US-Justiz klagt Libyer wegen Lockerbie-Attentat an

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Polizisten in Lockerbie

Die US-Justiz hat eine Anklage gegen den früheren libyschen Geheimagenten Abu Agila Mohammed Masud wegen seiner mutmaßlichen Beteiligung am Lockerbie-Anschlag veröffentlicht. "Endlich muss sich dieser Mann, der für die Tötung von Amerikanern und vielen anderen verantwortlich ist, für seine Verbrechen vor der Justiz verantworten", sagte US-Justizminister William Barr bei einer Pressekonferenz am Montag. Bei dem Anschlag auf ein US-Passagierflugzeug über der schottischen Stadt Lockerbie vor genau 32 Jahren waren 270 Menschen getötet worden.

Dem US-Justizministerium zufolge baute Masud die Bombe, die in der Boeing 747 der US-Fluggesellschaft Pan Am am 21. Dezember 1988 über Lockerbie explodierte. Unter den Opfern des Anschlags waren 190 US-Bürger. Barr äußerte sich "optimistisch", dass Masud von Libyen an die USA ausgeliefert werde. Derzeit werde er von den libyschen Behörden gefangen gehalten. Schottland unterstütze die Auslieferung an die USA und behalte sich vor, Masud auch im eigenen Land anzuklagen.

Ermittler aus den USA und Schottland hatten seit Jahren gegen Masud ermittelt. Dem US-Staatsanwalt Michael Sherwin zufolge gibt es starke Beweise, die Masud mit dem Anschlag in Verbindung bringen. In einem Interview mit einem libyschen Geheimdienst soll er 2012 zugegeben haben, für den Bau der Bombe verantwortlich zu sein. Im selben Interview soll Masud auch seine Beteiligung an dem Anschlag auf eine Berliner Diskothek 1986 zugegeben haben, bei dem zwei US-Soldaten und eine türkische Frau starben.

Wegen des Anschlags wurden bereits zwei Libyer vor ein Gericht in den Niederlanden gestellt. Einer von ihnen, Abdelbaset Mohamed al-Megrahi, wurde 2001 zu einer langen Haftstrafe verurteilt. Er kam aber 2009 aus medizinischen Gründen frei und starb 2012. Bis zu seinem Tod 2012 beteuerte er seine Unschuld.

In Schottland begann im November ein Berufungsprozess gegen al-Megrahis Verurteilung. Seine Familie hatte im März vor dem schottischen Ausschuss zur Überprüfung von Gerichtsurteilen (SCCRC) erreicht, dass der Fall zur Überprüfung an ein Strafgericht in Edinburgh verwiesen wurde. Zweifel an den Beweisen gegen al-Megrahi seien nicht ausgeräumt worden, hieß es damals zur Begründung.

Der zweite Mann, Lamin Chalifah Fhima, wurde freigesprochen, steht aber in den USA weiterhin unter Anklage. Die Ermittler verfügen laut Sherwin auch über Beweise für gemeinsame Reisen der zwei Männer mit Masud.

Libyen hatte im Jahr 2003 die Verantwortung für den Anschlag übernommen und zahlte 2,7 Milliarden Dollar (etwa 2,3 Milliarden Euro) Entschädigung an die Hinterbliebenen der Opfer.

"Unsere Geduld und Beharrlichkeit haben sich mit der heutigen Entscheidung als fruchtbar erwiesen", sagte Kara Weipz, die Schwester eines der Opfer des Anschlags. Im Namen der Angehörigen der getöteten Passagiere betonte sie: "Das Motto der Familienmitglieder war in den vergangen 32 Jahren: Die Wahrheit muss bekannt werden."

fwe/muk