UNO beziffert Bedarf für Syrien-Flüchtlinge auf mehr als zehn Milliarden Dollar

Martin TRAUTH
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Bürger im kriegszerstörten Syrien

Die UNO hat den Hilfsbedarf für Bürgerkriegsflüchtlinge in Syrien in diesem Jahr auf mehr als zehn Milliarden Dollar (8,5 Milliarden Euro) beziffert. Wie die Vereinten Nationen zum Start einer internationalen Geberkonferenz am Montag mitteilten, hat sich die Lage von Millionen Vertriebenen in Syrien und Nachbarländern durch die Corona-Pandemie nochmals verschlechtert. Die Menschen sähen sich "wachsendem Hunger und Armut" ausgesetzt und bräuchten dringend Unterstützung.

Die UNO hielt ab Montag zusammen mit der EU eine zweitägige Video-Konferenz zur Lage der Syrien-Flüchtlinge ab. Vergangenes Jahr hatte die Veranstaltung Hilfszusagen von 6,9 Milliarden Euro für 2020 und folgende Jahre erbracht. Deutschland steuerte damals 1,6 Milliarden Euro bei. Laut "Neue Osnabrücker Zeitung" geht das Auswärtige Amt dieses Jahr von einer Zusage "in vergleichbarer Höhe" aus.

Am Montag standen zunächst Diskussionsrunden zur Lage der Menschen insbesondere in den Nachbarländern Syriens auf dem Programm. Die eigentliche Geberkonferenz findet dann am Dienstag auf Ministerebene statt. An der Veranstaltung nehmen laut EU 77 Delegierte aus mehr als 50 Ländern teil.

"Nach einem Jahrzehnt im Exil hat sich die Not der Flüchtlinge durch die erdrückenden Auswirkungen der Pandemie, den Verlust von Lebensunterhalt und Bildung, zunehmenden Hunger und Verzweiflung verstärkt", erklärte der Hochkommissar für Flüchtlinge, Filippo Grandi. Die internationale Gemeinschaft dürfe "weder den Flüchtlingen noch ihren Gastgebern den Rücken kehren". Bleibe Hilfe aus, werde die Lage "katastrophal".

Von den mindestens zehn Milliarden Dollar seien 4,2 Milliarden Dollar für humanitäre Hilfe in Syrien selbst nötig, erklärten die Vereinten Nationen. Weitere 5,8 Milliarden Euro würden gebraucht, um Flüchtlinge zu unterstützen, die in Nachbarländer in der Region geflohen seien.

Der Präsident der Caritas, Peter Neher, forderte von der EU dringend eine Änderung der Hilfsstrategie. Bisher sei es nicht möglich, in Syrien Kindergärten, Schulen oder Gesundheitszentren aufzubauen, weil dies als Wiederaufbau gelte und aus politischen Gründen untersagt sei, sagte er im Deutschlandfunk. Gesundheitsversorgung finde damit faktisch nicht statt. Und mehr als 2,5 Millionen Kinder gingen derzeit nicht in die Schule.

Seit dem Beginn des Syrien-Konflikts 2011 wurden mehr als 388.000 Menschen getötet. 6,7 Millionen Menschen wurden nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks im Land selbst vertrieben. Weitere 6,6 Millionen Syrer flohen ins Ausland. 5,6 Millionen von ihnen befinden sich in Nachbarländern wie der Türkei, Libanon und Jordanien. Auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise 2015 waren hunderttausende Menschen aus Syrien auch nach Europa geflüchtet.

mt/lan