US-Präsidentschaftsbewerber empört mit Aussage zu Islam

Der republikanische US-Präsidentschaftsbewerber Ben Carson hat mit Äußerungen über die Vereinbarkeit des Islam mit dem politischen System der USA für Empörung gesorgt. Nach den Worten von Carson kann ein Muslim nicht US-Präsident werden

Der republikanische US-Präsidentschaftsbewerber Ben Carson hat mit Äußerungen über die Vereinbarkeit des Islam mit dem politischen System der Vereinigten Staaten für Empörung gesorgt. Carson sagte im Fernsehsender NBC, ein Muslim könne nicht Präsident der USA werden. Der Rat für Amerikanisch-Islamische Beziehungen (CAIR) forderte den pensionierten Neurochirurgen am Montag auf, sich aus dem Präsidentschaftsrennen zurückzuziehen.

Carsons Haltung sei unvereinbar mit der US-Verfassung, sagte CAIR-Direktor Nihad Awad bei einer Pressekonferenz. Awad erinnerte an den sechsten Verfassungsartikel, der festschreibt, dass "niemals ein religiöser Bekenntnisakt zur Bedingung für den Antritt eines Amtes oder einer öffentlichen Vertrauensstellung im Dienst der Vereinigten Staaten" gemacht werden dürfe. "Wir rufen Mr. Carson auf, sich aus dem Präsidentschaftsrennen zurückzuziehen", sagte der CAIR-Direktor.

Carson war in der NBC-Sendung "Meet the Press" gefragt worden, ob die Religion eines Präsidenten eine Rolle spielen sollte. "Ich denke, das hängt davon ab, was für ein Glauben das ist", antwortete der erzkonservative Christ. "Wenn er im Widerspruch zu den Werten und Grundsätzen von Amerika steht, dann sollte es eine Rolle spielen."

Auf die Nachfrage, ob er glaube, dass der Islam mit der US-Verfassung vereinbar sei, antwortete Carson: "Nein, das glaube ich nicht. Ich würde mich nicht dafür aussprechen, dass wir einem Muslim die Verantwortung für dieses Land übertragen."

Carson ist der einzige Afroamerikaner im Feld der republikanischen Präsidentschaftsbewerber. In jüngsten Umfragen lag der pensionierte Neurochirurg, der bei der erzkonservativen Tea-Party-Bewegung viele Anhänger hat, auf dem dritten Platz.

Der führende Bewerber Donald Trump hatte kürzlich bei einer Wahlkampfveranstaltung die Aussage eines Teilnehmers unkommentiert hingenommen, dass Präsident Barack Obama ein Muslim sei. Rechtsgerichtete Verschwörungstheoretiker verbreiten in den USA die Darstellung, der Präsident sei nicht in den USA geboren und muslimisch. Obamas zweiter Vorname ist Hussein, sein Vater stammte aus Kenia.

Carsons Aussagen stießen auch bei den Demokraten auf Kritik. "Kann ein Muslim Präsident der Vereinigten Staaten sein? In einem Wort: Ja. Nun lasst uns das Thema hinter uns lassen", schrieb die favorisierte Bewerberin und frühere Außenministerin Hillary Clinton im Onlinedienst Twitter. Ihr Konkurrent Bernie Sanders erklärte, Menschen sollten "auf Grundlage ihrer Ideen und nicht ihrer Religion oder Hautfarbe" in ein Amt gewählt werden. "Es hat lange Zeit gedauert, bis wir die Vorurteile gegen die Wahl eines katholischen oder afroamerikanischen Präsidenten überwunden haben".

In den USA leben nach Schätzungen des CAIR sechs bis sieben Millionen Muslime. In den Vereinigten Staaten gibt es demnach fast 2000 Moscheen sowie islamische Zentren und Schulen.