USA drohen mit weiteren Militärangriffen gegen Assad

1 / 4
Vom Pentagon veröffentlichtes Archivbild der Al-Schairat-Basis

Nach ihrem Raketenangriff auf einen syrischen Luftwaffenstützpunkt haben die USA mit weiteren Angriffen gegen die Armee von Syriens Machthaber Baschar al-Assad gedroht. Russland verurteilte den US-Angriff als "ungeheuerliche Verletzung" des Völkerrechts und verlangte "Erklärungen". Nur wenige Stunden nach dem Beschuss starteten von der syrischen Militärbasis Al-Schairat laut Aktivisten erneut Kampfjets zu Einsätzen in Syrien.

"Wir sind darauf vorbereitet, noch mehr zu tun, hoffen aber, dass es nicht notwendig sein wird", sagte die US-Botschafterin bei der UNO, Nikki Haley, am Freitag in New York. Nach US-Regierungsangaben wurden in der Nacht zum Freitag 59 Marschflugkörper vom Typ Tomahawk auf die Luftwaffenbasis Al-Schairat in der Provinz Homs abgefeuert.

US-Präsident Donald Trump bezeichnete den Raketenangriff als Reaktion auf den mutmaßlichen Chemiewaffenangriff von Chan Scheichun in Syrien, für den er Assad verantwortlich machte. Es war die erste US-Attacke auf die Streitkräfte des syrischen Machthabers in dem seit sechs Jahren andauernden Bürgerkrieg.

Russland sprach von einem "Akt der Aggression". Die Vereinigten Staaten hätten damit einen souveränen Staat attackiert, sagte der russische Vertreter bei den Vereinten Nationen, Wladimir Safronkow, in einer Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats.

Russland erwarte "Erklärungen" für den Raketenangriff, wenn US-Außenminister Rex Tillerson in der kommenden Woche nach Russland reise, sagte die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa. "Er soll kommen und uns erklären, was sie heute getan haben. Wir werden ihm sagen, was wir davon halten", sagte Sacharowa dem russischen Sender NTV. Zuvor hatte der Sprecher von Russlands Präsident Wladimir Putin, Dmitri Peskow, gesagt, der US-Angriff füge den Beziehungen zu Washington "beträchtlichen Schaden" zu.

US-Angaben zufolge wurde das russische Militär in Syrien im Vorfeld über den Angriff informiert, um Todesopfer zu vermeiden. Bei dem Angriff seien Radaranlagen, Flugzeuge und Verteidigungssysteme ins Visier genommen worden. Etwa 20 syrische Flugzeuge seien zerstört worden.

Von Seiten der russischen Armee hieß es hingegen, der US-Angriff habe "extrem geringe" militärische Auswirkungen, die meisten der 59 Marschflugkörper hätten ihr Ziel verfehlt. Getroffen worden seien sechs syrische Flugzeuge, die in Reparatur gewesen seien, ein Lager und eine Funkstation.

Aus syrischen Militärkreisen hieß es, die Armee sei vor dem Angriff vorgewarnt worden. "Wir haben mehrere Flugzeuge in andere Gebiete gebracht", sagte ein Armeevertreter der Nachrichtenagentur AFP. Laut der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte wurden bei dem Angriff acht Angehörige der syrischen Armee getötet.

Am Freitag hoben Aktivisten zufolge von der Al-Schairat-Basis erneut zwei Kampfflugzeuge zu Einsätzen ab. Die Jets hätten von dem Stützpunkt aus Angriffe auf Ziele nahe Palmyra geflogen, meldete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Die Aktivisten konnten keine Angaben dazu machen, ob es sich um syrische oder russische Militärmaschinen handelte.

US-Präsident Trump zufolge handelt es sich bei der Al-Schairat-Basis um den Stützpunkt, von dem aus am Dienstag der mutmaßliche Giftgasangriff auf die Kleinstadt Chan Scheichun mit mindestens 86 Toten geflogen worden war. Washington macht Syriens Machthaber Baschar al-Assad für die Attacke verantwortlich, auch die Bundesregierung hält dies für "hochplausibel".

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bezeichnete den mutmaßlichen Giftgasangriff als "Chemiewaffenmassaker an unschuldigen Menschen". Wer Chemiewaffen einsetze, "begeht ein Kriegsverbrechen", sagte Merkel in Berlin. Den US-Angriff nannte sie angesichts des Leids der Menschen in Syrien "nachvollziehbar".

Mit Yahoo Nutzung stimmen Sie zu, dass Yahoo und Partner Cookies für Personalisierungs- und andere Zwecke nutzen