Spahn will schnell durchimpfen; Zweifel an Astra-Impfstoff

David Verbeek
·Lesedauer: 3 Min.

(Bloomberg) -- Spahn will schnell durchimpfen, die Deutschen sollen nicht böllern, und AstraZeneca soll geschönt haben: Der Corona-Überblick.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn erwartet, dass in Deutschland noch vor Jahreswechsel erste Impfungen gegen das Coronavirus stattfinden werden. Er sei optimistisch, dass noch in diesem Jahr ein Impfstoff in Europa zugelassen werde, und die deutschen Impfzentren würden wahrscheinlich ab Mitte Dezember bereit sein, sagte er gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Eine Durchimpfung der Bevölkerung werde vermutlich “schnell” gehen und nicht bis Ende 2021 dauern, erklärte Spahn.

Deutschland habe sich über die EU-Kommission und bilaterale Verträge mehr als 300 Millionen Impfdosen gesichert, sagte Spahn. „Auch bei zwei Dosen pro Impfung hätten wir dann genug für die eigene Bevölkerung und könnten mit anderen Ländern teilen“, erklärte er laut RND.

Der Teil-Lockdown in Deutschland könnte verschärft und bis zum 20. Dezember verlängert werden. Laut einem Briefingpapier, aus dem deutsche Medien zitieren, sollen private Zusammenkünfte weiter eingeschränkt und Sylvesterfeuerwerk untersagt werden. Die Ministerpräsidenten wollen sich am Montag weiter beraten, bevor am Mittwoch im Gespräch mit Bundeskanzlerin Angela Merkel eine Entscheidung fallen soll.

In den USA könnten Impfungen gegen Covid-19 könnten in weniger als drei Wochen beginnen. “Am 11. oder 12. Dezember werden in den USA, in allen Bundesstaaten, hoffentlich die ersten Menschen geimpft”, sagte Moncef Slaoui, Leiter von “Operation Warp Speed”, dem Programm der US-Regierung zur Beschleunigung der Impfstoffentwicklung, dem Sender CNN. Nach aktuellen Planungen sollen gegen Mai rund 70% der Bevölkerung immunisiert sein. “Die meisten Menschen müssen geimpft sein, bevor wir zum normalen Leben zurückkehren können”, so Slaoui.

Der Impfstoffkandidat der britischen AstraZeneca und der Universität Oxford hat laut Studiendaten eine durchschnittliche Wirksamkeit von 70%. Bei einem von zwei Dosierungsschemata, bei dem erst eine halbe und später eine volle Dosis verabreicht wird, liege die Wirksamkeit bei 90%, hieß es. Zwar weist der Impfstoff von AstraZeneca eine niedrigere Wirksamkeit auf als die Seren von Pfizer/BioNTech und Moderna, jedoch hat das Astra-Mittel Vorteile bei der Handhabung, vor allem in ärmeren Ländern, weil es nur bei Kühlschranktemperatur und nicht tiefgefroren gelagert werden muss.

AstraZeneca habe die Impfstoffdaten “geschönt”, indem sie die Wirksamkeit von 90% in einem “relativ kleinen” Teil der Studie in den Vordergrund gestellt habe, schreibt die amerikanische Bank SVB Leerink in einer Studie. Das Mittel werde in den USA “niemals zugelassen” werden, schrieb Analyst Geoffrey Porges. Die Aktie von AstraZeneca weitet daraufhin ihre Verluste aus und notierte zuletzt 3,5% unter ihrem letzten Schlusskurs. Ein Vertreter von AstraZeneca war zunächst nicht für einen Kommentar zu erreichen.

Deutschland hat nach Angaben der Johns Hopkins Universität vom Montagmorgen in den zurückliegenden 24 Stunden 4.377 Corona-Neuinfektionen und 98 Todesfälle im Zusammenhang mit dem Coronavirus gemeldet. Sonntag und Montags sind die gemeldeten Zahlen häufig niedriger als an anderen Tagen, wegen geringerer Tests und Meldeverzögerungen am Wochenende.

Seit Beginn der Pandemie wurde das Virus in der Bundesrepublik damit bei insgesamt 932.367 Personen festgestellt. Die Gesamtzahl der Todesfälle stieg auf 14.159.

Laut Robert Koch Institut am Vorabend lag die Reproduktionszahl, der sogenannte 4-Tage-R-Wert bei 1,08, nach 1,05 am Vortag. Das R-Maß gibt an, wie viele weitere Menschen ein Infizierter im Durchschnitt ansteckt; die Zahl sollte unter 1,0 liegen, um eine exponentielle Ausbreitung zu verhindern, die das Gesundheitssystem überfordern könnte.

(Aktualisiert Absatz zu AstraZeneca-Impfstoff, ergänzt SVB Leerink)

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