"Unreflektierter Populismus": RTL-Stars zoffen sich auf Instagram über Katar-WM

Lola Weippert provozierte mit einem WM-Boykott-Aufruf bei Instagram den Widerspruch eines RTL-Kollegen. (Bild: 2022 Getty Images/Joshua Sammer)
Lola Weippert provozierte mit einem WM-Boykott-Aufruf bei Instagram den Widerspruch eines RTL-Kollegen. (Bild: 2022 Getty Images/Joshua Sammer)

Die Moderatoren Lola Weippert und Jan Köppen stehen beide in Diensten des Senders RTL, sind sich mit Blick auf die Fußball-WM in Katar aber gänzlich uneins. Einen WM-Boykott-Aufruf Weipperts bezeichnete Köppen als "unreflektierten Populismus". Auch erinnerte er die Kollegin an ihr letztes Urlaubsreiseziel.

Lügen die Einschaltquoten bei ARD und ZDF nicht, hat die Fußball-WM in Katar beim deutschen Publikum das erwartete Akzeptanzproblem. Etliche Millionen Fans haben sich im Vergleich zu den Reichweiten vor vier Jahren beim Turnier in Russland abgewandt. In den Augen von Lola Weippert schauen allerdings immer noch zu viele zu. In einem bei Instagram geteilten Videobeitrag rief die RTL-Moderatorin ("Temptation Island", "Das Supertalent") mit Nachdruck zum WM-Boykott auf - und löste damit eine kontroverse Diskussion in der Kommentarspalte aus.

Katar sei ein "Land, in dem Homosexualität mit der Todesstrafe geahndet wird, in dem Frauen als Süßigkeit bezeichnet werden", hielt die 26-Jährige dem Ausrichterland vor. In dem Zusammenhang zitierte sie aus der viel beachteten ZDF-Dokumentation von Jochen Breyer, in der ein katarischer WM-Botschafter Homosexualität als "damage in the mind" ("geistiger Schaden") bezeichnet hatte. "Leute, ich hoffe euch ist bewusst, was ihr da unterstützt!", hielt sie denen vor, die sich die WM-Spiele im Fernsehen trotzdem anschauen.

Jan Köppen ärgert sich sehr über die Umstände der Katar-WM, aber auch über erhobene Zeigefinger aus Deutschland. (Bild: 2022 Getty Images/Joshua Sammer)
Jan Köppen ärgert sich sehr über die Umstände der Katar-WM, aber auch über erhobene Zeigefinger aus Deutschland. (Bild: 2022 Getty Images/Joshua Sammer)

Lola Weippert findet "Maulkorb"-Geste des DFB-Teams "hart lächerlich"

Auch die deutsche Nationalmannschaft kritisierte Weippert scharf. Deren "Maulkorb"-Geste beim Mannschaftsfoto vor dem Auftaktspiel bezeichnete sie als "hart lächerlich". Ein Zeichen zu setzen, wissend, dass es keine Konsequenzen gibt, sei kein Zeichen. Dass die "One Love"-Kapitänsbinde aus Sorge vor einem möglichen Punktabzug nicht getragen wurde, empörte die Moderatorin sichtlich. Ihr Aufruf an die Fußballfans: "Bitte Leute, schaut die WM doch einfach nicht! Setzt ein Zeichen!"

Hunderte Kommentare sammelten sich in den ersten Stunden nach dem Posting unter dem Video. Darunter einer von einem RTL-Kollegen Lola Weipperts. Jan Köppen, der beim Kölner Sender unter anderem die Sportshow "Ninja Warrior Germany" moderiert und im kommenden Jahr erstmals das Dschungelcamp, sprach Weippert direkt an.

"Genau solche Beiträge machen mich im Umgang mit solch komplexen Themen traurig und lassen mich irritiert zurück", schrieb Köppen. Weipperts Aufruf sei "leider sehr unreflektierter Populismus". Köppen: "Ich glaube, dass all das so viel komplizierter ist und du dir und dem Thema keinen Gefallen tust, außer wirklich platten Applaus zu bekommen."

Jan Köppen: "Auf den Malediven sieht es nicht besser aus. Da warst du doch erst?"

Weipperts "erhobenen Zeigefinger" findet der 39-Jährige deplatziert: "Auf den Malediven sieht es mit Menschenrechten übrigens nicht besser aus. Da warst du doch erst? Stell dir vor, man wirft dir vor, du würdest mit deinem Urlaub diese Umstände vor Ort unterstützen, von denen du natürlich durch die tollen Annehmlichkeiten in einem geschlossenen Resort nichts mitbekommst? Wäre auch zu einfach und nicht fair dir gegenüber."

Zugleich ist Köppen sicher, der DFB "hätte bestimmt vieles anders und besser machen können und müssen", auch sei die FIFA "ein korrupter Drecksladen". Köppen: "Die ganze WM und vieles, was da passiert ist und passiert, ist unfassbar scheiße und schrecklich". Dies sei jedoch "vielleicht das beste Beispiel für das Dilemma unserer Welt". Denn der Fußball sei "im Grunde etwas Tolles und Schönes, kann aber nicht mehr einfach nur als das genossen werden, weil er mit etwas so Schrecklichem zusammenhängt. So wie unser aller Luxus in der westlichen Welt auf dem Rücken anderer entsteht."

Für seinen Beitrag erntete Jan Köppen großen Zuspruch und beißende Kritik. Lola Weippert hatte sich zunächst nicht wieder in die Debatte auf ihrem Instagram-Profil eingeschaltet.