Urheberrechtsstreit: Hat ein Künstler die unsichtbare Skulptur eines anderen Künstlers abgekupfert?

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Ein Künstler aus Florida will einen italienischen Künstler verklagen. Der Grund: Der eine soll vom anderen die Idee einer unsichtbaren Skulptur geklaut haben.

Gavel on desk. Law and legal concept
Symbolbild: Getty Images

Eine Skulptur muss nicht aus Stein, Holz, Metall oder sonstigem Material gemacht sein. Sie kann auch aus Luft bestehen, also unsichtbar sein bzw. nur in der Vorstellung des Betrachters existieren. Tom Miller hat so eine Skulptur geschaffen. Ihr programmatischer Titel: "Nothing", "Nichts". Nun behautet der Künstler: Ein Kollege hat seine Idee geklaut. Deshalb will er vor Gericht ziehen.

Millers Skulptur wurde im Mai 2016 auf dem Gelände des Konzertsaals Bo Diddley Plaza in der Heimatstadt des Künstlers, Gainesville, US-Bundesstaat Florida, aufstellt. Dass "Nothing" dort wirklich "steht", das bezeugen Internetvideos, in denen zu sehen ist, wie die Skulptur aufgebaut wurde. Und das beweist eine Urkunde vom Alachua County, die Kunstwerk und Urheberschaft beglaubigt.

"Nothing" gibt es also wirklich, allerdings ist die Skulptur in der Kunstlandschaft nicht die einzige ihrer Art. Auch der italienische Maler Salvatore Garau hat einige unsichtbare Kunstwerke geschaffen. Eines davon – es trägt den Titel "Io sono" ("Ich bin") – hat er sogar zu viel Geld gemacht. Er hat die Skulptur für 15.000 Euro verkauft, wie das Nachrichtenmagazin Euro Weekly Ende Mai berichtete.

Wem gehört die Skulptur?

"Io sono" mag dem Käufer gefallen haben, Miller ist davon jedoch wenig begeistert. Denn er ist überzeugt: Die Idee für seine Skulptur hat Garau von ihm geklaut. "Als ich das sah, dachte ich, 'das ist genau meine Idee'", sagt Miller dem US-Fernsehsender WCJB. Er fordert daher, für seine Arbeit "einfach anerkannt" zu werden. Deshalb habe er sich, wie er sagt, einen "italienischen Anwalt" genommen, um sein Recht vor Gericht zu erstreiten.

Dort wird der Angeklagte Garau vermutlich behaupten, die Idee für seine Arbeiten sei nicht geklaut, sondern inspiriert. Und zwar von dem Physiker Werner Heisenberg und dessen Theorie der Unschärferelation. Das Nichts habe laut Heisenberg ein Gewicht, sagte der Künstler einmal. Es verfüge also über "Energie, die sich verdichtet und in Teilchen, also in uns umgewandelt wird".

Kläger Miller wiederum wird im Prozess vermutlich vorbringen, dass auch er ein Vorbild hatte. Allerdings nicht den Physiker Heisenberg, sondern den Musiker c. Das sagte er schon Euro Weekly, dass er nämlich für "Nothing" von Cages Komposition "4'33" beeinflusst wurde. Das legendäre Stück zeichnet sich dadurch aus, dass über seine gesamte Dauer kein einziger Ton gespielt wird.

Geklaut oder nicht geklaut? Die Antwort auf diese Frage wird also wohl ein Gericht finden müssen. Eines ist indes schon jetzt gewiss: Viel Lärm wird gemacht um Nichts.

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