US-Journalist steht in Russland wegen Spionage vor Gericht

US-Journalist steht in Russland wegen Spionage vor Gericht

Der Reporter des Wall Street Journal, Evan Gershkovich, stand am Mittwoch hinter verschlossenen Türen in Jekaterinburg vor Gericht. Vor 15 Monate war er in der Stadt im Uralgebirge verhaftet worden. Er und sein Arbeitgeber bestreiten die Spionagevorwürfe.

Prozess unter Ausschluss der Öffentlichkeit

Der 32-jährige Journalist erschien vor Gericht mit rasiertem Kopf und in einem schwarz-blau karierten Hemd. An dem gläsernen Käfig, in dem er vorgeführt wude, war ein gelbes Vorhängeschloss angebracht.

Journalisten durften den Gerichtssaal für einige Minuten betreten, bevor die Verhandlung hinter verschlossenen Türen fortgesetzt wurde. Zwei Konsularbeamte der US-Botschaft in Moskau durften ebenfalls kurz in den Gerichtssaal, wie die Botschaft mitteilte.

Der in den USA geborene Sohn von Einwanderern aus der UdSSR ist der erste westliche Journalist, der im postsowjetischen Russland unter Spionageverdacht festgenommen wurde. Die russischen Behörden verhafteten Gershkovich, als er sich auf einer Reportagereise in Jekaterinburg befand, und behaupteten, er sammle geheime Informationen für den amerikanischen Geheimdienst.

USA: "zu Unrecht inhaftiert"

Das Außenministerium hat ihn für "zu Unrecht inhaftiert" erklärt und damit die Regierung verpflichtet, sich mit Nachdruck für seine Freilassung einzusetzen.

Jay Conti, Executive Vice President und General Counsel von Dow Jones, bezeichnete den Prozess in einem Interview mit The Associated Press als Farce.

"Er war ein akkreditierter Journalist, der Journalismus betreibt, und dies ist ein Scheinprozess, eine erfundene Anklage, die völlig aus der Luft gegriffen ist", sagte Conti.