USA: Skurrile Methode soll Einbruch an Autos verhindern

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In der Bay Area im US-Bundesstaat Kalifornien lassen Autobesitzer*innen ihre Fahrzeuge offenstehen. Damit Diebe sehen: Hier gibt es nichts zu holen. Es lohnt also nicht, die Scheibe einzuschlagen.

In der Bay Area haben dieses Jahr Diebstähle zugenommen: Autobesitzer*innen lassen ihre Fahrzeuge deshalb offen
Der Vorfall dauert nur Sekunden: Diebe schlagen das Autofenster ein und stehlen, was auf den Sitzen liegt. (Symbolbild: gettyimages)

Es ist ein skurriler Anblick: In der sogenannten Bay Area, das ist die Metropolregion um die US-Städte San Jose, San Francisco und Oakland, lassen Autobesitzer*innen ihre Fahrzeuge offen stehen. Die Türen sind unverschlossen und der Kofferraum steht tatsächlich offen nach oben. Der Grund ist im ersten Moment noch skurriler: um Einbrüche vorzubeugen.

Nichts zu holen

In der Bay Area, so berichten es derzeit mehrere Lokalmedien, ist es in den vergangenen Monaten zu einem Anstieg an "vehicle break-ins" gekommen – also Diebstählen aus Fahrzeugen.

Die Diebe schlagen dazu kurzerhand die Scheiben ein, greifen zu und verschwinden. Um den Schaden an ihren Fahrzeugen zu verhindern – und da sie ohnehin keine wertvollen Gegenstände mehr darin liegen lassen – haben sich deshalb Autobesitzer*innen entschieden, ihre Fahrzeuge offen zu lassen. Damit potenzielle Diebe durch den geöffneten Kofferraum ins Innere blicken können und sehen: Hier lohnt es sich nicht.

Vergleich zum Vor-Vorjahr nicht so dramatisch

"In meinem Auto lasse ich nie etwas liegen und so können die Diebe auch gleich sehen, dass es nichts zu holen gibt", sagt beispielsweise Parisa Hemmat, sie wohnt und arbeitet in Oakland, im Gespräch mit "Inside Edition".

Laut dem Regionalausleger der "NBC" haben vehicle break-ins dieses Jahr um 187 Prozent zugenommen verglichen zum Vorjahr. Das entspricht derzeit rund 74 Fahrzeugeinbrüchen pro Tag.

Allerdings ist diese extreme Zunahme vor allem auf das Vergleichsjahr zurückzuführen: Denn 2020 war aufgrund des Coronavirus und ausbleibendem Tourismus das Jahr mit den geringsten Autodiebstählen seit langem. Mit Zahlen aus den Jahren vor der Pandemie verglichen, haben die Diebstähle lediglich um knapp zehn Prozent dieses Jahr zugelegt.

Ehemaliger Polizeichef warnt vor der Taktik

Dennoch: Manche Fahrzeugbesitzer*innen belassen es nicht nur bei unverschlossenen Türen, sie haben auch Schilder an ihren Scheiben angebracht. Darauf steht etwa: "Bitte benutzt die Türen." Oder: "Bitte nicht die Scheiben einschlagen! Hier gibt es nichts zu holen!"

Doch die Taktik, Einbrüchen vorzubeugen, indem die Türen offenbleiben, scheint nicht der Weisheit letzter Schluss zu sein. So warnte kürzlich der ehemalige Polizeichef von San Francisco, Garret Tom, im Interview mit "ABC 7": "So könnten Diebe ganz einfach die Batterien klauen oder die Reifen. Sie könnten auch herausfinden, wo die Besitzer*innen wohnen. Das ist eine Einladung zur Katastrophe."

Diebstahl als Flashmob

Die Polizei kommt der Entwicklung nicht ansatzweise hinterher: 98 Prozent der Diebstähle bleiben unaufgeklärt. Was an mehreren Gründen liegt: Teilweise dauern die Vorgänge weniger als zehn Sekunden. Dann sind die Diebe außerdem gut organisiert, sie haben oft schon Abnehmer und können die Ware schnell verkaufen. Es sind dazu nicht nur Autos, die aufgebrochen werden. Auch Ladendiebstähle haben zugenommen.

Ein millionenfach geklickter YouTube-Clip zeigt, dass hier noch ein weiterer Grund hinzukommt, der die Aufklärung schwierig macht: Die Diebe organisieren sich offenbar über soziale Medien und finden sich so zu Gruppen zusammen, die gemeinsam auf Raubzüge gehen. 

In dem Clip wird das Vorgehen mit einem Flashmob verglichen. Zwar kennen sich manche der Diebe aus den Gruppen, aber eben nicht alle. Selbst wenn die Polizei einige der Diebe festnehmen würde, diese könnten nicht bei der Ermittlung weiterer Beteiligter helfen – denn sie sind sich zuvor nie begegnet und kennen keine Namen voneinander.

Im Video: Einfach rausgerissen - Rabiater Serien-Einbrecher macht sich mit Geldautomaten davon

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