USA und China verkünden vor Gipfeltreffen gemeinsamen Kampf gegen Klimakrise

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US-Klimabeauftragter John Kerry in Südkorea

Ungeachtet ihrer politischen Spannungen wollen die USA und China gemeinsam gegen den Klimawandel kämpfen. Die Klimakrise müsse mit der "gebotenen Ernsthaftigkeit und Dringlichkeit angegangen werden", erklärten der US-Klimabeauftragte John Kerry und sein chinesischer Amtskollege Xie Zhenhua am Samstag in Shanghai. Die Erklärung ließ offen, ob Chinas Staatschef Xi Jinping an dem von den USA organisierten virtuellen Klimagipfel in dieser Woche teilnimmt.

Kerry besuchte als erstes Mitglied der Regierung von Präsident Joe Biden China. Er betonte seine Hoffnung, dass beide Länder trotz politischer Spannungen zusammenarbeiten könnten. Die beiden größten Volkswirtschaften der Welt sind zusammen für fast die Hälfte der weltweit ausgestoßenen Treibhausgase verantwortlich. Sie kündigten an, "ihre jeweiligen Maßnahmen" zum Klimaschutz zu verstärken und an "multilateralen Prozessen" wie dem Pariser Klimaschutzabkommen mitzuarbeiten.

Die Reise des früheren Außenministers Kerry diente der Vorbereitung des von den USA organisierten virtuellen Klimagipfels am Donnerstag und Freitag. Er hoffe sehr, dass auch der chinesische Präsident Xi teilnehme, sagte Kerry am Sonntag zu Journalisten in Südkorea. "Natürlich trifft jedes Land seine eigenen Entscheidungen", sagte Kerry: "Wir wollen niemanden drängen, wir setzen auf Kooperation."

In China habe er "ausführlich" über das Thema der Energiegewinnung aus Kohle gesprochen, berichtete Kerry weiter. China hat derzeit rund die Hälfte des weltweiten Anteils an der Kohlestromproduktion. Er wolle aber keine Schuldigen suchen, betonte der US-Beauftragte. "Wir haben zu viel auf Kohle gesetzt, andere Länder setzen zu viel auf Kohle, aber China ist der allergrößte Nutzer von Kohleenergie weltweit." China müsse "sich bewegen".

US-Präsident Biden hat den Kampf gegen die Erderwärmung zu einem seiner Hauptanliegen gemacht. Sein Vorgänger Donald Trump hatte die USA aus dem Pariser Klimaschutzabkommen von 2015 geführt und die Vereinigten Staaten damit bei der Klimapolitik international zum Außenseiter gemacht. Biden kehrte nach seinem Amtsantritt im Januar umgehend wieder zu der Vereinbarung zurück.

Die gemeinsame Erklärung beschreibt mehrere mögliche Wege für Kooperationen zwischen den beiden größten Volkswirtschaften der Welt, die gemeinsam für fast die Hälfte der ausgestoßenen Treibhausgase verantwortlich sind. Sowohl Peking als auch Washington wollen demnach bis zum UN-Klimagipfel in Glasgow langfristige Strategien zur Erreichung von CO2-Neutralität ausarbeiten.

Kurzfristige Maßnahmen könnten der Erklärung zufolge etwa "internationale Investments" zur Unterstützung nachhaltiger Energieproduktion in Entwicklungsländern betreffen sowie einen Ausstieg aus der Produktion und dem Verbrauch von Fluorkohlenwasserstoffen, die etwa in Klimaanlagen und Kühlgeräten verwendet werden.

Der kanadische Ministerpräsident Justin Trudeau forderte von Biden angesichts des geplanten Gipfels eine "ernsthafte" Verpflichtung auf den Klimaschutz. Die USA müssten nach "Jahren der Abwesenheit" den Klimaschutz wieder "ernsthaft" verfolgten, sagte Trudeau der Nachrichtenagentur AFP.

Obwohl die Beziehungen zwischen China und Kanada seit Jahren angespannt sind, wies Trudeau darauf hin, dass die Regierung in Peking die Notwendigkeit zur Begrenzung der Umweltverschmutzung ernst nehme. "Sie investieren massiv in Innovationen - ob nun bei der Solar-Energie, elektrisch betriebenen Autos oder der Batterie-Technologie."

fwe/jes