USA prüfen Einsatz von Malaria-Mittel als Medikament gegen Coronavirus

US-Präsident Donald Trump

Die USA prüfen den Einsatz eines häufig genutzten Malaria-Mittels zur Behandlung von Coronavirus-Patienten. US-Präsident Donald Trump sagte am Donnerstag, die Medikamentenbehörde FDA habe das Medikament Chloroquin bereits zugelassen. Es könne deswegen "fast sofort" in der Coronavirus-Pandemie eingesetzt werden. FDA-Chef Stephen Hahn schlug einen vorsichtigeren Ton an und sprach lediglich von beschleunigten Tests.

Trump hatte schon am Mittwoch "sehr wichtige Neuigkeiten" mit Blick auf mögliche Coronavirus-Medikamente angekündigt. Am Donnerstag sagte er dann bei einer Pressekonferenz im Weißen Haus, die FDA habe Chloroquin in einem beschleunigten Prozess zugelassen. "Sie haben es von vielen, vielen Monaten auf sofort verkürzt. Deswegen werden wir das Medikament über Rezept verfügbar machen."

Der bei der Pressekonferenz anwesende FDA-Chef Hahn betonte dagegen, Chloroquin sei bislang lediglich als Malaria-Mittel und gegen Arthritis zugelassen. Trump habe die Arzneimittelbehörde angewiesen, sich das Medikament mit Blick auf das Coronavirus "genauer anzuschauen". Dies solle in einem "großen pragmatischen klinischen Versuch" geschehen, um mehr Daten zu sammeln.

Trump bezeichnete die Möglichkeiten von Chloroquin dennoch als "aufregend". "Das könnte bahnbrechend sein. Oder vielleicht nicht. Aber nach dem, was ich sehe, könnte es bahnbrechend sein." Der Vorteil sei, dass das Arzneimittel bereits seit langer Zeit auf dem Markt sei, sagte der Präsident. Selbst wenn es beim Coronavirus letztlich nicht helfen sollte, würde es niemanden "töten".

Chinesische Forscher hatten berichtet, das seit den 40er Jahren als Malaria-Mittel eingesetzte Chloroquin sowie der ähnliche Wirkstoff Hydroxychloroquin hätten sich bei Coronavirus-Patienten als wirksam erwiesen. Inzwischen ist auch in Europa das Interesse an den Arzneimitteln gewachsen. Ein französischer Forscher testete Hydroxychloroquin, das vom Pharmakonzern Sanofi unter dem Namen Planquenil vertrieben wird, an mehreren Patienten. Sanfoi sprach von "vielversprechend" Studien.

Erst am Mittwoch sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU), die Regierung habe beim Pharmakonzern Bayer bereits "größere Mengen" Chloroquin reserviert. Deutsche Behörden würden "alle Studien dazu mit Hochdruck" begleiten, sagte Spahn den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland. "Wir wollen schnell wissen, ob dieses Medikament bei Corona hilft."

Forscher mahnen allerdings zur Vorsicht. Die derzeitige Datenlage ist sehr dünn.

Die Zahl der Coronavirus-Infektionen stieg auch in den USA rasant an. Inzwischen wurden in dem Land mehr als 11.000 Infektionen und mehr als 150 Todesfälle bestätigt.

US-Präsident Trump attackierte China am Donnerstag erneut wegen der Coronavirus-Krise. Die Welt zahle derzeit einen "sehr hohen Preis" für mangelnde Transparenz der chinesischen Regierung zu Beginn des Ausbruchs, sagte Trump. "Es wäre viel besser gewesen, wenn wir einige Monate vorher Bescheid gewusst hätten. Dann hätte es (das Virus) auf die Region in China begrenzt werden können, in der es begann."

China wird vorgeworfen, das Auftreten des Virus in der Großstadt Wuhan zunächst vertuscht zu haben. Trump spricht inzwischen gewohnheitsmäßig vom "chinesischen Virus", was Kritiker und auch die Regierung in Peking als rassistisch und stigmatisierend zurückweisen.