Unzufriedenheit mit dem Gehalt: Dieser Fehler von Arbeitgebern sorgt bei vielen Mitarbeitern für Frust

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Hält jemand etwas vor uns geheim, dann haben wir schnell den Eindruck: Hier geht etwas nicht mit rechten Dingen zu. Vielleicht soll eine Ungerechtigkeit vertuscht werden, eine Lüge, ein Betrug? Was auch immer wir uns vorstellen – wird nicht offen mit uns kommuniziert, entsteht Misstrauen.

Auch beim Thema Gehalt trifft das zu. Noch immer findet sich in vielen Arbeitsverträgen eine Art Schweigeklausel, die besagt, dass ihr euch mit Kolleginnen und Kollegen nicht über die Höhe eures Lohns austauschen dürft. Diese Klausel ist unwirksam und hat vor keinem Arbeitsgericht Bestand. Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer müssen frei über ihr Gehalt sprechen dürfen, so lautet etwa ein Urteil des Landesarbeitsgerichts Mecklenburg-Vorpommern aus dem Jahr 2010. Nur so könnten sie schließlich überprüfen, ob der Arbeitgeber beim Lohn den Grundsatz der Gleichberechtigung einhalte, lautet die Begründung.

Angestellte müssen ihr Gehalt vergleichen dürfen

Wie wichtig diese Überprüfungs-Möglichkeit für Angestellte ist, das zeigt jetzt eine repräsentative Umfrage der Arbeitgeber-Bewertungsplattform Kununu. Knapp 1600 berufstätige Deutsche wurden dafür befragt. Ein Ergebnis: Fast jede Dritte der Teilnehmerinnen und Teilnehmer ist unzufrieden mit dem eigenen Gehalt. Und woran liegt das? Laut Kununu ist eine der wichtigsten Ursachen für den Lohn-Frust mangelnde Transparenz.

Ihr kennt das vielleicht: Ihr erfahrt bei einer Betriebsfeier oder im Gespräch in der Kaffeeküche plötzlich von einer Kollegin in der gleichen Position, dass sie mehr verdient als ihr. Für 44 Prozent der von Kununu befragten Personen ist dieses Szenario ein Anlass zu großer Frustration. Handelt es sich bei dem besser verdienenden Kollegen dann vielleicht sogar um jemanden, der schlechter qualifiziert ist als man selbst, sorgt das bei 55 Prozent der Teilnehmenden für Frust. Und auch eine letzte Möglichkeit des Vergleichs besteht – der mit anderen Unternehmen in derselben Branche. Erfährt ein Angestellter oder eine Angestellte, dass ein ähnliches Unternehmen seinen Teammitgliedern viel mehr zahlt als der eigene Arbeitgeber, macht das jeden vierten Befragten zumindest nervös.

Doch eigentlich müsste es zu diesen Fällen gar nicht kommen – wenn mehr Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber transparent machten, wem sie wie viel Geld zahlen. Das sieht auch Chesran Gidden so, der bei Kununu für das Arbeitgeber-Angebot verantwortlich ist. „Arbeitgeber sollten auf eine transparente Gehaltsstruktur hinarbeiten“, sagt der Experte, „denn diese hilft dabei, im Unternehmen vorherrschende Ungleichheiten sichtbar zu machen und darauf reagieren zu können.“

Chefinnen und Chefs sollten davon ausgehen, dass ihre Angestellten ihr Gehalt irgendwann sowieso mit dem der Kolleginnen und Kollegen vergleichen werden, meint Gidden. Statt das beinahe Unausweichliche also durch Schweigeklauseln unterbinden zu wollen, sollten sie lieber Offenheit an den Tag legen. Davon, so glaubt er, profitierten nicht nur die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, sondern auch Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber selbst. ​​„Beschäftigte vergleichen ihren Marktwert sowohl intern als auch extern, wodurch im negativen Fall Demotivation entstehen kann“, sagt der Experte. „Lohngleichheit ist ein attraktives Merkmal, mit dem sich Arbeitgeber nach außen und innen als faires Unternehmen positionieren können.“

Klartext reden, wenn ihr unzufrieden mit dem Gehalt seid

Dass das Gehalt einer der entscheidenden Faktoren für die Zufriedenheit von Mitarbeitenden ist, ist keine Überraschung. Wie bedeutsam es allerdings fürs empfundene Lebensglück von Angestellten ist, zeigt die Kununu-Umfrage noch einmal eindrücklich: Für die Hälfte aller Deutschen spielt die Zahl auf dem Gehaltszettel eine sehr wichtige Rolle, wenn es um ihr allgemeines Wohlbefinden geht. Nur eines ist ihnen in diesem Zusammenhang noch wichtiger: die Arbeitszeit.

Wenn auch ihr unzufrieden mit eurem Gehalt seid, dann hilft es allerdings nichts: Um etwas daran ändern zu können, müsst ihr das Thema bei eurem oder eurer Vorgesetzten ansprechen. Ja, manchmal verlaufen solche Gespräche unangenehm – doch wer es nicht probiert, kann auch nichts gewinnen. So sieht das wohl auch die Mehrheit der Menschen, die Kununu für seine Umfrage interviewt hat: Die Hälfte aller Beschäftigten – und bei den 18- bis 29-Jährigen sind es sogar fast 60 Prozent – wollen im nächsten Gespräch mit ihrer Führungskraft ihren Gehalts-Frust ansprechen.

jb

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