USA erhöhen im Streit um Nordkoreas Atomprogramm Druck auf China

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Tillerson leitet erstmals eine UN-Sicherheitsratssitzung

Die USA haben den Druck auf China erhöht, den Verbündeten Nordkorea zur Abkehr von seinem Atom- und Raketenprogramm zu bewegen. "China steht für 90 Prozent der Handelsbeziehungen Nordkoreas", sagte US-Außenminister Rex Tillerson am Freitag vor dem UN-Sicherheitsrat. Für einen erneuten Raketentest Pjöngjangs behielt sich Tillerson "alle Optionen" vor. China und Russland warnten vor den verheerenden Konsequenzen eines militärischen Eingreifens.

"China hat einen wirtschaftlichen Hebel auf Pjöngjang, der einzigartig ist", sagte Tillerson, der erstmals eine Sitzung des UN-Gremiums leitete. Jetzt nicht auf das "dringlichste Sicherheitsproblem der Welt" zu reagieren, könnte "katastrophale Konsequenzen" haben, sagte Tillerson. "Ich dränge den Rat zu handeln, bevor Nordkorea es tut." China, Nordkoreas Hauptverbündeter und größter Handelspartner, lehnte es bislang ab, wirtschaftlichen Druck auf Pjöngjang auszuüben - aus Furcht, damit das Nachbarland zu destabilisieren.

Schon jetzt sei die Bedrohung durch einen atomaren Angriff auf Südkorea oder Japan "real", sagte Tillerson. Bis Nordkorea auch US-Festland treffen könnte, sei es nur noch eine Frage der Zeit. Der chinesische Außenminister Wang Yi warnte vor einer militärischen Reaktion. Dies löse nicht das Problem und werde "nur zu größeren Katastrophen" führen, sagte Wang bei der Sitzung in New York. Verhandlungen seien die "einzig richtige Wahl".

Auch Moskau warnte eindringlich vor einem militärischen Eingreifen. "Rhetorik gepaart mit rücksichtslosen Muskelspielen" gegenüber Pjöngjang könnten "erschreckende Konsequenzen" haben, sagte der russische Vize-Außenminister Gennadi Gatilow vor dem UN-Sicherheitsrat.

Gatilow forderte, den chinesischen Vorschlag zum Einfrieren des nordkoreanischen Rüstungsprogramms "ernsthaft" zu erwägen. Wang schlug am Freitag erneut vor, das nordkoreanische Atom- und Raketenprogramm einfrieren zu lassen, wenn die USA und Südkorea im Gegenzug auf ihre regelmäßigen Militärübungen in dem Land verzichteten.

Vor der Sitzung des Sicherheitsrats hatte Tillerson direkte Gespräche mit Nordkorea über dessen Atomprogramm für möglich erklärt. "Das wäre eindeutig die Art, wie wir das gerne lösen würden", sagte Tillerson dem National Public Radio. Allerdings müsse die Führung in Pjöngjang entscheiden, "ob sie zu Gesprächen mit uns über die richtigen Inhalte bereit" sei, fügte er hinzu.

"Es besteht die Möglichkeit, dass wir am Ende einen großen, großen Konflikt mit Nordkorea haben", sagte Trump der Nachrichtenagentur Reuters. In dem am Donnerstag geführten Interview sagte Trump, gerne würde er "die Dinge diplomatisch lösen". Das sei aber "sehr schwierig".

Nordkorea hat nach eigenen Angaben seit 2006 fünf Atomwaffentests vorgenommen, davon zwei im vergangenen Jahr. Zugleich arbeitet die Führung in Pjöngjang an der Entwicklung von Langstreckenraketen, mit denen atomare Sprengköpfe bis in die USA getragen werden könnten.

Trump hatte bereits wiederholt gewarnt, dass er notfalls im Alleingang gegen Nordkorea vorgehen werde. Militärische Maßnahmen schloss er dabei nicht aus. Als Drohgebärde entsandte er einen US-Flugzeugträgerverband in den westlichen Pazifik. Der Verband soll bis Ende des Monats vor der koreanischen Halbinsel eintreffen.

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