Iran bezieht die USA in Untersuchung von Flugzeugabsturz ein

Absturzstelle nahe Teheran

Der Iran will das Ausland umfassend in die Untersuchung des Absturzes einer ukrainischen Passagiermaschine mit 176 Toten einbeziehen - darunter auch den Erzfeind USA. Die US-Verkehrssicherheitsbehörde NTSB teilte am Donnerstag (Ortszeit) mit, sie habe vom Iran eine förmliche Unterrichtung über den Absturz nahe Teheran erhalten und werde mit einem Repräsentanten an der vom Iran geleiteten Untersuchung teilnehmen. Unterdessen verdichteten sich Hinweise, dass das Flugzeug möglicherweise von einer iranischen Rakete abgeschossen worden war.

Die angekündigte US-Teilnahme an der Untersuchung könnte möglicherweise ein weiterer Faktor der Deeskalation in dem durch den tödlichen US-Angriff auf den iranischen General Kassem Soleimani angeheizten Konflikt der alten Erzfeinde darstellen. US-Präsident Donald Trump hatte am Mittwoch deutlich gemacht, dass er die Konfrontation nicht weiter vorantreiben will.

Andererseits wehrte sich Teheran vehement gegen den Verdacht, eine iranische Rakete könnte den Absturz der Boeing 737 verursacht haben. Die USA wendeten damit Methoden der "psychologischen Manipulation" an, erklärte Regierungssprecher Ali Rabii. Von konkreten Hinweisen auf einen Raketenbeschuss sprachen allerdings vor allem Kanadas Regierungschef Justin Trudeau und der britische Premierminister Boris Johnson, während sich Trump zurückhaltender zu dem Verdacht äußerte.

Trudeau sagte, "verschiedene" Geheimdienstinformationen deuteten darauf hin, dass die Maschine "von einer iranischen Boden-Luft-Rakete abgeschossen wurde". Dies könnte nach seinen Worten "unabsichtlich" geschehen sein. Johnson wiederum erklärte, es gebe zunehmende Indizien dafür, dass eine iranische Rakete den Absturz verursacht haben könnte. Der mutmaßliche Raketenbeschuss "könnte wohl unabsichtlich gewesen sein".

Trump sagte indessen lediglich, er habe einen "Verdacht": "Jemand auf der anderen Seite könnte einen Fehler gemacht haben." Der US-Präsident betonte allerdings auch, er halte ein technisches Problem am Flugzeug als Absturzursache für ausgeschlossen. US-Sender zitierten nicht namentlich genannte US-Regierungsvertreter mit der Information, dass Satelliten- und Radardaten auf einen irrtümlichen Abschuss der Maschine durch das iranische Luftabwehrsystem hindeuteten.

Das Flugzeug war am Mittwochmorgen abgestürzt - kurz nachdem der Iran als Vergeltung für die Tötung Soleimanis von den USA genutzte Militärbasen im Irak mit Raketen angegriffen hatte.

Auch ein in den Onlinenetzwerken verbreitetes Video, das die US-Zeitung "New York Times" nach eigenen Angaben als echt verifizierte, scheint den Verdacht eines Raketenabschusses des Flugzeugs zu stützen. Die Bilder zeigen ein schnell und schräg in den Himmel aufsteigendes Objekt, bevor ein heller Blitz zu sehen ist. Einige Sekunden später ist eine Explosion zu hören.

Die US-Behörde NTSB wollte sich allerdings zu den möglichen Absturzursachen nicht äußern. Wie bei allen Untersuchungen zu Flugzeugabstürzen, an denen die NTSB beteiligt sei, mache sie "keine Spekulationen" über die Ursachen, teilte die Behörde mit.

Das iranische Außenministerium forderte die kanadische Regierung zur Übergabe der von Trudeau angeführten Geheimdienstformationen auf. Ferner kündigte das Ministerium eine umfassende Beteiligung des Auslands an der Untersuchung an. So erging diesen Angaben zufolge eine Einladung auch an den US-Flugzeughersteller Boeing.

Der Iran will nach Angaben des Außenministeriums zudem Behörden aus allen Ländern in die Untersuchung einbeziehen, aus denen Staatsbürger bei dem Absturz ums Leben kamen. An Bord waren unter anderen 63 Kanadier und elf Ukrainer sowie auch Afghanen, Briten und Schweden. An den Ermittlungen vor Ort beteiligten sich laut dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj bereits 45 ukrainische Behördenvertreter und Experten.