kinderhilfswerks Unicef dramatische Ausmaße an. Die Gefahr der Ausbreitung von Krankheiten wachse täglich dramatisch, sagte der Unicef-Sprecher James Elder.

Er sprach über Videolink aus Kairo zu Reportern in Genf. Es gebe bereits tausende Fälle von Windpocken, Durchfall-, Atemwegs- und Hauterkrankungen, berichtete die Weltgesundheitsorganisation (WHO). Cholera-Fälle gebe es nicht, das entsprechende Bakterium zirkuliere im Gazastreifen nicht.

Im Norden des Gazastreifens, den Israel seit Wochen räumen will, halten sich nach aktualisierten Schätzungen von Unicef noch rund 700.000 Menschen auf. Viele hätten nur drei Liter Wasser am Tag zur Verfügung, das Minimum zum Trinken, Waschen und Kochen seien 15 Liter.

Unicef und WHO fordern dringend mehr Treibstoff zum Betreiben von Entsalzungsanlagen und Wasserpumpen und für die Abwasserklärung. Ob die Wasser- und Abwasseraufbereitung wieder hergestellt werde, entscheide darüber, «ob tausende oder zehntausende Kinder überleben oder sterben», sagte Elder. Unicef macht keinen Unterschied zwischen Kindern und Jugendlichen. Alle Minderjährigen werden als Kinder bezeichnet. Nach seinen Angaben sind unter den mehr als 1,7 Millionen Vertriebenen rund 800.000 Minderjährige.

Elder erinnerte daran, dass unter den verheerenden Zuständen im Gazastreifen auch mehr als 30 Kinder und Jugendliche leben, die am 7. Oktober von Terroristen aus Israel entführt worden sind.