Unruhen in Südafrika sorgen für Engpässe bei Lebensmittel- und Benzinversorgung

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Soldaten im Township Soweto

Die seit sechs Tagen andauernden Unruhen haben in Südafrika nun auch Auswirkungen auf die Lebensmittel-, Benzin- und Medikamentenversorgung. Besonders in der südöstlichen Provinz KwaZulu-Natal sind Lieferketten und Transportverbindungen durch Gewalt und Plünderungen unterbrochen. In der Hafenstadt Durban standen hunderte Menschen bereits am Mittwoch um vier Uhr morgens vor Lebensmittelläden und Tankstellen Schlange, wie ein AFP-Fotograf berichtete. Dienstleister wie das staatliche Logistikunternehmen Transnet und die größte Raffinerie Sapref stellten wegen "höherer Gewalt" teilweise ihre Arbeit ein.

Die Zahl der Toten im Zusammenhang mit den Ausschreitungen, die nach der Inhaftierung von Ex-Präsident Jacob Zuma vergangene Woche begonnen hatten, stieg nach Polizeiangaben auf 72. Mehr als 1200 Menschen wurden festgenommen.

Sapref erklärte, die Raffinerie sei aufgrund der Unruhen und der Unterbrechung der Versorgungswege in und aus KwaZulu-Natal "vorübergehend stillgelegt". Die Anlage ist für ein Drittel der südafrikanischen Treibstoffversorgung verantwortlich. Einige Kraftstoffhändler begannen bereits mit der Rationierung, während bei anderen die Vorräte langsam zur Neige gingen.

Im Johannesburger Township Soweto wurde Brot aus einem Lieferwagen vor einem großen Einkaufszentrum verkauft, da die Geschäfte entweder geplündert oder aus Angst vor Vandalismus geschlossen wurden. In den vergangen Tagen hatten tausende Menschen Geschäfte gestürmt. Die Leute räumten die letzten Waren aus den Regalen und durchsuchten die Trümmer nach weiteren brauchbaren Lebensmitteln.

Doch nicht nur die Lebensmittel- und Treibstoffversorgung sind eingeschränkt - auch Engpässe bei der Lieferung von Medikamenten und Covid-19-Impfstoffen drohen. Die Unruhen haben "zu einer Unterbrechung der Verteilung des Corona-Impfstoffs und der Lieferungen an die Krankenhäuser geführt", sagte Bonang Mohale, Professor für Betriebs- und Volkswirtschaft an der University of the Free State der Nachrichtenagentur AFP.

Hinzu kommen Personalengpässe, da einige Mitarbeiter nicht zum Dienst kommen, weil Busse und Züge wegen der Ausschreitungen nicht fuhren. Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) berichtete am Mittwoch, dass in der Stadt Empangeni, etwa 160 Kilometer nördlich von Durban, Ärzte wegen Plünderungen und Unruhen in der Gegend fernbleiben mussten, was sich auf die Corona-Hilfe auswirkte.

Südafrika ist das am stärksten von Covid betroffenen Land Afrikas. Die Behörden meldeten bislang mehr als 2,2 Millionen Infektionen und über 65.000 Todesfälle. Die Pandemie hat das Land in eine schwere Wirtschaftskrise gestürzt und die Arbeitslosenzahlen nach oben schnellen lassen.

Der König der südafrikanischen Zulu, der größten ethnischen Gruppe des Landes, rief am Mittwoch zu einem Ende der Unruhen auf. "Ich rufe zum Frieden auf", sagte Misuzulu Zulu im staatlichen Fernsehen. Die Gewalt "hat große Schande über uns alle gebracht". Dieses Chaos zerstöre die Wirtschaft, "und es sind die Armen, die am meisten leiden werden", fügte er hinzu.

Trotz der Entsendung von Soldaten gingen die Ausschreitungen weiter. Ausgangspunkt der Proteste war Ex-Präsident Zumas Heimatprovinz KwaZulu-Natal gewesen. Seither breiteten sich die Unruhen aber auch auf andere Teile des Landes aus, insbesondere in der Provinz Gauteng mit der Wirtschaftsmetropole Johannesburg.

Der langjährige Präsident Zuma war Ende Juni vom Verfassungsgericht wegen Missachtung der Justiz zu einer 15-monatigen Haftstrafe verurteilt worden, die er vergangene Woche antrat. Während viele Südafrikaner die Inhaftierung des Ex-Staatschefs als Erfolg für die Rechtsstaatlichkeit des Landes feierten, gingen Unterstützer Zumas aus Protest auf die Straße.

mkü/cp

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