Vancouver: Kinderschuhe erinnern an furchtbares Schicksal

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Eine Frau im kanadischen Vancouver betet vor den 215 Kinderschuh-Paaren, die an die verschwundenen Kinder aus dem Umerziehungslager erinnern sollen. (Bild: Mert Alper Derviş/Anadolu Agency via Getty Images)
Eine Frau im kanadischen Vancouver betet vor den 215 Kinderschuh-Paaren, die an die verschwundenen Kinder aus dem Umerziehungslager erinnern sollen. (Bild: Mert Alper Derviş/Anadolu Agency via Getty Images)

In einer ehemaligen kanadischen Umerziehungsschule wurden die Überreste von 215 indigenen Kindern entdeckt. Ein Kunstprojekt soll nun an deren Schicksal erinnern.

Es ist ein düsteres Kapitel der kanadischen Geschichte. In den sogenannten "Residential Schools" sollten die Kinder der indigenen Bevölkerung umerzogen und missioniert werden. Ein besonders schrecklicher Fund beleuchtet nun diese Schicksale erneut, nachdem die Leichen von 215 Kindern bei Radaraufnahmen auf dem ehemaligen Gelände der Kamloops School in British Columbia entdeckt wurden. Die Schule war 1978 geschlossen worden, erst jetzt wurde das Massengrab entdeckt. Die Todesursachen und -zeitpunkte sollen nun von einem Pathologen aufgeklärt werden. Im Juni wird die indigene Gemeinde des Ortes einen Bericht dazu veröffentlichen. Die Nachricht von der Entdeckung der Kinderleichen wurde in Kanada mit großer Bestürzung und Trauer aufgenommen.

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Der kanadische Premierminister Justin Trudeau schrieb auf seinem Twitter-Account, der Fund sei "eine schmerzliche Erinnerung an ein beschämendes Kapitel unserer Geschichte." Ebenfalls per Tweet kündigte der Regierungschef an, die Flaggen an offiziellen Gebäuden auf Halbmast setzen zu lassen. 

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Trudeau versprach der indigenen Bevölkerung: "Wir sind für euch da." Doch mit solchen Gesten allein lässt sich dieses kanadische Trauma nicht heilen. Wie wenig aufgearbeitet die brutale Strategie der Umerziehung noch ist, bestätigt nicht nur der Fund der 215 Kinderleichen. Auch auf den Sozialen Medien wurde aus diesem Anlass an die jahrzehntelange Misshandlung der indigenen Bevölkerung durch Staat und Kirche erinnert. So schrieb ein User, noch bis in die Fünfziger Jahre habe man ein indigenes Kind für zehn Dollar erwerben können "ohne Fragen zu stellen". Dazu postete er einen dementsprechendes Kaufangebot aus dieser Zeit.

"Jedes Kind zählt"

Der BBC sagte Rosanne Casimir, Chief der Gemeinde in Kamloops, der Fund repräsentiere einen unsagbaren Verlust, der von der Schulverwaltung niemals offiziell dokumentiert worden sei. Auch nach der Schließung der Schule in Kamloops existierten die "Residential Schools" weiter. Noch im Jahr 1979 gab es ein Dutzend solcher Umerziehungsschulen in ganz Kanada. Erst 1996 wurde die letzte existierende "Residential School" in Saskatchewan geschlossen. Bis dahin waren über 150.000 indigene Kinder von ihren Familien getrennt und zur Konvertierung gezwungen worden. 

Nur langsam bekannten sich Kirche und Schule zu dem Unrecht, das der indigenen Bevölkerung dort angetan wurde. Der kanadische Staat entschuldigte sich 2008, ein Jahr später folgte eine inoffizielle Entschuldigung der katholischen Kirche. Doch noch immer leiden zahlreiche Menschen unter den psychischen Folgen der Misshandlung in den Umerziehungseinrichtungen. Die 215 Schuhpaare auf den Treppenstufen vor dem Kunstmuseum von Vancouver sind ein erstes sichtbares Mahnmal. Am heutigen Montag werden viele Kanadier orangefarbene T-Shirts mit dem Slogan "Every Child Matters" ("Jedes Kind zählt") tragen, um ihre Solidarität zu zeigen und der Kinder von Kamloops zu gedenken. 

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