„Unser unehrlicher Präsident“: L.A. Times zerlegt in Leitartikel Trump

US-Präsident Trump steigt in die Air Force On, um nach Washington, D.C. zurückzufliegen, nachdem er letzten Monat das Wochenende im Mar-a-Lago Club in West Palm Beach verbrachte. (Jonathan Ernst/Reuters)

Seit Donald Trumps eindrucksvollen Aufstieg vom Immobilienmogul und Fernsehstar zum Republikanischen Präsidentschaftskandidaten, der Mauern bauen und Moslems aus dem Land sperren will, gab es viele kritische Leitartikel über ihn und seine Politik.

Doch vermutlich war keiner davon so vernichtend wie jener, der am Sonntag in der Los Angeles Times erschien.

„Während seiner Wahlkampagne war es kein Geheimnis, dass Donald Trump ein Narzisst und Demagoge ist, der auf Angst und Unehrlichkeit setzt, um das Schlechteste in den amerikanischen Wählern anzusprechen“, schrieb der redaktionelle Beirat im ersten Artikel einer vierteiligen Reihe mit dem Titel „Our dishonest President” – „Unser unehrlicher Präsident“.

Im September bezeichnete derselbe Beirat Trump als „unqualifiziert und ungeeignet für einen Präsidenten“ und sagte, seine Wahl wäre „katastrophal für die Nation.“

„Und doch hatte uns nichts auf die Ausmaße dieses Desasters vorbereitet“, hieß es am Sonntag in der Zeitung.

Die Times verwies auf Trumps Verfügung zur Einwanderung und „dutzende andere Maßnahmen, die Familien auseinander reißen, wenn sie nicht rückgängig gemacht werden.“

„Doch so ernüchternd diese durch und durch starrköpfigen Entscheidungen auch sein mögen, sie sind in Wahrheit nicht der furchteinflößendste Aspekt der Trump-Präsidentschaft“, schreibt die Times. „Das besorgniserregendste an Trump ist Trump selbst.“

Mehr aus dem Leitartikel:

Er ist ein Mann, der so unvorhersehbar, so rücksichtslos, so launisch, so voller blinder Selbstachtung, so abseits jeder Realität ist, dass es unmöglich ist, vorherzusehen, wo seine Präsidentschaft hinführen wird oder wie viel Schaden sie unserem Land zufügen wird. Seine Besessenheit von seinem eigenen Ruhm, Reichtum und Erfolg, seine Entschlossenheit, reale und imaginäre Feinde zu bezwingen, seine Gier nach Beweihräucherung – diese Eigenschaften waren auch das Herzstück seines Außenseiter-Wahlkampfes der verbrannten Erde, einige davon haben ihm sogar zu seinem Sieg verholfen. Doch in einer echten Präsidentschaft, in der er unvorstellbare Macht hat, sind sie nichts anderes als verheerend.

Während Trumps Politik „Varianten klassischer republikanischer Positionen sind“, argumentiert die Zeitung, dass sie in den Händen von Donald „gefährlich“ werden.

„Viele Republikaner sind zum Beispiel für strengere Grenzkontrollen und strengere Reaktionen auf illegale Einwanderung“, erklärt die Times, „aber Trumps absurde Grenzmauer, sein undurchführbares Versprechen, alle elf Millionen Menschen zu deportieren, die sich illegal im Land aufhalten sowie seine Gleichgültigkeit gegenüber den Auswirkungen auf die Beziehungen zwischen den USA und Mexiko machen eine sehr schlechte Politik zu einer beängstigenden.“

Der redaktionelle Beirat sagte, die vierteilige Serie werde drei „beunruhigende Eigenschaften“ des Präsidenten untersuchen:

  • „Trumps schockierender Mangel an Respekt für die fundamentalen Regeln und Institutionen, auf denen unsere Regierung basiert.“
  • „Seine völlig fehlende Achtung vor der Wahrheit.“
  • „Seine beängstigende Bereitschaft, rechte Verschwörungstheorien, rassistische Memes und irrsinnige, extreme Ideen zu wiederholen.“

Trump, der auf Twitter häufig zu negativen Medienberichten über ihn Stellung bezieht, hat bisher noch nicht auf den Leitartikel reagiert.

Doch womöglich trug die Berichterstattung über den Artikel auf den Trump-freundlichen Webseiten Breitbart und Drudge Report dazu bei, dass die Phrase „Our Dishonest President“ es am Sonntagnachmittag in den USA in die Trending Terms schaffte.

Dylan Stableford
Senior Redakteur
Yahoo News

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