US-Bischöfe: Papst wird Zölibat wohl nicht lockern

Papst Franziskus

Papst Franziskus wird das Zölibat für Priester in entlegenen Amazonas-Gebieten nach Einschätzung von US-Bischöfen nicht lockern. Franziskus habe gesagt, dass er "wirklich nichts von der Priesterweihe für verheiratete Männer" halte, sagte der Bischof von Salt Lake City, Oscar Solis, dem US-Portal "Catholic News Service" nach einem Treffen mit dem Kirchenoberhaupt am Montag.

Zuvor war spekuliert worden, dass Franziskus bei der Vorstellung des Nachsynodalen Schreibens "Querida Amazonia" (Liebes Amazonien) am Mittwoch die Aufhebung des Zölibats in Ausnahmefällen verkünden könnte.

Bei einer Amazonas-Synode im vergangenen Oktober in Rom hatten Bischöfe den Papst aufgerufen, in der Amazonasregion das Priesteramt für verheiratete Männer zu öffnen, um so dem dortigen Priestermangel zu begegnen. Die Bischöfe hatten sich außerdem für die Zulassung von Frauen für das Diakonat ausgesprochen.

Nach Einschätzung von Solis und dem Erzbischof von Santa Fe, John Wester, wird Franziskus diesen Vorschlägen aber nicht nachkommen. Der Papst habe während der längeren Gespräche am Montag "wenig" über die Weihe von Frauen zu Diakoninnen und von verheirateten Männern zu Priestern gesagt, sagte Solis. Franziskus habe dazu möglicherweise noch keine endgültige Entscheidung gefällt.

Der Erzbischof Wester sagte, aus Sicht des Papstes seien die beiden in der Öffentlichkeit kontrovers diskutierten Themen bei der Amazonas-Synode nachrangig gewesen. Er habe "nicht das Gefühl", dass Franziskus sich "zum jetzigen Zeitpunkt" mit diesen Fragen befasse. Franziskus habe vielmehr betont, dass er sich im Schlussdokument der Amazonas-Synode auf die "sozialen, ökologischen, kulturellen und seelsorgerischen Probleme" des Amazonasgebiets konzentrieren wolle.

In einem von Franziskus verfassten und an diesem Dienstag erschienenen Buch über Papst Johannes Paul II. wird das Zölibat ebenfalls reflektiert. "Ich bin davon überzeugt, dass das Zölibat ein Geschenk ist", schreibt Franziskus darin.

Die Spekulationen über eine möglicherweise geplante Lockerung der seit dem 11. Jahrhundert geltenden Ehelosigkeit für Priester waren zu Jahresbeginn durch die Vorabveröffentlichung eines umstrittenes Buch des erzkonservativen Kardinals Robert Sarah angeheizt worden, als dessen Mitautor zunächst auch der frühere Papst Benedikt XVI. angegeben worden war.

Die Autoren des Buches warnen Franziskus vor einer Aufweichung des Zölibats. Kurz nach der Vorabveröffentlichung distanzierte sich Benedikt jedoch von der angeblichen Mitautorenschaft.

Der Vatikan veröffentlicht das Schlussdokument der Amazonas-Synode am Mittwoch. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, stellt das Nachsynodale Schreiben bei einem Pressegespräch um 12.30 Uhr in Bonn vor.