US-Behörden bereiten Abschiebung von verurteiltem Söring vor

Jens Söring im Jahr 2003 in der Justizvollzugsanstalt Brunswick.

Er wird wegen Mordes an den Eltern seiner Freundin verurteilt, sitzt jahrzehntelang in US-Haft. Nun wollen die USA den deutschen Diplomatensohn Jens Söring loswerden - möglichst bald.

Berlin (dpa) - Nach der überraschenden Entscheidung von US-Behörden, den Deutschen Jens Söring aus den USA abzuschieben, hat die Deutsche Botschaft Gespräche mit US-Behörden aufgenommen.

Am Mittwoch hieß es aus dem Auswärtigen Amt in Berlin: «Unsere Botschaft betreut Söring weiterhin konsularisch und steht bezüglich weiterer Schritte in engem Kontakt mit dem Rechtsanwalt sowie Behörden vor Ort.»

Der heute 53-Jährige war 1990 wegen Mordes an den Eltern seiner damaligen Freundin Elizabeth Haysom im Jahr 1985 zu zweimal lebenslanger Haft verurteilt worden. Nach Jahrzehnten im Gefängnis in den USA entschied das zuständige Gremium im US-Bundesstaat Virginia in der Nacht zum Montag, den Diplomatensohn auf Bewährung freizulassen und abzuschieben, wie US-Medien unter Berufung auf das Büro des Gouverneurs des Bundesstaats, Ralph Northam, berichteten.

Söring soll den Angaben zufolge der Einwanderungsbehörde ICE übergeben und mit einem Wiedereinreiseverbot für die USA belegt werden. Wann das passieren wird und ob er nach Deutschland zurückkehrt, ließ das Auswärtige Amt zunächst offen.

Der brutale Doppelmord hatte in den USA und international viel Aufmerksamkeit erregt. In der Kleinstadt Lynchburg (Virginia) waren 1985 Haysoms Eltern erstochen worden. Als die Tochter und Söring in Verdacht gerieten, entschloss sich das Paar zur Flucht. 1986 wurden Söring und Haysom in London gefasst und in die USA ausgeliefert. Haysom wurde wegen Anstiftung zum Mord zu zweimal 45 Jahren Haft verurteilt. Auch die inzwischen 55 Jahre alte Kanadierin Haysom wird nun freigelassen und abgeschoben.

Söring hatte die Morde damals gestanden, später das Geständnis aber widerrufen. Er hatte erklärt, er habe lediglich seine Freundin vor der Todesstrafe bewahren wollen. Der Dokumentarfilm «Das Versprechen» von 2016 rekonstruierte den tragischen Fall. Auch darin beteuerte Söring seine Unschuld. Eine Begnadigung nach 30 Jahren hatte Virginias Gouverneur Ralph Northam abgelehnt.