Untersuchungsrichter verhören Fillon-Vertrauten in Scheinbeschäftigungsaffäre

In der Scheinbeschäftigungsaffäre um den französischen Präsidentschaftskandidaten François Fillon haben Untersuchungsrichter einen langjährigen Vertrauten des konservativen Politikers verhört. Der frühere Abgeordnete Marc Joulaud wurde am Freitag in Paris befragt, wie eine AFP-Journalistin berichtete. Gegen den 49-Jährigen, der Fillons Ehefrau jahrelang als parlamentarische Assistentin beschäftigte, könnte ein Ermittlungsverfahren eingeleitet werden.

Joulaud hatte 2002 Fillons Abgeordnetenmandat übernommen, als dieser Minister wurde. Er übernahm dabei auch Fillons Ehefrau als parlamentarische Mitarbeiterin. In den fünf Jahren bis 2007 bekam die Politikergattin besonders viel Geld aus der Parlamentskasse: Nach Fillons eigenen Angaben im Schnitt monatlich 6000 Euro. Es besteht der Verdacht einer Scheinbeschäftigung und damit der Veruntreuung von Staatsgeldern.

Gegen Fillon wurde in der Affäre am 14. März ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Der frühere Premierminister gilt seitdem als formell beschuldigt. Seine Ehefrau soll voraussichtlich am kommenden Dienstag von den Untersuchungsrichtern befragt werden. Dann droht auch ihr ein Ermittlungsverfahren.

Wegen der Affäre und immer neuer Enthüllungen ist der lange als Präsidentschaftsfavorit gehandelte Fillon in Umfragen abgestürzt. Nach jetzigem Stand würde er bei der ersten Wahlrunde in einem Monat nur Dritter werden und damit den Einzug in die Stichwahl verfehlen.

Am Donnerstagabend warf er dem sozialistischen Staatschef François Hollande vor, mit einem "schwarzen Kabinett" hinter den Medien-Enthüllungen zu stecken - ein Vorwurf, den Hollande empört zurückwies.

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