US-Vizepräsident Pence warnt Nordkorea vor weiteren Provokationen

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US-Vizepräsident an der innerkoreanischen Grenze

Nach dem gescheiterten nordkoreanischen Raketentest haben die USA ihre Warnungen an die Adresse Pjöngjangs verschärft. Es lägen "alle Optionen auf dem Tisch", sagte Vizepräsident Mike Pence am Montag in Seoul. Nordkorea solle die "Entschlossenheit" von Präsident Donald Trump und die Stärke des US-Militärs besser "nicht auf die Probe stellen". Nordkorea hatte am Sonntag eine Rakete abgeschossen, die aber offenbar unmittelbar nach dem Start explodierte.

Mit einem Besuch an der innerkoreanischen Grenze demonstrierte Pence Bündnistreue mit Südkorea. Washington hoffe zugleich weiter, Nordkorea "mit friedlichen Mitteln" von seinem Atomwaffenprogramm abzubringen, sagte Pence auf einer Pressekonferenz mit dem amtierenden südkoreanischen Präsidenten Hwang Kyo Ahnin in Seoul. Aber die Zeit der "strategischen Geduld" der USA mit Nordkorea sei vorbei. Pjöngjang habe Washingtons "Entgegenkommen mit arglistiger Täuschung, gebrochenen Versprechen und Atom- sowie Raketentests beantwortet".

In den vergangenen zwei Wochen habe die ganze Welt Trumps "Stärke und Entschlossenheit" erlebt, fügte Pence hinzu. Er bezog sich damit auf den US-Luftangriff auf einen syrischen Luftwaffenstützpunkt Anfang April und den Abwurf einer riesigen US-Bombe am vergangenen Donnerstag in Afghanistan.

Die USA, die in Südkorea mindestens 28.500 Soldaten stationiert haben, würden "jeden Angriff zerschlagen", warnte der Vize-Präsident. Auf "jegliche Verwendung konventioneller oder atomarer Waffen" werde es eine "überwältigende und schlagkräftige Antwort" geben.

Im Dorf Panmunjom an der entmilitarisierten Zone zwischen Süd- und Nordkorea hatte Pence zuvor erklärt, die US-Regierung stehe "Schulter an Schulter" mit dem südkoreanischen Volk. Die Beziehung beider Länder sei "eisern und unveränderlich". Nordkorea dürfe "nicht die Entschlossenheit der Vereinigten Staaten unterschätzen, unseren Verbündeten beizustehen".

Der russische Außenminister Sergej Lawrow erklärte am Montag, er hoffe, dass die USA in der Nordkorea-Frage keinen "Alleingang" unternehmen würden wie unlängst in Syrien. Russland lehne die "gegen UN-Resolutionen verstoßenden Atom- und Raketenabenteuer Pjöngjangs" ab. Das bedeute aber nicht, dass jetzt "unter Bruch des Völkerrechts" Gewalt gegen Nordkorea angewendet werden könne.

Der Kreml-Sprecher Dmitri Peskow forderte alle beteiligten Parteien zur "Zurückhaltung" auf, "um jede Aktion zu vermeiden, die als Provokation interpretiert werden könnte".

Trotz Warnungen der USA hatte Nordkorea am Sonntag eine Rakete abgeschossen, die nach Angaben aus Washington und Seoul jedoch unmittelbar nach dem Start explodierte. Der Test erfolgte nach einer großen Militärparade in Pjöngjang anlässlich des 105. Geburtstags von Staatsgründer Kim Il Sung.

Pence bezeichnete den Raketentest als "Provokation". Auch die südkoreanische Regierung verurteilte den Test. Nur einen Tag nach der Militärparade, bei der das nordkoreanische Militär auch mehrere Raketen zur Schau gestellt hatte, habe Nordkorea damit erneut "die ganze Welt bedroht".

Die Bundesregierung verurteilte den Raketentest als Verstoß gegen das Völkerrecht. "Unabhängig davon, ob ein Test gelingt oder nicht, liegt hier ein klarer Bruch des Völkerrechts vor", erklärte ein Sprecher des Auswärtigen Amts in Berlin. Großbritannien äußerte sich "besorgt". Außenminister Boris Johnson forderte Nordkorea auf, sein Atomwaffenprogramm zu beenden.

Der Konflikt um das nordkoreanische Atomprogramm hatte sich zuletzt verschärft. Trump drohte, die USA seien notfalls zu einem Alleingang bereit, wenn China nicht den Druck auf seine Verbündeten in Pjöngjang erhöhe. Vergangene Woche schickte die US-Armee einen Flugzeugträger und mehrere Kriegsschiffe zur Koreanischen Halbinsel.

Nordkorea hat seit 2006 nach eigenen Angaben fünf Atomwaffentests vorgenommen, davon zwei im vergangenen Jahr. Zugleich arbeitet die Führung in Pjöngjang an der Entwicklung von Langstreckenraketen, mit denen atomare Sprengköpfe bis in die USA getragen werden könnten.

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