US-Nahost-Berater Kushner an Bord des ersten Direktflugs von Israel nach Marokko

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Jared Kushner (l.) und Meir Ben Schabbat in Rabat

Knapp zwei Wochen nach der Normalisierung der Beziehungen zwischen Israel und Marokko ist am Dienstag der erste kommerzielle Direktflug aus Tel Aviv in Rabat gelandet. Eine Delegation, zu der auch US-Nahost-Berater Jared Kushner gehörte, wurde am Flughafen von marokkanischen Beamten empfangen. Das Abkommen zwischen Israel und Marokko war unter Vermittlung der USA zustande gekommen.

In einer an Bord des Flugzeugs abgespielten Botschaft sprach Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu von einem "historischen Flug" und einem "erneuten großen Durchbruch für den Frieden". Kushner äußerte vor dem Abflug auf dem Ben-Gurion-Flughafen bei Tel Aviv die Hoffnung, dass die Reise "die gleiche Dynamik" auslösen werde wie zuvor ein ähnliches Abkommen zwischen Israel und den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Ebenfalls an Bord des El-Al-Flugs war eine israelische Delegation unter Leitung des nationalen Sicherheitsberaters Meir Ben Schabbat. Die israelischen Vertreter und Kushner wollten in Marokko unter anderem König Mohammed VI. treffen. Während des Besuchs sollten nach Angaben aus israelischen Regierungskreisen bilaterale Abkommen unterzeichnet werden, etwa zum Finanzsektor, zu diplomatischen Visa und zur Wasserwirtschaft.

Nach Ansicht von Experten zielte die Reise nach Rabat vor allem darauf ab, die diplomatischen Errungenschaften des abgewählten US-Präsidenten Donald Trump im Nahen Osten zu präsentieren.

Marokko hatte Israel als vierter arabischer Staat nach den Vereinigten Arabischen Emiraten, Bahrain und dem Sudan in diesem Jahr anerkannt. Im Rahmen ihres Normalisierungsabkommens vereinbarten die beiden Länder am 10. Dezember, diplomatische Vertretungen erneut zu eröffnen und eine umfangreiche wirtschaftliche Zusammenarbeit einzuleiten.

Marokko und Israel verfügten bereits in den 1990er Jahren über Verbindungsbüros in Rabat und Tel Aviv; sie wurden 2000 zu Beginn des zweiten palästinensischen Aufstands gegen Israel jedoch wieder geschlossen. Nach Abschluss des Normalisierungsabkommens mit Israel betonte König Mohammed, Marokko stehe nach wie vor hinter den Palästinensern.

In Marokko lebte bereits seit der Antike eine jüdische Gemeinde, die nach der Vertreibung der Juden aus Spanien im Jahr 1492 stark wuchs. Ende der 1940er Jahre lebten in Marokko rund 250.000 Juden, bevor ihre Zahl nach der Gründung des Staates Israel 1948 stark zurückging. Noch heute lebt in Marokko mit etwa 3000 Menschen die größte jüdische Gemeinde in Nordafrika.

fwe/isd