US-Notenbank Fed lässt ihren Leitzins unverändert und verdoppelt ihre Prognose für das Wirtschaftswachstum in den USA

Die US-Notenbank Fed hat den Leitzins für die USA unverändert gelassen.  - Copyright: Alex Wong/Getty Images
Die US-Notenbank Fed hat den Leitzins für die USA unverändert gelassen. - Copyright: Alex Wong/Getty Images

Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) hat ihre Zinsen im Kampf gegen die Inflation nicht weiter angehoben. Die Fed beließ ihren Leitzins am Mittwoch in der Spanne von 5,25 bis 5,5 Prozent. Dies ist der höchste Leitzins seit mehr als 20 Jahren. Mit der Zinspause hatten Analysten gerechnet. Ob sie ein Ende der Zinserhöhungen markieren könnte, ist offen. In ihrer Prognose gehe die Fed von einem noch etwas höheren Leitzins aus. Die Inflation in den USA liegt mit mehr als drei Prozent immer noch deutlich über dem Zwei-Prozent-Ziel der Fed.

Die Fed hob gleichzeitig ihre Prognose für das Wirtschaftswachstum in den USA deutlich an. Sie erwartet jetzt, dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der weltgrößten Volkswirtschaft in diesem Jahr um 2,1 Prozent wächst. Das wäre mehr als doppelt so viel wie Wachstum als noch im Juni prognostiziert. Für das kommende Jahr sagt die Fed ein BIP-Wachstum der USA von 1,5 Prozent voraus. Auch das starke Wachstum der US-Wirtschaft ist eher ein Indiz für einen möglichen weiteren Zinsschritt.

Leitzins der Fed: Historische Zinserhöhungen

Die Fed hatte den Leitzins im Kampf gegen die Inflation seit dem Frühjahr 2022 elfmal angehoben – zuletzt im Juli um 0,25 Prozentpunkte. In dem gesamten Zyklus erhöhte die Notenbank die Zinsen um mehr als fünf Prozent. Es waren die aggressivsten Zinserhöhungen seit Jahrzehnten. Einzig im Juni hatte die Fed dabei nach zehn Anhebungen in Folge bereits einmal eine Pause eingelegt.

„Auch wenn die Fed weitere Zinserhöhungen in der Zukunft nicht ausschließen kann, und die Teilnehmer an der Sitzung des Offenmarktausschusses mehrheitlich eine weitere Zinserhöhung sehen, ist die Zinspause zum jetzigen Zeitpunkt gut begründet", kommentierte Michael Heise, der Chefökonom des HQ Trust. „Es gilt jetzt, die kumulierten Auswirkungen der bisherigen elf Zinserhöhungen auf die Konjunktur und die Inflation zu analysieren.“

Zuletzt hat die Inflation in den USA wieder etwas angezogen. Die Verbraucherpreise stiegen im August gegenüber dem Vorjahr um 3,7 Prozent. In den Monaten zuvor waren sie im Trend spürbar gefallen. Getrieben wurde die jüngste Entwicklung vor allem durch die Benzinpreise, die wieder deutlich zulegten.

Doch die Zentralbanker schauen in ihrer Analyse besonders auf einen weiteren Wert: die Kerninflation. Sie fiel von 4,7 auf 4,3 Prozent und gibt den allgemeinen Preistrend nach Meinung von Fachleuten besser wieder als die Gesamtrate, da schwankungsanfällige Komponenten herausgerechnet werden.

Die Erzeugerpreise sind in Deutschland im August so stark gefallen wie noch nie.
Die Erzeugerpreise sind in Deutschland im August so stark gefallen wie noch nie.

Die EZB deutet Ende ihrer Zinserhöhungen an

Die Inflation im Zaum zu halten, ist die klassische Aufgabe der Notenbanken. Die Fed strebt mittelfristig eine Preisstabilität bei einer Inflationsrate von 2 Prozent an. Steigen die Zinsen, müssen Privatleute und Wirtschaft mehr für Kredite ausgeben – oder leihen sich weniger Geld. Das Wachstum nimmt ab, Unternehmen können höhere Preise nicht unbegrenzt weitergeben – und idealerweise sinkt die Inflationsrate. Gleichzeitig besteht aber die Gefahr, die Wirtschaft abzuwürgen. Die richtige Balance und das richtige Timing zu finden, ist die große Herausforderung für Zentralbanker.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte die Leitzinsen für die Euro-Zone in der vergangenen Woche zum zehnten Mal in Folge angehoben. Der Leitzins zu dem Banken sich Geld bei der EZB borgen können, liegt nun bei 4,5 Prozent. So hoch war dieser Zins zuletzt im August 2001. Der Einlagenzins, den Banken für Geld bekommen, das sie bei der EZB anlegen, stieg auf vier Prozent und damit auf den höchsten Stand seit Einführung des Euro. Die EZB hat angedeutet, dass sie weitere Zinserhöhungen nicht für nötig hält, den Leitzins aber für längere Zeit auf dem hohen Niveau zu halten beabsichtigt.

Mit Material von dpa

Baugrundstücke: Der Wohnungsbau in Deutschland steckt in einer tiefen Krise.
Baugrundstücke: Der Wohnungsbau in Deutschland steckt in einer tiefen Krise.