US-Gericht verhängt langjährige Haftstrafe im Mordfall Etan Patz

Eltern von Etan Patz auf dem Weg ins Gericht

Fast vier Jahrzehnte nach dem Tod eines sechsjährigen Jungen aus New York ist der Angeklagte zu 25 Jahren Haft verurteilt worden. Der 56-jährige Pedro Hernandez war im Februar für schuldig befunden worden, den kleinen Etan Patz 1979 in einen Keller gelockt und erdrosselt zu haben; am Dienstag verhängte ein New Yorker Gericht das Strafmaß.

Staatsanwalt Cyrus Vance zeigte sich mit der Strafe zufrieden. Für Eltern sei der Mord an einem Kind "ein nicht endender Albtraum", sagte Vance. "Heute ist der Mann, der diesen Albtraum verkörpert, zur maximal möglichen Gefängnisstrafe verurteilt worden."

Etans Eltern waren bei der Strafverkündung im Gerichtssaal anwesend. Sein Vater Stan habe zu Hernandez gesagt, er werde ihm nie vergeben, berichteten US-Medien. Hernandez sei ein "Monster".

Der kleine Etan war am 25. Mai 1979 auf dem Weg zur Schule verschwunden, seine Leiche wurde nie gefunden. Die Ermittler waren Hernandez erst nach Jahrzehnten durch einen anonymen Hinweis auf die Spur gekommen. Er soll im Bekanntenkreis erwähnt haben, dass er einmal ein Kind getötet habe.

2012 wurde Hernandez festgenommen. Er gestand zunächst die Tat, widerrief dann sein Geständnis aber wieder. Seither sitzt er in Haft. Er hat einen Intelligenzquotienten von nur 70 und gilt als geistig beeinträchigt. Seine Verteidigung hält einen anderen Mann, einen verurteilten Sexualtäter, für den wahren Schuldigen.

Ein erster Prozess gegen Hernandez war 2015 geplatzt, weil sich die Geschworenen nicht einigen konnten. Einer von ihnen weigerte sich mit Blick auf die geistige Behinderung des Angeklagten, ihn schuldig zu sprechen. Dessen Geständnis bezeichnete er als "absonderlich".

Etan hätte an dem Tag, an dem er spurlos verschwand, erstmals alleine den Bus zu Schule nehmen sollen. Hernandez arbeitete damals in einem kleinen Laden in der Nähe der Bushaltestelle. Den Ermittlern sagte er, er habe den kleinen Jungen in den Keller des Ladens gelockt, ihn dort erwürgt und seine Leiche mit dem Müll entsorgt.

Die Menschen in den Vereinigten Staaten und anderen Ländern hatten die Suche nach dem Jungen mit großer Anteilnahme verfolgt. Etan Patz war das erste vermisste Kind, nach dem mit Fotos auf Milchkartons gesucht wurde. Der Fall führte dazu, dass viele Eltern in den USA mit Argusaugen über ihren Nachwuchs wachten.

Der damalige US-Präsident Ronald Reagan erklärte 1983 den 25. Mai zum nationalen Gedenktag für verschwundene Kinder. Etans Schicksal galt über Jahre als eines der großen ungelösten Rätsel in New York. 2001, 22 Jahre nach seinem Verschwinden, erklärte ein Richter in New York Etan schließlich für tot.

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