Börsenkurse weltweit steigen nach Zinserhöhung in den USA

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US-Notenbankchefin Janet Yellen wird jetzt von Präsident Trump gelobt

Die Leitzinserhöhung in den USA hat den Börsen weltweit einen kleinen Schub gegeben und dem Dollar einen Dämpfer verpasst. In Frankfurt am Main kletterte der Deutsche Aktienindex (Dax) - auch wegen des Wahlausgangs in den Niederlanden - um knapp ein Prozent, ebenso legten die Kurse in London und Paris am Donnerstag leicht zu. Der Dollar gab gegenüber dem Euro leicht nach.

Die US-Notenbank Fed hatte den Leitzins am Mittwochabend leicht um 0,25 Prozentpunkte erhöht; er erreicht damit ein Niveau zwischen 0,75 und 1,0 Prozent. Es war die zweite Zinsanhebung seit dem Wahlsieg von US-Präsident Donald Trump. Schon im Dezember hatte die Notenbank die Rate um einen Viertelpunkt angehoben.

Die erneute Zinsanhebung kam nicht überraschend - sie war von Notenbankchefin Janet Yellen im Vorfeld angedeutet und von den Finanzmärkten erwartet worden. Entsprechend verhalten war die Wirkung der Entscheidung.

Der Dax kletterte bis Mittag um 0,99 Prozent. Der FTSE-100 in London stieg zu Handelsbeginn um 0,95 Prozent, der Index CAC 40 in Paris am Morgen um 0,58 Prozent. In Hongkong, Shanghai und Shenzhen schlossen die Börsen am Donnerstag im Plus - am deutlichsten die in Hongkong mit mehr als zwei Prozent. In Tokio kletterten die Kurse nur um 0,07 Prozent, vor allem, weil die japanische Zentralbank sich am Donnerstag für den Status Quo entschied. An ihrer expansiven Geldpolitik ändert sich nichts.

Der Euro legte nach einem starken Anstieg gegenüber dem Dollar gleich nach der Fed-Entscheidung am Donnerstag nur leicht zu. Er notierte am Vormittag bei 1,0709 Dollar. Analysten machten hier aber vor allem den Ausgang der Parlamentswahl in den Niederlanden verantwortlich.

Analysten verwiesen auch auf den verhaltenen Konjunkturausblick der US-Notenbank. Sie beließ ihre Wachstumsprognose für das laufende Jahr unverändert bei 2,1 Prozent. Die Prognose für 2018 hob sie nur minimal auf ebenfalls 2,1 Prozent an.

Finanzminister Steve Mnuchin hatte dagegen kürzlich die Erwartung geäußert, dass die US-Wirtschaft im kommenden Jahr um drei Prozent wachsen könnte. Trump sprach sogar von einem jährlichen Wachstum von vier Prozent.

Die Fed traf weiterhin keinerlei Aussagen zu möglichen Folgen von Trumps Steuer- und Wirtschaftsplänen für ihren Kurs. Es sei noch "zu früh", um zu wissen, wie sich Veränderungen in der Wirtschaftspolitik auswirken würden, sagte Notenbankchefin Janet Yellen. Derzeit gebe es noch "große Ungewissheit über das Timing, den Umfang, die Art" dieser Veränderungen.

Trump will die US-Wirtschaft mit massiven Steuererleichterungen und einem gigantischen Infrastrukturprogramm ankurbeln, was potenzielle inflationäre Risiken birgt. Deshalb wird darüber spekuliert, ob die Fed sich zu rascheren Zinssteigerungen veranlasst sehen könnte als bislang geplant. Die Zinsanhebung ist das Instrument der Notenbanken, um den Inflationsanstieg abzubremsen.

Der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Bankenverbandes, Michael Kemmer, erinnerte daran, dass auch in Europa "geldpolitische Krisenmodus" kein Dauerzustand sein dürfe. Zu dem für das laufende Jahr prognostizierten Wirtschaftswachstum von etwa 1,7 Prozent im Euro-Raum und einer Inflationsrate in ähnlicher Größenordnung passten "weder negative Zinsen noch ein monatliches Aufkaufprogramm im zweistelligen Milliardenbereich".

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