Mindestens 18 Tote in Myanmar - Kriegsrecht in zwei Stadtteilen Yangons

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Demonstranten in Myanmar

Myanmar hat am Sonntag einen der bislang blutigsten Tage seit dem Militärputsch erlebt. Mindestens 18 Menschen starben bei Protesten gegen die Militärregierung. Zuvor hatte eine Gruppe gewählter Abgeordneter, die seit der Machtergreifung des Militärs im Untergrund leben und eine Art Gegenregierung gebildet haben, zu neuen Protesten gegen die Junta aufgerufen. Die Militärmachthaber verhängten in zwei Stadtteilen von Yangon das Kriegsrecht.

Die Menschen sollten weiter gegen die "unrechtmäßige Diktatur" auf die Straße gehen, sagte Ex-Parlamentspräsident Mahn Win Khaing Than am Samstagabend in einer Videobotschaft auf Facebook. Myanmar erlebe gerade seine "dunkelste" Zeit, aber das Licht des Sonnenaufgangs sei nah, sagte Than. Er forderte die Menschen auf, weiter Widerstand gegen die Militärregierung zu leisten: "Wir werden diesen Aufstand gewinnen."

Than gehört der Nationalen Liga für Demokratie (NLD), der Partei der abgesetzten De-facto-Regierungschefin Aung San Suu Kyi, an. Nach dem Putsch am 1. Februar schloss er sich mit anderen im November gewählten Abgeordneten zusammen, um sich der Militärregierung entgegenzustellen. Die Gruppe nennt sich Committee for Representing Pyidaungsu Hluttaw (CRPH) und soll das legitime Parlament Myanmars repräsentieren, das auf Birmanisch Pyidaungsu Hluttaw heißt.

Die Militärregierung hat den Abgeordneten "Hochverrat" vorgeworfen, was mit bis zu 22 Jahren Gefängnis bestraft werden kann.

Seit der Machtübernahme des Militärs gehen die Menschen in Myanmar jeden Tag zu Zehntausenden auf die Straße. Die Sicherheitskräfte gehen mit Tränengas, Gummigeschossen und scharfer Munition gegen die Demonstranten vor. Auch am Wochenende gab es wieder im ganzen Land Proteste.

Seit dem Putsch wurden nach Angaben von Beobachtern aus Myanmar schon mehr als 80 Menschen bei Protesten getötet. Nach dem brutalen Vorgehen der Sicherheitskräfte am Sonntag ist ein dramatischer Anstieg der Totenzahl zu befürchten.

"Ich kann bestätigten, dass 15 gestorben sind", sagte eine Ärztin der Nachrichtenagentur AFP am Telefon. Sie habe rund 50 Menschen behandelt, die bei den Zusammenstößen im Stadtteil Hlaing Tharyar verletzt worden seien, und rechne mit einem weiteren Anstieg der Totenzahl. In Hlaing Tharyar standen mit Stöcken und Messern bewaffnete Demonstranten Polizisten und Soldaten gegenüber. Als die Sicherheitskräfte das Feuer eröffneten, flohen sie.

Stunden zuvor hatte ein Polizist mit dem Einsatz schwerer Waffen gedroht: Er werde "keine Gnade" mit den Demonstranten in Hlaing Tharyar haben, sagte er in einem später wieder aus dem Netz verschwundenen Tiktok-Video.

Im Stadtteil Hlaing Tharyar und im benachbarten Shwepyitha verhängte die Junta am Sonntagabend das Kriegsrecht. Der Kommandeur in der Region Yangon erhalte entsprechende Vollmachten, um "effizienter die Sicherheit aufrechtzuerhalten sowie Rechtsstaatlichkeit und Ruhe zu gewährleisten", sagte ein Nachrichtensprecher im Staatsfernsehen.

Bereits in der Nacht zum Samstag töteten Polizisten in der größten Stadt Yangon drei Menschen, die gegen nächtliche Festnahmen protestierten. Bei einer Demonstration in der zweitgrößten Stadt Mandalay töteten Sicherheitskräfte am Samstag mindestens drei Menschen, wie ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP und ein Arzt berichteten. Am Sonntag wurde nach Angaben eines Arztes eine 24-jährige Frau durch Kopfschuss getötet. Mindestens sieben weitere Demonstranten erlitten demnach Schussverletzungen.

Am Sonntag wurde in Hpakant im Norden Myanmars ein Demonstrant erschossen. Nach Angaben eines Arztes wurde der Mann von einer Kugel in die Brust getroffen und verblutete auf dem Weg ins Krankenhaus. Drei Menschen wurden demnach von Gummigeschossen schwer verletzt. Die Abendnachrichten meldeten einen Toten in Yangons Stadtteil Tamwe. Dort hätten hunderte Demonstranten versucht, eine Polizeiwache in Brand zu setzen.

Im ganzen Land versammelten sich zudem hunderte Menschen zu Mahnwachen für getötete Demonstranten. "Mögen die gefallenen Helden, die ihr Leben für diese Frühlings-Revolution gegeben, in Frieden ruhen", riefen Demonstranten in Thaketa.

ck/bfi