US-Wahlkampf - „Was zum Teufel geht hier vor?“: Intrigen im Weißen Haus machen Biden-Berater fassungslos

Biden gesteht ein, dass er beim TV-Duell gegen Trump versagt hat.<span class="copyright">Susan Walsh/AP</span>
Biden gesteht ein, dass er beim TV-Duell gegen Trump versagt hat.Susan Walsh/AP

Machenschaften, Schuldzuweisungen und Rachepläne im Weißen Haus: Nach seiner verheerenden TV-Debatte bekriegen sich Joe Bidens Angehörige und Berater nun gegenseitig. „Was zum Teufel geht hier vor?”, fragen Topberater.

Die Machtspiele und Intrigen im inneren Kreis von Joe Biden erinnern an eine Shakespeare-Tragödie, sagen Insider aus dem Weißen Haus. Die vernichtenden Reaktionen auf den Auftritt des 81-Jährigen haben unter Angehörigen des US-Präsidenten alte Wunden neu aufgerissen, heißt es in US-Medienberichten. Nun wollen sie Vergeltung. Dabei versuche eine Seite die andere zu bekämpfen und zu manipulieren. Ausgerechnet Bidens Sohn Hunter, der vielen Wählern ein Dorn im Auge ist, gewinnt aktuell zunehmend an Einfluss. Für ihn stehe noch eine alte Rechnung offen, heißt es.

Seit Bidens katastrophalem TV-Duell gegen Donald Trump wachse der Zorn seiner Familie auf die Berater des Präsidenten, verrieten Insider dem US-Sender NBC. „Das Debatten-Fiasko hat für seine Angehörigen die Spur geöffnet, um seine Berater zu überholen und ihrem Vater und Bruder, den sie innig lieben, zu helfen”, so ein Vertrauter der Bidens. Die Spannungen zwischen Bidens Familie und seinen engsten Beratern brodeln schon seit über einem Jahr, berichteten 13 verschiedene Quellen, die anonym bleiben wollten.

Die Schwere des internen Machtkampfes

Der interne Machtkampf sei „nicht hilfreich”, verlautete es aus Bidens Team. „Es ist wie bei Shakespeare”, beschrieb ein Wahlkampfhelfer die angespannte Lage und meinte: Bidens Familie würde sich ihren Emotionen hingeben, statt der politischen Realität ins Auge zu sehen. Die Angehörigen würden ihn überfürsorglich bevormunden. Diese wiederum werfen seinen Beratern Mikromanagement des Präsidenten vor.

Zum Hintergrund: Aus Sicht der First Lady und Sohn Hunter versagen Bidens Berater schon lange darin, der Öffentlichkeit seine Stärken und Errungenschaften zu zeigen. Ihre „schlechten Vorbereitungen” auf das TV-Duell stellen für Jill und Hunter Biden den traurigen Höhepunkt einer Reihe verfehlter Strategien dar. Berichte, wonach die beiden nun dafür plädieren, seine Top-Beraterin Anita Dunn und ihren Mann Bob Bauer, Bidens Anwalt, zu entlassen, wurden bisher dementiert: „Der Präsident und die First Lady haben vollstes Vertrauen in ihr Team. Das gilt auch für Anita und Bob”, hieß es in einem Statement aus dem Weißen Haus.

Langjähriger Groll gegen Dunn und Bauer

Doch Jill und Hunter Biden sollen schon lange einen Groll gegen Dunn und Bauer hegen. Sie nehmen ihnen vor allem den Rat übel, wonach sich Bidens Sohn angesichts seiner Rechtsprobleme aus der Öffentlichkeit fernhalten solle. Vergangenen Monat wurde er von einer Jury in Delaware wegen illegalen Waffenbesitzes für schuldig gesprochen. Eine weitere Anklage wegen Steuerbetrugs ist noch am Laufen.

Nun wollen die First Lady und ihr Stiefsohn die Gelegenheit nutzen und das Ehepaar für Bidens schockierend schlechtes TV-Duell verantwortlich machen, berichtet NBC. Das, obwohl der Präsident selbst in seinem TV-Interview am Wochenende betonte, einzig er und seine Erkältung tragen die Schuld daran, dass er während der Debatte „eben mal einen schlechten Abend” hatte.

Hunter Bidens wachsende Rolle

Ausdrücklich gegen den Rat von Dunn und Bauer ist Hunter nun regelmäßig bei Meetings und Telefonaten im Oval Office anwesend. Zudem berät er neuerdings häufig mit Führungskräften des Weißen Hauses. Die Entwicklung sei sehr ungewöhnlich, berichten Beobachter. „Mit seinem Jura-Diplom der Yale University ist Hunter Biden viel medienwirksamer und besser im politischen Messerkampf als das Wahlkampfteam”, verteidigte ihn Michael LaRosa, der ehemalige Kommunikationsleiter von Jill Biden, auf NBC.

Skepsis unter Bidens Mitarbeitern

Andere Mitarbeiter des Präsidenten äußern sich skeptischer und fragen: „Was zum Teufel geht hier vor?”. Zwar habe man Hunter auch früher schon im Wohnbereich des Weißen Hauses gesehen – nicht aber bei den Meetings seines Vaters. Er und seine Stiefmutter zählen zu den stärksten Verfechtern von Bidens erneuter Kandidatur. „Sie pushen ihn, um jeden Preis weiterzumachen”, so ein Vertrauter.

Die Meinung einer einflussreichen Angehörigen scheint noch auszustehen: Valerie Owens, Bidens jüngere Schwester, zählt zu seinen engsten Vertrauten. „Seit ich drei Jahre alt bin, ist sie meine beste Freundin”, sagte Biden. Die 78-Jährige geht mit ihrem Bruder samstagabends regelmäßig in den katholischen Gottesdienst. Anschließend essen die Geschwister gern beim Italiener. In ihren Memoiren schrieb Owens: „Ich kritisiere ihn ungern öffentlich, aber wenn mir etwas nicht gefällt, sage ich es ihm immer. Dann warte ich, bis wir allein sind.” Er frage sie dann sie stets: „Was meinst du, Val?” Früher habe sie vor wichtigen Entscheidungen auf ein Signal des lieben Gottes gewartet, sagt sie. Ob sie diesmal schon ein Zeichen erhielt, ist nicht bekannt.