Ursache für verheerenden Großbrand an ICE-Strecke in Siegburg weiter ungeklärt

Ausgebrannte Dachstühle in Siegburg

Nach dem verheerenden Großbrand an der ICE-Schnellstrecke zwischen Köln und Frankfurt am Main sucht nun eine Ermittlungsgruppe des Polizeipräsidiums Köln nach der weiter unklaren Ursache des Feuers. Die Ermittler werden durch Brandexperten des Landeskriminalamtes NRW unterstützt, wie die Polizei in Siegburg am Mittwoch mitteilte. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wünschte den 32 bei dem Brand verletzten Anwohnern und Einsatzkräften schnelle Genesung.

Die Bahn nahm derweil am Mittwochmorgen den Fernverkehr zwischen Köln und Frankfurt wieder auf. Der Regionalverkehr war hingegen zunächst weiter beeinträchtigt. Ausgangspunkt des Feuers vom Dienstagnachmittag war ein Böschungsbrand an den Gleisen, der innerhalb kürzester Zeit auf ein benachbartes Wohngebiet in Siegburg-Brückberg übergegriffen und dort neun Häuser teils massiv beschädigt hatte.

"Die Brandursache ist nach wie vor unklar", erklärte die Polizei am Mittwochnachmittag. Mit "hoher Wahrscheinlichkeit" hätten der zur Brandzeit herrschende Wind sowie Luftverwirbelungen vorbeifahrender Züge eine Rolle bei der Ausbreitung des Feuers gespielt.

Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) rief bei einem Besuch des Brandorts mögliche Augenzeugen der Brandentstehung auf, sich bei der Polizei zu melden und den Ermittlern ihre Beobachtungen zu schildern. "Fakten haben wir noch gar keine", sagte Reul mit Blick auf die Brandursache.

Reul sprach am Brandort von einer "sehr bedrückenden Atmosphäre und Situation": Er habe noch nie gesehen, dass eine ganze Straße praktisch "weggebrannt" sei. Zugleich sei es aber den Einsatzkräften gelungen, "diesen irren Brand" zu begrenzen.

Nicht beteiligen wollte sich Reul an Spekulationen, wonach Funkenschlag beim Zugverkehr oder aber auch eine achtlos weggeworfene Zigarettenkippe die Böschung in Brand gesetzt haben könnten. Es gelte, die Ermittlungsergebnisse abzuwarten.

Die Deutsche Bahn erklärte, der Auslöser des Brandes sei "völlig offen, Spekulationen sind verfrüht". Unabhängig davon drücke das Unternehmen den Betroffenen sein Mitgefühl aus. Zugleich beschloss der Konzern, "angesichts der großen Betroffenheit in Siegburg" 500.000 Euro Soforthilfe über das Spendenkonto der Stadt Siegburg bereitzustellen. "Damit kann den Betroffenen rasch und unbürokratisch geholfen werden", betonte die DB.

Merkel dankte den mehr als 500 Einsatzkräften, die das Feuer am Dienstag bis in die Nacht bekämpft hatten. Sie hätten "Schlimmeres verhindert und dabei Schwerstarbeit geleistet", sagte Vize-Regierungssprecherin Ulrike Demmer vor Journalisten in Berlin. "Die Bundeskanzlerin wünscht allen Verletzten schnelle Genesung." Nach Angaben der Stadt Siegburg mussten 23 der 32 Verletzten im Krankenhaus behandelt werden.

Am Tag nach dem Großfeuer begann die Bahn auf dem betroffenen Streckenabschnitt zwischen Troisdorf und Siegburg mit den Aufräum- und Reparaturarbeiten. Unter anderem müssen die Oberleitung instand gesetzt und Schäden an Kabeln der Leit- und Sicherungstechnik beseitigt werden. Auch sollen nicht mehr standfeste Bäume vorsorglich entfernt werden.

Die Arbeiten sollen laut Bahn voraussichtlich Donnerstagnacht abgeschlossen sein. Damit könnte am Freitag auch der Nahverkehr auf der rechtsrheinischen Bahnstrecke wieder rollen.