USA: Nazi-Polizist bekommt 1,5 Millionen Dollar Abfindung

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Ein stellvertretender US-Polizeichef gibt sich als glühender Nazi-Anhänger zu erkennen. Nun muss die Stadt eine saftige Abfindung an ihn zahlen, um ihn loszuwerden.

Die Abfindung des ehemaligen stellvertretenden Polizeichefs kommt die Stadt Kent teuer zu stehen.
Die Abfindung des ehemaligen stellvertretenden Polizeichefs kommt die Stadt Kent teuer zu stehen. (Symbolbild: Getty)

Kent liegt im Einzugsbereich der Großstadt Seattle im Westen des US-Bundesstaats Washington. In der 126.000 Einwohner*innen Stadt pendeln die meisten Menschen zu Jobs in der Metropolregion, es ist ein friedlicher Ort mit grünen Vorgärten, 73 Parks - und einem problematischen stellvertretenden Polizeichef.

Denn Derek K. ist ein offener Nazi-Fan. Im Juli 2021 begann ein Diziplinarverfahren gegen den Polizisten, der seit 27 Jahren im Dienst ist. Anlass waren unter anderem ein SS-Abzeichen an seiner Bürotür. Ein Kollege von K. hatte sich über die Nazi-Insignie beschwert, die im Dritten Reich von Obergruppenführern getragen wurden. Die ursprüngliche Diziplinarstrafe sah zunächst nur eine zweiwöchige unbezahlte Suspendierung vor. Doch wie die "Seattle Times" berichtete, gab es daraufhin empörte Reaktion aus der Stadt. Zahlreiche Bürger*innen und Mitglieder der Jüdischen Gemeinde beschwerten sich bei den Behörden. Auch Bürgermeisterin Dana Ralph forderte den sofortigen Rücktritt des stellvertretenden Polizeichefs.

Hitlerbart und Holocaust-Witze

Doch so einfach war das nicht. Obwohl nach und nach weitere Details ans Licht kamen, die seine Einstellung verdeutlichten, wird die Stadt K. nicht ohne Weiteres los. Während des Diziplinarverfahrens kam heraus, dass dem stellvertretenden Polizeichef die Bedeutung des SS-Abzeichens sehr wohl bekannt gewesen sein dürfte. Dazu berichteten weitere Kolleg*innen davon, von K. wiederholt Witze über den Holocaust gehört zu haben. In dem Verfahren musste der hochrangige Polizist auch einräumen, sich einmal einen Hitlerbart rasiert zu haben. Auf einer Aufnahme eines vermeintlichen Hitlergrußes beim Oktoberfest 2019 sei er dagegen "nur beim Winken erwischt" worden, beteuerte K.

Zähe Verhandlungen vor Einigung

Doch laut geltendem Recht hätte eine darauf beruhende Entlassung vor Gericht kaum Bestand. Vermutlich hätte K. sich seinen Arbeitsplatz zurück erklagen können, inklusive Gehaltsnachzahlungen. So kommt sein Rücktritt die Stadt nun ziemlich teuer zu stehen. Ursprünglich soll K. sogar 3,1 Millionen US-Dollar (umgerechnet 2,96 Millionen Euro) als Abfindung gefordert haben.

Nach monatelangen zähen Verhandlungen einigte man sich schließlich auf immerhin noch 1,52 Millionen US-Dollar (etwa 1,46 Millionen Euro). Der städtische Anwalt Arthur Fitzpatrick sagte am vergangenen Freitag in einem Statement, die Behörde sei fest überzeugt, dass die Beilegung dieses Falles ein "wichtiger Schritt ist, der Verpflichtung gegenüber der Gemeinde nachzukommen." Seit Januar war K. bei voller Bezahlung freigestellt, dank der kostspieligen Abfindung konnte sein Vertrag nun aufgelöst werden.

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