US-Luftschlag gegen Syrien - Reaktion auf mutmaßlichen Giftgasangriff

Eine Tomahawk-Rakete wird im Mittelmeer vom Zerstörer USS Porter abgefeuert. (Bild: Reuters)

Wenige Tage nach einem mutmaßlichen Giftgasangriff lässt US-Präsident Trump einen Flughafen der syrischen Armee bombardieren. Er ruft zu einer internationalen Koalition auf, um das «Schlachten» in Syrien zu beenden. Die Reaktionen auf den Angriff sind derweil geteilt.


Die Krise in Syrien droht nach einem US-Luftangriff weiter zu eskalieren. US-Präsident Donald Trump ließ als Vergeltung für einen mutmaßlichen Giftgasangriff einen Luftwaffenstützpunkt in Syrien attackieren. Dabei kamen nach syrischen Regierungsangaben mindestens fünf Menschen ums Leben, darunter zwei Zivilisten.

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Nach Angaben des Pentagons wurden 59 Raketen des Typs Tomahawk abgeschossen. Trump sagte am späten Donnerstagabend (Ortszeit), er habe den Luftschlag angeordnet, in einem Akt der Verteidigung nationaler Sicherheitsinteressen. Mit dem Giftgasangriff vor wenigen Tagen, bei dem zahlreiche Menschen getötet wurden, habe Syrien seine internationalen Verpflichtungen sowie UN-Resolutionen verletzt.

Eine Chronologie des Syrienkriegs

Bei den Toten handele es sich um drei Armeeangehörige und zwei Zivilisten, sagte der Gouverneur der Provinz Homs, Talal Barasi, am Freitag der Deutschen Presse-Agentur. Er sprach zudem von sieben Verletzten. Der angegriffene Flugplatz in der Nähe des Ortes Al-Schairat sei stark zerstört worden. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte meldete vier getötete syrische Armeeangehörige, darunter ein General, sowie Dutzende Verletzte.

Archivaufnahme des Shayrat Flughafens in Homs. (Bild: Reuters)

Trump hatte den syrischen Staatschefs Baschar al-Assad für den mutmaßlichen Giftgasangriff verantwortlich gemacht, der international Entsetzen ausgelöst hatte. Dabei kamen Aktivisten zufolge mehr als 80 Menschen ums Leben. Assad hatte die Verantwortung für den Angriff zurückgewiesen.

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Der US-Präsident sagte am Rande eines Treffens mit Chinas Staatschef Xi Jinping in Florida, von dem nun ins Visier genommenen Flugplatz sei vor wenigen Tagen ein Angriff mit Giftgas auf die von Rebellen kontrollierte Stadt Chan Scheichun ausgegangen. Dies sei ein «barbarischer Akt» gewesen. «Ich rufe heute alle zivilisierten Nationen auf, sich uns anzuschließen», sagte Trump. Das Blutvergießen in Syrien müsse beendet werden.

US-Außenminister richtet schwere Vorwürfe an Russland

Die Feuerwehr und Rettungshelfer seien im Einsatz, um einen Brand auf dem Flugplatz unter Kontrolle zu bringen und die Opfer zu bergen, teilte Barasi mit. Aus syrischen Militärkreisen hieß es, bei dem Angriff seien zwei Start- und Landebahnen zerstört worden. Auch Treibstofflager seien getroffen worden.

US-Außenminister Rex Tillerson erhob schwere Vorwürfe gegen Russland. Russland habe in seiner Verantwortung versagt. Er verwies auf Zusagen Russlands, chemische Waffen in Syrien zu sichern und zu zerstören. Die USA hätten vor dem Luftangriff keine Kontakte mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin gehabt.

Reaktion aus Damaskus

Syriens Präsident Baschar al-Assad hat den US-Raketenangriff derweil als «rücksichtslos und unverantwortlich» verurteilt. Die Bombardierung sei mit Kurzsichtigkeit sowie politischer und militärischer Blindheit für die Realität erfolgt, erklärte das Präsidentschaftsbüros in Damaskus am Freitag in einer Stellungnahme.

Die USA hätten bei dieser «schändlichen Tat» den Flugplatz eines souveränen Staates angegriffen. Sie hätten gedacht, damit ihre «Komplizen unter den Banden und terroristischen Organisationen» unterstützen zu können. Die Aggression stärke aber nur die Entschlossenheit Syriens, diese zu vernichten, hieß es weiter.

Putin in die gleiche Kerbe

Putin verurteilte das US-Bombardement gegen syrische Regierungstruppen als Angriff auf die Souveränität Syriens. «Präsident Putin hält die amerikanischen Angriffe für eine Aggression gegen einen souveränen Staat, gegen das Völkerrecht, dazu noch mit einem erdachten Vorwand», sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Freitag in Moskau.

Russland ist der wichtigste Verbündeter des syrischen Staatschefs Assad. Seit September 2015 fliegt Russlands Luftwaffe Angriffe in Syrien. Sie richten sich gegen die Terrormiliz IS ebenso wie gegen Rebellen, die mit der Terrormiliz verfeindet sind.

US-Präsident Trump erklärte: “Ich rufe heute alle zivilisierten Nationen auf, sich uns anzuschließen.” (Bild: Reuters)

Nach Darstellung des Verteidigungsministeriums in Washington wurden russische Militärs von dem bevorstehenden Militärschlag auf den Luftwaffenstützpunkt informiert. Damit habe ausgeschlossen werden sollen, dass russische Soldaten Opfer des Raketenangriffes werden. Das US-Militär habe darauf geachtet, keine Bereiche des Stützpunktes zu treffen, in denen sich Russen aufhielten oder gelagerte chemische Waffen vermutet würden, berichtete der Nachrichtensender CNN. Man gehe davon aus, dass es keine russischen Opfer gebe. Das Pentagon veröffentlichte Videomaterial, das den Abschuss der Tomahawk-Raketen von US-Zerstörern zeigt. Die Raketen gelten als präzise.

Die Luftschläge hätten das Ziel gehabt, die Regierung von Baschar al-Assad von weiteren Chemie-Waffeneinsätzen abzuschrecken, hieß es. Die Zerstörung von Flugzeugen und Infrastruktur werde die Möglichkeiten dazu einzuschränken. Die Raketen wurden von Kriegsschiffen im Mittelmeer abgefeuert.

US-Präsident Trump sowie Außenminister Tillerson hatten nur Stunden vor dem Luftschlag den Druck auf die Regierung Assads erhöht. Trump sagte mit Blick auf Assad: «Ich denke, er ist der, der die Dinge verantwortet. Und ich denke, es sollte etwas passieren.» Die USA wollten eine internationale Koalition schmieden, um Assad abzulösen, sagte Tillerson.

UN-Sicherheitsrat kann sich nicht einigen

Der UN-Sicherheitsrat hatte sich zuvor bei einer Sondersitzung in New York erneut nicht auf eine neue Syrien-Resolution verständigen können. Russland warnte die USA vor «negativen Konsequenzen» bei einem militärischen Eingreifen. «Alle Verantwortung bei einer militärischen Aktion liegt auf den Schultern von denen, die diese fragwürdige und tragische Unternehmung beginnen», sagte der stellvertretende russische UN-Botschafter Wladimir Safronkow im UN-Hauptquartier in New York.

Die US-Regierung hatte bereits eine Kehrtwende in der Syrien-Politik vollzogen. Tillerson hatte vor einer Woche bei einem Besuch in der Türkei gesagt, das Schicksal Assads werde vom syrischen Volk entschieden. Das war eine Abkehr von der Linie der Vorgängerregierung, die dem Machthaber in Damaskus die Hauptverantwortung für den blutigen Konflikt in dem Bürgerkriegsland zuschob und auf seinen Sturz hinarbeitete.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte scharf auf den mutmaßlichen Giftgasangriff reagiert. Es spreche leider manches dafür, dass der Angriff von Assads Regierung ausgegangen sei.

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