Polanski muss weiter mit Hafstrafe in den USA rechnen

Starregisseur Roman Polanski muss nach der Entscheidung eines US-Gerichts weiter befürchten, auch Jahrzehnte nach der Tat wegen der Vergewaltigung einer Minderjährigen bei einer Einreise in die Vereinigten Staaten inhaftiert zu werden

Starregisseur Roman Polanski kann weiterhin nicht in die USA reisen, ohne seine Inhaftierung befürchten zu müssen. Vier Jahrzehnte nach einer Anklage wegen Vergewaltigung einer Minderjährigen lehnte ein Gericht in Los Angeles am Montag Polanskis Antrag auf eine Einstellung des Missbrauchsverfahrens ab.

Die Anwälte des 83-jährigen Oscar-Preisträgers hätten keine "ausreichenden oder überzeugenden Beweise" für eine Einstellung des Verfahrens vorgelegt, schrieb Richter Scott Gordon in einer 13-seitigen Begründung seiner Entscheidung.

Polanskis Anwalt Harland Braun wollte ursprünglich erreichen, dass der Richter den Fall für erledigt und die Strafe für abgebüßt erklärt. Gleichzeitig hatte er das Gericht aufgefordert, wenigstens die ungefähre Dauer der Haftstrafe zu nennen, die seinem Mandanten drohe, wenn er in die USA zurückkehre. Der 83-Jährige möchte nach so langer Zeit unbehelligt in die USA reisen können, wo auch das Grab seiner 1969 ermordeten zweiten Frau Sharon Tate liegt.

Richter Gordon ging auch auf diese Bitte nicht ein. "Fragen zu Polanskis Fall" würden erst dann angesprochen, wenn der Filmemacher persönlich vor Gericht erscheine, erklärte er. Zuvor hatte die Staatsanwaltschaft darauf gepocht, einem "wohlhabenden Prominenten" keine andere Behandlung als einem "gewöhnlichen Justiz-Flüchtling" zukommen zu lassen.

Der Fall liegt bereits 40 Jahre zurück. Der polnisch-französische Kultregisseur Polanski hatte 1977 im Alter von 43 Jahren Sex mit einer 13-Jährigen. Er war zunächst wegen Vergewaltigung und fünf anderer Straftaten angeklagt, später lautete der Vorwurf auf unerlaubten Sex mit einer Minderjährigen. Polanski bekannte sich als Teil einer Vereinbarung schuldig und saß zunächst 42 Tage in der Gefängnispsychiatrie in Chino, aus der er vereinbarungsgemäß entlassen wurde - mit dem Rat ans Gericht, keine weitere Haftstrafe zu verhängen.

Doch dann ließ der Richter Laurence Rittenband den Deal platzen und forderte eine 50-jährige Haftstrafe für den Regisseur. Polanski floh daraufhin vor der Urteilsverkündung nach Europa und kehrte seitdem nicht mehr in die USA zurück. Die schweizerische Justiz stellte den Regisseur 2009 auf US-Ersuchen zehn Monate lang unter Hausarrest, ehe sie das Auslieferungsgesuch ablehnte.

Im Januar 2015 forderten die USA von Polen die Auslieferung des Regisseurs. Der Oberste Gerichtshof in Warschau lehnte das im Dezember vergangenen Jahres aber endgültig ab - mit der Begründung, dass Polanski seine Strafe bereits verbüßt habe.

Polanskis Anwalt bezeichnete den Urteilsspruch am Montag als weiteren Versuch des Gerichts, "sein früheres Fehlverhalten zu vertuschen". Die Entscheidung ergebe zudem keinen Sinn, da das Verfahren noch nicht zu Ende sei.

In der Anhörung am 26. April geht es um einen Antrag der Verteidigung, eine bisher unter Verschluss gehaltene Aussage des damaligen Staatsanwalts Roger Gunson zu veröffentlichen. Darin soll der inzwischen verstorbene Staatsanwalt bezeugt haben, dass es tatsächlich eine Vereinbarung zwischen dem Gericht und Polanski gegeben hatte.

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