US-Wahl: An diesen verrückten Orten stimmten die Amerikaner ab

Moritz Piehler
·Freier Autor
·Lesedauer: 3 Min.

Diese Präsidentschaftswahl in den USA war in vielerlei Hinsicht anders als sonst. Das galt auch für die Wahllokale. Noch nie wurde an so ungewöhnlichen Orten gewählt, wie 2020.

Ein besonders symbolisch anmutendes Wahllokal gab es ausgerechnet im konservativen Texas. Das “Buddy’s” in Houston ist eigentlich eine Bar für die LGBTQ-Community. Dort wird vielleicht mal über Politik bei einem Drink gesprochen, bisher aber nicht darüber entschieden. Doch im Pandemie-Jahr 2020, in dem die US-Wahl zu einem entscheidenden Richtungsweiser deklariert wurde, gelten andere Maßstäbe. Und so hatte Christopher Barry, der Besitzer des “Buddy’s”, am Dienstag statt Barhockern 14 Wahlkabinen aufgestellt und seine Bar zum Wahllokal umgewidmet.

Gegenüber CNN sagte Barry: “Wir sind glücklich darüber, dass wir Geschichte machen und die erste LGBTQ+ Bar sind, in der man über die Präsidentschaft abstimmen kann.” Er sei stolz darauf, ein sicherer Ort für jeden in der Gemeinde zu sein. “Wir hoffen, dass wir ein leuchtendes Beispiel für Inklusion und Menschlichkeit sein können.” Das sah offensichtlich auch die zuständige Wahlbehörde in Houston so. “Wir sind kein regulärer Bezirk, wir sind ein *cooler* Bezirk.” postete das Bezirksamt von Harris County als Kommentar zu der Location auf Twitter.

Fast schon ein Klassiker: Der Laundromat als Wahllokal in den USA. Dieser hier ist in Chicago, Illinois. (Bild: REUTERS/Daniel Acker)
Fast schon ein Klassiker: Der Laundromat als Wahllokal in den USA. Dieser hier ist in Chicago, Illinois. (Bild: REUTERS/Daniel Acker)

Dass Kirchen und Sporthallen zu Wahllokalen werden, ist ein gewohnter Anblick. Doch in diesem Jahr gab es zahlreiche kuriose Ausnahmen. Denn die Schwulenbar in Texas war bei weitem nicht das einzige besondere Wahllokal, in dem die US-Wähler ihre Stimmen für Joe Biden oder Donald Trump abgeben konnten. Von Sportstadien bis hin zum Museum für Eiscreme wurden ungewöhnliche Orte umgewidmet, um möglichst vielen Wählern eine sichere Stimmabgabe zu ermöglichen.

Gleich mehrere Museen im ganzen Land wurden zu Wahllokalen. Das Brooklyn Museum in New York stellte ebenso Wahlkabinen auf, wie das Mummers Museum in Philadelphia und das Museum of Latin American Art in Long Beach, Kalifornien. Doch am schönsten wählte es sich wahrscheinlich zwischen den knallig pinken Wänden des Ice Cream Museums in San Francisco.

Wählen konnte man hier zwar, es sieht aber leider nicht so aus, als sei die Eis-Theke im Museum of Ice Cream auch offen gewesen. (Bild: Stephen Lam/Getty Images)
Wählen konnte man hier zwar, es sieht aber leider nicht so aus, als sei die Eis-Theke im Museum of Ice Cream auch offen gewesen. (Bild: Stephen Lam/Getty Images)

Auch Restaurants, Billiard-Hallen oder Autogeschäfte zählten 2020 zu den Orten, an denen gewählt werden konnte. Sinnbildlich für dieses verrückte Wahljahr war vielleicht ein Wahllokal in New York City. Im berühmt-berüchtigten “Manhattan Psychiatric Center” wurden die Pforten der Psychiatrischen Klinik auf Wards Island für Wähler geöffnet. Dort konnte man seine Stimme hinter schweren eisernen Türen in den ehemaligen Zellen der Insassen abgeben. Etwas fröhlicher ging es da schon in Chicago bei der Stimmabgabe zwischen bunten Hochzeitskleidern zu.

Stimmabgabe zwischen Brautmode: Der 23-jährige Joel Castanon wählt zum ersten Mal und dann gleich beim Modegeschäft "Scelebrations" in Chicago. (Bild: REUTERS/Daniel Acker)
Stimmabgabe zwischen Brautmode: Der 23-jährige Joel Castanon wählt zum ersten Mal und dann gleich beim Modegeschäft "Scelebrations" in Chicago. (Bild: REUTERS/Daniel Acker)

Für besonders viel Abstand war im Baseball-Stadion der Los Angeles Dodgers gesorgt. Besonders schön für manch wählenden Baseball-Fan, denn die Dodgers hatten gerade die World Series gewonnen, bei der nur eine begrenzte Anzahl an Zuschauern ins Stadion durfte. Ob im Brautmodengeschäft oder in der Schwulenbar, inklusive der zahlreichen Briefwahlstimmen war die Wahlbeteiligung in den USA in diesem Jahr trotz der Corona-Pandemie so hoch wie selten.

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