US-Notenbank senkt Leitzins wegen Coronavirus-Krise um 0,5 Prozentpunkte

US-Notenbankchef Jerome Powell

Als Reaktion auf die Coronavirus-Krise hat die US-Notenbank den Leitzins überraschend um 0,5 Prozentpunkte gesenkt. Die Federal Reserve (Fed) begründete den Schritt am Dienstag mit den Risiken durch die Ausbreitung der neuartigen Lungenkrankheit. Der Leitzins liegt jetzt zwischen 1,0 und 1,25 Prozent. Die Entscheidung ließ die Börsenkurse zunächst weltweit ansteigen, bis Handelsschluss verpuffte der Effekt jedoch weitgehend. Der US-Leitindex Dow Jones schloss mit einem Minus von 2,9 Prozent.

Die Epidemie lasse "Risiken für die wirtschaftliche Aktivität" entstehen, erklärte die Fed. Die Zentralbank verfolge die "Entwicklungen und deren Folgen für den Wirtschaftsausblick genau". Die einstimmige Entscheidung des sogenannten Offenmarktausschusses der Fed zur Senkung des Leitzinses war ungewöhnlich: In der Regel werden Zinsentscheidungen nur bei regulären Treffen des Gremiums gefällt. Dessen nächstes Treffen war eigentlich erst in gut zwei Wochen geplant.

Die Börsen reagierten auf die Fed-Entscheidung zunächst mit sprunghaften Aufwärtsbewegungen. Der Dow Jones stieg um 1,4 Prozent, rutschte dann aber bis Handelsschluss deutlich ins Minus. Im Tagesverlauf verlor der US-Leitindex fast 800 Punkte. In der vergangenen Woche hatte der Dow Jones wegen des Coronavirus mehr als 3500 Punkte eingebüßt - es waren die größten Kursverluste seit Oktober 2008 zum Höhepunkt der Finanzkrise.

Die europäischen Börsen schlossen hingegen am Dienstag im Plus. Allerdings fielen die Zugewinne nicht so deutlich aus, wie es zunächst nach der Fed-Entscheidung ausgesehen hatte - die anfänglichen deutlichen Kurssprünge schrumpften im weiteren Handelsverlauf zusammen. In dieser Kursentwicklung spiegelte sich die Skepsis wider, dass niedrigere Zinsraten die wirtschaftlichen Schäden der Corona-Epidemie kompensieren können.

So legte der Dax zunächst um 200 Punkte zu und lag zwischenzeitlich 3,5 Prozent über dem Schlusskurs vom Montag. Bei Handelsschluss in Frankfurt am Main lag das Plus aber nur noch bei 1,1 Prozent. Auch London und Paris schlossen mit einem Plus von rund einem Prozent.

Fed-Chef Jerome Powell sagte zu der Leitzinssenkung, niemand wisse, wie lange der Coronavirus-Ausbruch anhalten werde. Eine Zinssenkung werde nicht die "Infektionsrate verringern". Die Fed habe "nicht alle Antworten" auf die Krise. "Wir glauben aber, dass unser Handeln der Wirtschaft erheblichen Schwung geben wird", fügte er hinzu.

US-Präsident Donald Trump ging der Schritt der Fed nicht weit genug. Er forderte in einer Botschaft im Internetdienst Twitter eine weitere Senkung und eine Angleichung des Leitzinses an den anderer Zentralbanken weltweit.

Zuvor hatten die sieben großen Industriestaaten (G7) angekündigt, im Kampf gegen die Auswirkungen des Coronavirus "alle angemessenen politischen Maßnahmen" ergreifen zu wollen. Die G7-Finanzminister seien "bereit zu handeln", erklärten sie nach einer Telefonkonferenz, an der auch die G7-Zentralbankchefs teilnahmen. Dies schließe auch die Staatshaushalte belastende Maßnahmen ein.

Die Notenbanken der sieben Staaten würden auch weiterhin ihre Aufgaben erfüllen, also die Preisstabilität und das Wirtschaftswachstum unterstützen sowie die Widerstandsfähigkeit des Finanzsystems aufrecht erhalten, hieß es in der Erklärung. Zu den G7 gehören die USA, Kanada, Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien und Japan.

Die Lungenkrankheit Covid-19 sorgt weltweit für Störungen im Wirtschaftskreislauf. Ganze Orte wurden abgeriegelt, Straßen gesperrt, Fabriken geschlossen. Die Börsenkurse sanken vergangene Woche weltweit stark und erholten sich bislang nur teilweise.