US-Sender Fox News trennt sich von Starmoderator O'Reilly

US-Starmoderator O'Reilly hat seinen Job verloren

Wegen Vorwürfen sexueller Belästigung hat sich der konservative US-Sender Fox News von seinem Starmoderator Bill O'Reilly getrennt. Nach einer "gründlichen und sorgfältigen Prüfung der Anschuldigungen" habe sich der Sender mit O'Reilly geeinigt, dass dieser seine Arbeit bei Fox News nicht fortsetzen werde, teilte das Unternehmen am Mittwoch mit.

Der Sender steht US-Präsident Donald Trump nah, der sich zwischenzeitlich für O'Reilly eingesetzt hatte. Die "New York Times" hatte vor knapp drei Wochen berichtet, dass O'Reilly und sein Sender insgesamt 13 Millionen Dollar (12,2 Millionen Euro) als Schweigegeld an fünf Frauen gezahlt hätten, die dem 67-Jährigen sexuelle Belästigung vorgeworfen hätten.

Die Frauen mussten sich demnach verpflichten, die Vorwürfe nicht öffentlich zu machen und keine Klagen einzureichen. Betroffen seien Frauen, die entweder für O'Reilly arbeiteten oder in seiner Sendung regelmäßig zu Gast waren.

Wegen der Vorwürfe verlor O'Reillys Talksendung in den vergangenen Wochen zahlreiche große Werbekunden, darunter die Autokonzerne Mercedes-Benz, BMW, Toyota und Hyundai, die US-Versicherung Allstate und der französische Pharmakonzern Sanofi. Die Fachzeitschrift Adweek berichtete von mehr als 50 Unternehmen, die ihre Werbung zurückzogen.

Der Moderator ist eines der bekanntesten TV-Gesichter der USA, seine seit zwei Jahrzehnten laufende allabendliche Talk-Sendung "The O'Reilly Factor" war ein wichtiger Quotenbringer für Fox News. Zwischen Januar 2015 und September 2016 generierte die Sendung fast 300 Millionen Dollar an Werbeeinnahmen, wie die Recherchefirma Kantar Media errechnete.

Der 67-Jährige war nach Bekanntwerden der Belästigungsvorwürfe zu einem längeren Urlaub aufgebrochen, den er allerdings schon vorher geplant haben will. Nur wenige Stunden vor seiner Entlassung war auf Fotos zu sehen, wie er dem Papst auf dem Petersplatz in Rom die Hand schüttelt.

In einer ersten Reaktion erklärte O'Reilly, er habe aufgrund "völlig unzutreffender Behauptungen" gehen müssen. Das aber sei "die traurige Realität, mit der viele von uns leben müssen, die in der Öffentlichkeit stehen". Erst vor kurzem hatte er mit seinem Sender einen neuen Vertrag in Höhe von über 20 Millionen Dollar pro Jahr abgeschlossen. Wie hoch seine Abfindung nun sein würde, war zunächst nicht bekannt.

Im Juli war bereits Fox-News-Chef Roger Ailes zurückgetreten, dem ebenfalls sexuelle Belästigung vorgeworfen wurde. Fox News steht Präsident Trump nahe, der seinerseits im Wahlkampf wegen früherer Prahlereien mit sexuellen Übergriffen unter Druck geraten war.

Trump nutzt Fox News vielfach, um seine Sicht der Dinge an die Öffentlichkeit zu bringen. So wie er im vergangenen Jahr Ailes in Schutz nahm, stellte sich Trump vor einigen Tagen auch hinter O'Reilly. Dieser sei "ein guter Mensch", sagte der Präsident der "New York Times". "Ich glaube nicht, dass Bill irgendetwas falsch gemacht hat", fügte Trump hinzu.

Frauenrechtlerinnen feierten am Mittwoch den Rauswurf des Moderators. "Ich bin erleichtert, dass die Stimmen der Frauen am Ende gehört wurden", sagte eines von O'Reillys mutmaßlichen Opfern, Wendy Walsh, dem Sender CNN. Opfer-Anwältin Lisa Bloom erklärte, der Fall zeige, welche Macht Frauen haben können, wenn sie mit ihrer "Wahrheit" an die Öffentlichkeit gehen: "Wir können Drachen töten."

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