USA kündigen wegen Coronavirus Evakuierungsaktion für US-Bürger aus Wuhan an

Mediziner behandeln einen Patienten im Krankenhaus in Wuhan

Die rasante Ausbreitung des neuartigen Coronavirus hat nicht nur China zu massiven Maßnahmen veranlasst: Das US-Außenministerium kündigte am Sonntag an, US-Bürger aus der Millionenstadt Wuhan auszufliegen. Peking meldete unterdessen den ersten Todesfall durch die Atemwegserkrankung im Finanzzentrum Shanghai. Damit stieg die Zahl der Toten in der Volksrepublik auf insgesamt 56, rund 2000 Menschen seien laut Behörden infiziert. Chinas Staatschef Xi Jinping sprach von einer "ernsten" Bedrohung.

Die USA planen für Dienstag einen Flug aus der Elf-Millionen-Stadt Wuhan, in dem das Virus zuerst aufgetreten war, um US-Behördenpersonal und weitere Staatsbürger nach San Francisco zu bringen, teilte das US-Außenministerium am Sonntag mit. Für Privatpersonen gebe es nur "begrenzte Kapazitäten", schränkte die Behörde ein. Vorrang hätten Menschen, die durch den Krankheitserreger "stärker gefährdet" sind. Rund 1000 US-Bürger sollen sich nach Angaben des "Wall Street Journals" in Wuhan aufhalten. Auch Frankreich plant per Bus eine Evakuierungsaktion seiner Bürger aus der Hubei-Provinz.

Berlin: Vorerst keine Evakuierung von Deutschen aus chinesischer Provinz Hubei geplant

Aus Chinas Finanzmetropole Shanghai wurde unterdessen ein erster Todesfall von den Behörden gemeldet. Bisher seien insgesamt 40 Fälle der Atemwegserkrankung in der Millionenstadt bestätigt worden.

Die chinesischen Behörden verschärften am Wochenende die Maßnahmen zur Eindämmung der Epidemie nochmals: Nachdem bereits der Verkehr in 18 Städten in der am stärksten von dem Virusausbruch betroffenen Provinz Hubei in Zentralchina eingestellt wurde und mehr als 56 Millionen Menschen de facto unter Quarantäne stehen, wurde auch der Verkehr in Shantou im Süden des Landes am Sonntag eingeschränkt.

Millionenstadt Wuhan wie ausgestorben

Wuhan, das als erste chinesische Stadt wegen des Erregers 2019-nCoV unter Quarantäne gestellt worden war, wirkte am Samstag, dem chinesischen Neujahrstag, wie ausgestorben. Die wenigen Passanten, die zu sehen waren, trugen wie von den Behörden angeordnet Atemschutzmasken. Rund 20 Kilometer östlich des Stadtzentrums stauten sich an einer Autobahnsperre die Fahrzeuge. "Niemand kann hinaus", sagte ein Polizist der Nachrichtenagentur AFP.

In der Stadt sollen auch in kürzester Zeit zwei Spezial-Kliniken zur Behandlung von Coronavirus-Patienten entstehen: Mit dem Bau eines Krankenhauses, das am 3. Februar in Betrieb gehen und tausend Betten umfassen soll, wurde bereits begonnen. Am Samstag kündigten die Behörden den Bau einer weiteren Klinik mit 1300 Betten binnen 14 Tagen an.

Erste Fälle des Coronavirus in Europa: Frankreich bestätigt drei Infizierte

Aus Sorge vor der Krankheit will die Zentralregierung in Peking auch alle Gruppenreisen im In- und ins Ausland untersagen. Von Montag an würden sämtliche Gruppentouren chinesischer Reiseagenturen ins Ausland ausgesetzt, berichtete der Staatssender CCTV am Samstag.

Drei Großstädte, darunter die Hauptstadt Peking und die Millionenstädte Tianjin und Xian, kappen die Verbindungen von Langstreckenbussen. Wie die nationale Gesundheitsbehörde mitteilte, werden im gesamten öffentlichen Verkehr in China Fieber-Messstationen eingerichtet. Passagiere mit Verdacht auf eine Infektion müssten "sofort" in eine medizinische Einrichtung gebracht werden.

Hongkong ruft Notstand aus

Hongkong rief unterdessen den Notstand aus. Auch das Disneyland in der Metropole wird bis auf weiteres geschlossen bleiben, kündigte der Betreiber am Sonntag an.

Aus anderen Ländern wurden zuletzt einzelne Infektionsfälle gemeldet, darunter aus Thailand, Japan, Südkorea, Taiwan, Vietnam, Kanada und den USA. Inzwischen hat das Virus, das aus derelben Erregerfamilie wie das tödliche Sars-Virus stammt, auch erstmals Europa erreicht: In Frankreich wurde das Virus am Freitag bei drei Patienten nachgewiesen.

Gesundheitspolitiker warnten auch vor möglichen Fällen in Deutschland. "Wichtig ist, dass deutsche Kliniken sich bereits jetzt darauf vorbereiten, solche Patienten behandeln zu können", sagte der Vorsitzende des Bundestags-Gesundheitsausschusses, Erwin Rüdel (CDU), der "Rheinischen Post".

VIDEO: 37 Millionen abgeschottet: Chinas Regierung kämpft gegen das Virus